Die australische Freizeitschuhmarke Royal Elastics hat den schnürsenkellosen Sneaker zum Fashionitem gemacht. Ausruhen tun sie sich auf den erworbenen Lorbeeren nicht.Jetzt sind sie mit neuer Kollektion und neuen Ideen zurück.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 61

Oh Bondage, up yours!
“Royal Elastics” wagen was und gewinnen

Hier kommt sie, die Rache der Schnürsenkel. Die australische Freizeitschuhmarke Royal Elastics hat vor fünf Jahren mit ihrem schnürsenkellosen Elastosneaker einen Klassiker geschaffen, der vielleicht nicht ganz an den Status der Romika-Segeltuchslipper kratzt (zumindest habe ich nie Alec Guiness in Royals gesehen), der aber ganz zurecht auf der “Sneakers etc.”-Ausstellung einen exponierten Vitrinenplatz bekam. Wenn plötzlich Anzughosen nicht mehr nur auf Budapester Lederschuhe fielen, dann waren die distinguiert schlichten Royals mit daran Schuld. Und “No Logo”-Leser waren froh, dass sie gegen den Anti-PC-Monopolisten Nike eine Alternative hatten, die keine Notlösung war. Ein Schuh für dogmatische Apple-User, das war’s mal. Aber den beiden Firmengründern Tull Price und Rodney Adler war klar, dass sie das Erfolgsrezept nicht endlos würden wiederholen können. Es musste was passieren.

Aus dem Sumpf, an den eigenen Haaren

Und es passierte was. Wenn jetzt wieder Royal Elastics auf den hellblauen Podesten in Schuhläden stehen, in denen “Zero 7” läuft, dann ist das vor allem einem Modell geschuldet, das man so weder von Royal Elastics noch überhaupt einer Schuhmarke erwarten konnte. So viel visionäres Chuzpe braucht es erstmal. Price und Adler haben offensichtlich die richtige Entscheidung getroffen, als sie sich bei der Fusion mit dem amerikanischen Sneaker-Produzenten K-Swiss 2001 darauf versteiften, beim Design alles in den eigenen Händen zu behalten.
Mit ihrem neuen Aushängemodell “Chedal” haben sie so etwas wie den Mr. Hyde zu ihrem Dr. Jekyll-Startmodell geschaffen.
Der (die? das?) Chedal (ein Pferd auf einem Sockel? Gerade keinen Bock nachzuschlagen…) ist ein softer Stretchstoffsneaker in zerklüftetem Knautschdesign, der als auffälligstes Detail – ja, was zeigt? Genau: Schnürsenkel! Aber, ha, nicht in der konventionellen Zusammenbindefunktion, wie öde wär’ das? Ne, eben so Bondage-mäßig, wie im geheimen Mr. Hyde-Leben eben. Als ob Miniaturcowboys mit einem Lasso versucht hätten, Royal Elastics einzukreisen. Quer über den Spann schnürt sich der Senkel, unter der Sohle rum. Vielleicht ist es auch die Visualisierung des guten alten Kielholens und die Cowboys sind Piraten? Sehr abenteuerlich zumindest, wie man hier hört. Und dieses Abenteuerliche so ambivalent schick hinzukriegen, dass man sich halb fürchtet, mit den “Chedal” zur Vernissage mit DJ auf dem Klo zu gehen, halb aber auch sau stolz darauf ist, so voraus (oh lieber Gott, lass es voraus sein und kein Irrweg!) zu sein, dass es die anderen erst morgen honorieren werden können, die Fashion-Luschen, das heißt, genau den Punkt zu kitzeln, an dem Mode existentialistisch bedeutsam wird. Mit dem Chedal auf einsam arroganter Höhe, die eigentlich nur unsicher narzisstisch nach Anerkennung schreit. Der Anerkennung, dass man sensiblere Ästhetiksensoren hat. Und genau deshalb nicht das stumpf amoralische Fashion-Victim sein kann, weil das Ausbilden von Sensoren auf solch diffiziler Höhe moralische Überlegenheit verlangt. Was aber immer die Möglichkeit des oberpeinlichen Scheiterns in sich trägt. Und einen damit zum verunglücktesten Fashion-Victim per se machen würde, das nicht nur amoralisch, sondern auch geschmacklos ist.
Mit dem Chedal ist Royal Elastics noch einmal, zum zweiten Mal, die Ausnahmeleistung geglückt, das verharmloste Spiel mit der Mode zu einer olympischen Disziplin zu machen aus einer Zeit, in der es noch beleidigte Götter und Wurfspeere gab. Und in der Triumph und Staubfressen ganz dicht beieinander lagen. Eine Disziplin, würdig nur den furchtlosesten Mode-Gladiatoren, wahrhaft royal.
Adventure up your life. Trag Chedal und stell dir vor, du wärst Alec Guiness in Romika, der im Video zu X-Ray Spex’ “Oh Bondage, up yours” Pogo tanzen muss.

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Elektronische Lebensaspekte.