Flop des Jahres
Text: Anton Waldt aus De:Bug 168

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Facebook-Verweigerer sind abnormal und potentiell gefährliche Psychopathen – klingt bescheuert? Ist aber so.

Auch im Dorf der Facebook-Trottel war früher alles besser. Weil das Dorfleben immer ungemütlicher wird und sich gleichzeitig die Erkenntnis durchsetzt, dass wir aus dieser Nummer nicht ohne weiteres wieder rauskommen. Dazu müsste sich nämlich eine kritische Masse im zweistelligen Millionenbereich auf ein neues Dorf und einen Umzugstermin einigen, schließlich ist man da, weil die anderen auch da sind und die anderen sind da, weil man selbst da ist. Gleichzeitig ist Facebook so selbstverständlich geworden, dass dem Batman-Premieren-Amokläufer ein Strick daraus gedreht wurde, keinen Account zu haben: Facebook-Verweigerer sind abnormal und potentiell gefährliche Psychopathen – klingt bescheuert? Anders Breivik war auch nicht auf Facebook! Die mediale Mechanik, die solchen Schwachsinn produziert und verbreitet, lautet dabei schlicht: Journalisten fühlen sich ans Bein gepinkelt, wenn Massenmörder kein saftiges Material im sozialen Netzwerk deponieren, weil dieser Grad der Kooperationsverweigerung mutwilliger Mediensabotage gleicht. Amokläufer, die auf eine gute Presse Wert legen, können sich Facebook also nicht mehr verweigern und gleiches gilt auch für Jobsuchende: Personalabteilungen wollen dich auf Facebook erwischen, am besten mit leicht grenzwertigen Fotos, weil die ein wohliges Daseinberechtigungsgefühl ins traurige Personalerleben bringen. Facebook-Abstinenz kann man sich erst wieder in der wichtigen Chefsphäre erlauben.
Und während der Masse langsam aber gründlich dämmert, dass Facebook eine chinesische Fingerfalle auf wackeliger Datenbankbasis ist, schraubt der Konzern ungefragt an den Basisfunktionen. Was niemand braucht oder will, weil es längst einen unausgesprochenen Konsens gibt, was zum sozialen Netzwerken so dazugehört, und der ist reichlich simpel: einfach zu verknüpfende Profile mit Timeline und Mediensalat, Events, Nachrichten, Chat, Gruppen, fertig ist die Laube. Eigentlich so dermaßen simpel, dass man dazu keinen lästigen Betreiber bräuchte, der permanent Aufmerksamkeit verlangt. Facebook sollte einen Stellenwert wie GMX haben. Funktionieren und Fresse halten. Man sollte Facebook verstaatlichen. Was dann aufs Internet übertragen heißt, ein Protokoll draus machen: FTP, SMTP, HTTP also warum kein SNTP? Weil wir in Sachen Soziale Netzwerke in der Bequemlichkeitsfalle der Konzerne sitzen, in der auch ein Schnittstellengeflicke wie OpenSocial keine echte Alternative bietet. Immerhin zeichnet sich ein Ausweg aus dieser verfahrenen Situation ab, was dufte ist, auch wenn es sich um eine miese Gammelstudentenmasche handelt: Wer sich zum überfälligen Wohnungswechsel nicht aufraffen kann, wartet eben darauf, rausgeschmissen zu werden. Und diesbezüglich sieht es bei Facebook ja gar nicht schlecht aus, weil der Laden seit Mai an der Börse ist und die Shareholder endlich Blut sehen wollen. Und da der Werbegroschen für eine Dividende nicht reicht (von einem Kursfeuerwerk als Spekulationsbonus ganz zu schweigen), müssen eben die Basisfunktionen kostenpflichtig werden: Wer richtig kommunizieren will, soll löhnen. WTF? Kann eigentlich gar nicht gut ausgehen, diese Geschichte. Schuld am Schlamassel, der sich für die Nutzermilliarde hoffentlich als segensreicher Arschtritt erweisen wird, ist dann wohl ganz banale Geschichtsvergessenheit, aber als die New Economy absoff, war Zuckerberg eben erst 17 und hatte außer postpubertären Flausen (Mädchen kennenlernen) nichts im Kopf. Wegen denen er dann ja auch Facebook gegründet hat.

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Elektronische Lebensaspekte.

3 Responses

  1. James Mutz

    Nur mal als Hinweis:

    Einer der schlimmsten Massenmörder der Geschichte war auch nicht auf Fakebook!!!!!

    Adolf H’tler

    Ich auch nicht……..
    UND
    Ich bin Schizophren

    Bringe ich deswegen morgen meine gesammte alte Schule um???

    Naja danke für Ihre Aufmerksamkeit

  2. klar

    alles gut und schön. und warum seid ihr noch nicht auf diaspora oder friendica? sogar oma spex schaffts da zu posten. sogar fast täglich!

  3. der lustige Astronaut

    Breivik war sehr wohl bei Facebook 😉 ändert aber auch nix