Text: A.Waldt & Hans Wu aus De:Bug 18

rTMark A.Waldt & Hans Wu indigo@silverserver.co.at & Hans.Wu@Blackbox.at rTMark ist die Firma von morgen. Wenn Barbiepuppen plötzlich “Let’s go and kill’em” belfern und dafür GI-Joe Puppen: “I want to ride my Pony!” säuseln, war ein Geschäftspartner von rTMark am Werk. Das Austauschen der Sprechmodule in Hunderten von Puppen, die danach regulär in den Einzelhandel gelangten, wurde von Arbeitern erledigt, die sich damit das Geld eines von rTMark verwalteten Risiko-Fonds verdienten. Die Idee wurde den rTMark Fonds-Managern anonym im Netz zur Verfügung gestellt, und schließlich hatten eine Reihe von Investoren unterschiedlich hohe Anteile des entsprechenden Risiko-Papiers gezeichnet. Alle Beteiligten, inklusive den rTMark-Angestellten, blieben bei dieser Transaktion auf eigenen Wunsch hin anonym. Generelle Subversion hinter Nussholztüren Das war 1993, und seitdem ist die Firma – ähnlich wie Intel mit der Inside-Kampagne – aus der Box vor die nächste Fernseh-Kamera gesprungen, wobei die Identität der einzelnen Mitarbeiter weiterhin strikt geheim bleibt. Anläßlich der Einweihung ihres neuen Büros haben wir rTMark einen Besuch abgestattet. “Welcome to the rTMark-headquarters!” säuselt der Aufzug, dafür gleiten die nussholzbeschlagenen Türen völlig lautlos seitwärts & geben den Blick auf eine Edelstahl-Empfangstheke frei, in deren Schubladen die gesamte De:Bug-Redaktion Platz fände. Verunsichert stolpern wir über den Marmorboden & drucksen was von unserem Termin. Eigentlich waren wir mit Punks verabredet, höchstens Kunststudenten, jedenfalls erwarte ich Punks, wenn es um GENERELLE SUBVERSION geht. Dieses dezent protzige Büro in der New Yorker Pine-Street, nur einen Hotdog-Wurf von der Wallstreet, sieht eher aus wie das Herz der Bestie, die rTMark bekämpft: die Macht der Konzerne. Aber rTMark macht mit seinen Aktionen auch noch GEWINNE, zahlt DIVIDENDEN aus & der freundliche Fondsmanager mit dem manikürten Händedruck und den italienischen Edelslippern ist so ziemlich der letzte Mensch, den du zum Strommasten-Umsägen oder einer zünftigen Strassenschlacht mitnehmen würdest. Im Konferenzraum werden wir mit melonen-grossen Cognac-Schwenkern, Rauchwaren sowie dem neuesten Firmenvideo versorgt, inclusive Erläuterungen des PR-Direktors, natürlich im Laserpointer-Style. rTMark: Wir zielen auf die Oberfläche, auf das Image der Corporations. Wir treten wie die Konzerne auf, um gegen sie anzutreten. Wir benützen ihre Ausstrahlung und ihr Image um das Ganze umzudrehen, gegen sie zu verwenden. Mit der Umkehrung der Positionen decken wir das abscheuliche in der Natur der großen Konzerne auf. Die Macht der Konzerne ist total anders, als die der Regierungen, aber meistens wird Konzernmacht wie Regierungsmacht bekämpft. Es gibt die ganze Hacker-Diskussion über Security, über den Schutz des Privatbereichs, die kommt aus der Sicht, wie wir staatliche Gewalt rezipieren, nämlich als das ultimative Böse. Aber viel schlimmer ist doch, daß wir nicht sehen können, was die großen Konzerne machen. Die Konzerne haben einen geschützten Privatbereich. Das ist das wirkliche Übel. Ich würde sofort meine persönliche Privatsphäre aufgeben, wenn die Konzerne es auch machen würden. Subversion sells Diese Dialektik lohnt sich im medialen Zeitalter: Der 34-jährige Computerprogrammierer Jacques Servin aus San Francisco hatte im Computerspiel SimCopter einige Sequenzen so modifiziert, daß der Held nach getaner Arbeit nicht von einer vollbusigen Blondine sondern von einem Transvestiten geherzt wird, und in der Kulisse des Spiels tauchen Hunde auf, die Söldnern den Schwanz lutschen. Die Änderungen wurden erst bemerkt, als schon etliche 10.000de der Spiele verkauft waren und sorgte für einen entsprechenden Wirbel. Als