RZA, seines Zeichens Wu Tang Mastermind, sorgt sich um die Zusammenführung der globalen HipHop Nation. Sein neues Album mit MCs aus fast aller Welt steht vor der Tür. Und will diese für universellen HipHop ganz weit aufreißen.
Text: jan kage | jan@rap.de aus De:Bug 50

Weltweiter Flow
RZA

“HipHop ist weltweit, wie Internet und Websites.” (Irgendein deutscher Rap). Das wird sich auch der RZA, seines Zeichens Produzent, Rapper und Mastermind des Wu-Tang Clans, gedacht haben, als er beschloss, ein Album mit verschiedenen Künstlern unterschiedlicher Nationalität aufzunehmen. Zu diesem Zweck reiste er im April und Mai durch Frankreich, um dort mit IAM, Les Sage Poets de la Rue, Assasin, Lunatic und der Saian Super Crew aufzunehmen. In Deutschland traf er Afrob, Kool Savas, Sekou, Curse, Ju, Meli, Germ und Xavier Naidoo. Er reiste nach Italien, um mit Franky High Energy und Articolo 31 zu arbeiten, und nahm mit den Schweden Petter, Feven, Diaz und Tommy Tee auf. Und in England durften sich dann Dido, Angie Stone und Blade glücklich schätzen. Sattes Programm für einen Monat.
Ein solches Projekt ist an sich nichts Neues wird man einwenden können. Richtig, schon DJ Tomekk hat über nationale Grenzen hinweg HipHop produziert und auch die Jazzkantine kaufte sich Mitte der Neunziger ein Feature von ODB. Aber genau hier liegt der Unterschied: Bisher lief es eigentlich immer so, dass ein deutscher Produzent einen amerikanischen Rapper einkaufte, dem eigentlich egal war, was er in Europa veröffentlichte, aber gerne die Gagen einstrich. Das sich nun ein namhafter amerikanischer Produzent, dazu der RZA, dem relativ jungen, für Amerikaner völlig unverständlichen europäischen HipHop zuwendet ist eine neue Qualität. Es drängt sich natürlich die Frage auf, für welchen Markt ein solches Album konzipiert ist. Immerhin waren die einzigen erfolgreichen deutschsprachigen Releases in den USA Nenas “99 Luftballons” (“That chick with the hairy armpits.”) und die Wagner-Rocker Rammstein.

“In den USA gibt es wahrscheinlich keinen großen Markt. Ich habe allerdings selbst eine große Fan-Basis, und dies Projekt wird einen Markt öffnen. Viele Amerikaner stammen aus verschiedenen Teilen der Welt. Vielleicht ist ihre Muttersprache Deutsch oder Arabisch und das ist gut für Amerikaner. Aber ich weiss auch, dass Amerikaner gerne in nur eine Richtung denken und sich stark auf sich selbst konzentrieren. Ich denke mit einer Person wie mir und der Musik dahinter…die Musik und die Lyrics haben Flow. Das reicht. Mach deine Augen zu und geh nach Deutschland. Nimm mein Bobby Digital-Album; da hab ich verschiedene Sprachen einbezogen. Und manche meiner Freunde konnten nicht alles verstehen, was da erzählt wurde. Nicht mal ich selbst kann alles verstehen, obwohl die jeweiligen Leute es mir übersetzt haben, bevor sie es aufgenommen haben. Oder ich hab ihnen gesagt, was sie rappen sollten. Ein Track war auf Swahili und die Sängerin sagte: ‘Der König kommt.’ Meine Freunde haben nicht verstanden, was sie sagte, aber es klang cool, also war es cool.”

Nun ist der Universalismus seit Afrika Bambaataa ein dem HipHop eingeschriebenes Grundprinzip. HipHop hat Codes und Habita etabliert, die über nationale Grenzen hinweg kommunizieren und Identität stiften. Dabei ist der Flow so was, wie eine universelle Sprache, die oberhalb der rein textlichen Ebene verstanden, erfahren und interpretiert werden kann.

