Girls Just Wanna Have Jobs!
Text: Lea K. Becker aus De:Bug 168

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Ob neu, pleite oder einfach so – die junge Frau ist wieder da. Ihre Identitätsfragen in der Großstadt haben die Suche nach dem Traummann abgelöst.

Im Januar startet “New Girl“ im deutschen Privatfernsehen, eine dem Tween-Pop- Starlet und letzten Einhorn Hollywoods, Zooey Deschanel, auf den Leib geschriebene Serie über ein fast dreißigjähriges “Mädchen“ in einer Männer-WG. Bereits im August hatte der Quotenhit “2 Broke Girls“ Deutschlandpremiere im Free-TV, im Oktober wurde die Dreifaltigkeit der weiblichen US-Fernsehtwens durch die HBO- Produktion “Girls“ komplettiert. Diese von Kritikern und jungen Großstadtfrauen gleichermaßen verehrte Serie schaffte es hier- zulande allerdings nur ins Programm eines Bezahlsenders mit dem Namen Glitz, dessen Werbeslogan lautet: “Hier scheint die Sonne“. So richtig sonnig geht es in der heterosexuellen Mittelschichtswelt weißer Fernsehfrauen zwischen Anfang und Ende zwanzig dann aber doch nicht zu, schließlich herrscht Krise und die macht es realen wie fiktiven Berufseinsteigerinnen nicht eben leichter, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Es mag also an der Weltwirtschaft liegen, dass die großen TV-Erfolge 2012 nicht von unabhängigen, selbstständigen Frauen handeln, sondern eben von “Girls“. Zwar werden Rezession und Krise von keiner der Serien direkt thematisiert, unterschwellig aber sind sie ständig präsent. In “2 Broke Girls“ steht Protagonistin Caroline, zuvor das reichste Mädchen von New York City, mit einem Mal vor dem Nichts, weil die Geschäfte ihres Vaters sich als riesiger Finanzbetrug entpuppt haben. Caroline nimmt einen Job als Kellnerin an und zieht mit ihrer neuen Kollegin, der großmäuligen Max, in ein schäbiges Apartment in Brooklyn. Die grundlegende Thematik der Sitcom besteht fortan darin, dass die ungleichen Mitbewohnerinnen versuchen, das Geld für ihren eigenen Cupcake-Laden aufzutreiben.

Auch “Girls“ beginnt mit der veränderten wirtschaftlichen Situation einer der Protagonistinnen: Gleich in der ersten Szene wird der 24-jährigen Hannah von ihren Eltern der Geldhahn zugedreht. Hannah hat einen College-Abschluss in Literaturwissenschaft und träumt von einer Karriere als Schriftstellerin, arbeitet jedoch seit einem Jahr als unbezahlte Verlagspraktikantin. Ihre Hoffnungen, von der Firma übernommen zu werden, macht der Chef schnell zunichte – Hannah fehlen die Photoshop-Kenntnisse. Den Rest der ersten Staffel verbringt sie mit der Jobsuche, am Ende reicht es auch bei Hannah nur fürs Kellnern in Brooklyn. Und dann ist da noch Jess, das “New Girl“, das zwar einen Job als Grundschullehrerin hat, sich von ihrem Gehalt aber augenscheinlich auch nur ein WG-Zimmer leisten kann und im Laufe der Serie zudem ihre Arbeit verliert. Während in der ersten Staffel noch Jess’ Suche nach dem passenden Mann im Mittelpunkt stand, geht es in der zweiten Staffel um die Suche nach dem passenden Beruf. Mr. Right, der in “Sex and the City” Mr. Big hieß und wiederkehrendes Leitmotiv dieser übermutter des Großstadtsinglefrauenfernsehens war, beschäftigt die neuen Serien-Girls nur am Rande, zentral ist vielmehr der Weg zur Selbstverwirklichung. Traumberuf schlägt Traummann, auch weil es im Kosmos der TV-Twens anscheinend keine Traummänner mehr gibt, sondern nur noch diese unver- meidlichen Schmerzensmänner, zu denen die jungen Stadtneurotikerinnen ein reichlich ambivalentes Verhältnis pflegen. Und weil für‘s Shopping ohnehin das Geld fehlt, ist auch das zweite große Thema der Generation Sex and the City passé. Die Frage ist nicht mehr “Manolo Blahnik oder Louboutin?“, sondern “Wie erwachsen bin ich wirklich, wenn meine Eltern noch immer meine Handy-Rechnung zahlen?“. Bei den TV-Girls trifft Finanz- auf Identitätskrise. Die realen Girls beruhigt das – sie sind nicht allein.

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Elektronische Lebensaspekte.