Jacques Servin zugab, für die ungewöhnliche Siegerehrung verantwortlich zu sein, war er nicht nur seinen Job los, sondern auch schlagartig berühmt. Natürlich hätte er schweigen und einfach das Geld des rTMark-Fonds einstreichen können, so aber wurde er in zahllose Talk-Shows eingeladen und bekam innerhalb weniger Tage einen wesentlich besser bezahlten Job. Die “geschädigte” Firma hatte jede Menge Gratis-PR bekommen und verkaufte SimCopter unglaublich gut. So hatten die rTMark- Manager wieder einmal einen kulturellen und medialen Mehrwert geschaffen, der sich letztendlich für alle Beteiligten in Dollars auszahlte. rTMark: Unsere Währung ist die Anerkennung. Wir und andere Konzerne geben den Medien das, was sie selber sagen wollen. Vordergründig geht es nur um Zeit und Platz, die gefüllt werden müssen. Konzerne füllen diese Zeit, indem sie fertige Beiträge abliefern, die dann auf Sendung gehen, als ob sie von den Redaktionen selber kommen würden, obwohl sie im Grunde nur Werbung sind. Ein großer Teil der US-News sind Produkte der Konzerne. Ich weiß jetzt nicht den genauen Anteil, er wird aber um die 30-40 Prozent liegen. Die Saboteure mit politischen Ambitionen haben ihre Agentur für merkwürdige Anliegen straff nach ökonomischen und medialen Gesichtspunkten organisiert. In Fonds unterschiedlicher Risiko-Klassen kann man mit jedem Betrag ab 100$ einsteigen, man kann auf Einzelprojekte setzen, sein Kapital streuen oder die Entscheidung den rTMark-Managern überlassen. Projekte können von prinzipiell jedem an die Firma herangetragen werden, am einfachsten über das Internet. Dort werden auch alle potentiellen Aktionen publiziert und so Geldgeber und Ausführende gesucht. Die wirklich grossen Deals werden höchstwahrscheinlich in der üblichen Manier auf den Golfplätzen von Long Island oder bei Geschäftsessen in der Upper-West-Side abgeschlossen, aber die strikte Geheimhaltung aller Details verbindet rTMark noch mit den klassischen Subversiven. Die Mechanismen der (vorerst) amerikanischen Medien machen es möglich, daß mit diesem merkwürdigen Treiben eine Menge Geld umgesetzt und fette Gewinne realisiert werden. Über ihre Firmenbilanz behält rTMark Stillschweigen, aber allein die Zeit, die hier für alle Sende- und Printformate produziert wird, ist jährlich Millionen wert. Dazu werden Stars kreiert, was sowieso das gleiche ist wie Geld zu drucken und ein Paar der veränderten Puppen (Also Barbie und GI-Joe in Orginalverpackung, regulärer Ladenpreis 40$) erreicht auf Kunstauktionen spielend Preise von 50 000$. Diese Art von Geschäften wird auch durch die besondere Stellung amerikanischer Firmen möglich, da die Companies die gleichen Rechte aber nicht die Pflichten einer Privatperson besitzen. So nutzt rTMark das Recht auf eine Privatsphäre, das Firmen haben, aus, um gleichzeitig hohe Dividenden zu machen und das herrschende Finanzsystem anzugreifen. Die Art und Weise in der dabei agiert wird, hätte jedem Bürger längst eine Menge Ärger wenn nicht einen Gefängnisaufenthalt eingehandelt, als Firma erfreut sich rTMark bester Gesundheit und Anerkennung. Schwer zu sagen, ob hier Künstler, Broker, Politiker oder Medienexperten am Werk sind, noch schwieriger, wie man ihre Arbeit nennen soll. Ihr Cognac ist auf jeden Fall erste Klasse und bessere Robustos haben wir noch nie geraucht. Mehr Informationen über alle rTMark-Aktivitäten, sowie das aktuelle Firmenvideo: http://www.rtmark.com ZITATE: Der Fondsmanager mit dem manikürten Händedruck und den italienischen Edelslippern ist so ziemlich der letzte Mensch, den du zum Strom-Masten-Umsägen mitnehmen würdest. Ich würde sofort meine persönliche Privatsphäre aufgeben, wenn die Konzerne es auch machen würden.

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Elektronische Lebensaspekte.