Können sie sich ausweisen?

“Die einzigen Grenzen die wir haben, sind die Sprachgrenzen. Das ist ein Punkt, den ich während dieses Projektes immer wieder betont habe. Was die Geisteshaltung, Attitüde und Flow angeht, wirst du viele Gemeinsamkeiten finden. Zum Beispiel: Wir haben einen Song mit der französischen Saian Super Crew gemacht: ein Flow von denen war ODB, ein anderer hatte was von Busta drin, ein Flow war original authentisch. Manche klangen sehr nach zu Hause, andere waren frisch und neu, aber sie hatten alle den HipHop-Rhythmus. Und das schätze ich. Und das schafft dieses Album auch. Zum Beispiel ist da ein Künstler drauf, der Xavier Naidoo heisst und der singt auf deutsch. Und wenn der anfängt zu singen, klingt das so fett und melodiös; du kannst nicht sagen, was er singt. Du weisst nur, es klingt gut im Ohr. Ich habe türkische Rapper drauf (der Berliner Fuat, Anm. d. Autors ). Wer hätte jemals gedacht, dass in der Türkei in der Muttersprache gerappt wird? Und es ist überall. HipHop ist für mich der Sound unserer Generation, der Weg unserer Generation, die Kommunikation unserer Generation, und es bricht all die Barrieren nieder, die die Denkweisen der alten Leute errichtet haben. Die ältere Generation kontrolliert immer noch die Welt. Sie lässt uns tun und ruhen, und sagen und essen. BSE. Und sie wollen tausende Kühe verbrennen und ihren Rauch in die Atmosphäre blasen. Und sie sagen, da ist nichts falsch dran. Aber wir sehen, wie alle krank werden. Und dann kommen die Apotheker, Drogendealer (RZA spricht von “drugdealers”, was beides heissen kann. Anm. d. Autors) und Ärzte, die mit uns Geld verdienen. Es ist verrückt. Aber unsere Generation ist nicht so. Wir haben nicht das gleiche Wesen. Ich denke, dies ist ein wichtiges Album für unsere Generation. Es ist mir egal, wie viel wir in den Staaten oder Europa davon verkaufen. Es wird ein Meilenstein für den HipHop sein, eine Richtungsweiser. Hier ist ein Punkt auf den wir uns zu bewegen können. Für mich bricht dieses Album die Barriere, die definiert: das ist deutscher HipHop, das ist schwedischer HipHop, das ist italienischer HipHop, das ist französischer HipHop, das ist amerikanischer HipHop. Nein, vergiss diese Titel. Es ist bloß HipHop. Und das ist alles. Es ist eins. Und die Sprache ist das einzige, das sich unterscheidet. Wie wir uns anziehen, benehmen, fühlen, ist koinzident.”

So schickt sich der Mann, der 1993 mit Wu-Tangs Debut-Album “Enter the Wu-Tang (36 Chambers)” dem HipHop einen neuen, dreckigen und ungeschliffenen Sound verpasste – und ihm somit einen Weg aus den Sackgassen Gangster-Rap und Afrocentricity wies – nun an, HipHop glaubwürdig in die Internationalität zu überführen. Wie gesagt: internationale Kollaborationen hat es schon seit Langem gegeben, und RZA ist nicht der Erste. Die Qualität dieses Projektes liegt aber in seiner Person selbst. Dass eben der RZA dieses Album produziert wird weltweit aufhorchen lassen. Und mit seinem künstlerischen Ruf verbirgt er sich dafür, dass es um mehr geht als ein schnell geschustertes Projekt eines Product Managers, der mal eben ein paar Künstler seines Artist Rosters zusammen arbeiten lassen will. Aber wollen wir die Platte erst mal hören, bevor wir völlig euphorisch werden. Peace to the universal HipHop-Nation!

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Elektronische Lebensaspekte.