Text: anton waldt aus De:Bug 24

ALEX IS MY BRO EXKLUSIV BILDER VOM FLIEGEN. DRINGEND BRINGEN. SUBETAGE PLANIEREUNGS BILDER SOLLTEN NOCH KOMMEN, SIND VIELLEICHT SCHON DA. BITTE VON BEIDE BILDER BENUTZEN, DA ES UM 2 VERSCHIEDENE BETEILIGTEN GEHT. SUBETAGE Das Wiener Label SABOTAGE hat ausgedient. Die Musiker stürzten sich aus Flugzeugen und die Vinyl-Bestände wurden an ein korruptes Strassenbau-Unternehmen übergeben, das damit abgenutzte Tanzflächen neu asphaltiert. Daraufhin brodelt Teer-Dampf aus U-Bahn-Katakomben neben dem morbidem Donau-Kanal, dezent mit Bier-Odem vermischt, und kündet von SUBETAGE, der Auffanggesellschaft für die heimatlos gewordenen Unternehmungen der Ex-Sabotage-Crew, die neben neuen Duftwassern auch eine Welttour am Start hat – Grössenwahn und Untergang in anmutiger Umarmung. Kurz bevor die Dinge so bedenklich Symbol-überfrachtet eskalierten, traf die DE:BUG einen Sabotge-Act zum Interview: ALEX IS MY BRO arbeitet an der Grenze zwischen Electro und Drum and Bass – das macht er verdammt gut und nennt es elektronischen Funk. Treffpunkt ist ein kleiner Flugplatz kurz vor den Toren Wiens, im Gegensatz zu landläufigen Meinungen kommt die Landschaft ohne pitoreske Alpenszenerien aus und besticht durch geradezu friesische Flachheit. Ein Wohnwagen dient als Büro zur Anmeldung für hier feilgebotene Fallschirmsprünge, Alex hat schon gebucht, die DE:BUG muss leider, wegen mangelden Spesen-Budgets auf eine Teilnahme am freien Fall verzichten und verzieht sich erleichtert auf die Terasse des Flughafen-Cafes. Die Speisekarte bietet Rübenbomber, Blechsalat, Flugschülermenu, Bruchpilotenmenu, Frequenzsalat, Kamikaze-Teller (Specklinsen mit Knödel), Lindbergschnitzel, und Kerosin (Tequila). Flugbenzin herrscht, während Alex vom Sprunglehrer verschnürt und dann in ein klappriges Transport-Flugzeug verfrachtet wird. AISMB: “Korrekt viele Löcher im Wellblech, alles wackelt, Steigflug, Spannung, die Profis machen ihre Sprüche (Speed is your friend etc.), dann geht nach hinten die Klappe auf und das is schiach, auf einmal der Ur-Wind, und du schaust 5 000m nach unten, bevor ich Angst kriegen konnte, hat der mich runtergeschubst.” Die DE:BUG braucht mehr Kerosin um die Spannung auszuhalten und fragt sich warum Alex sein Bruder ist? AISMB: “Ich bin mit meiner Ex-Verlobten mal nach Jamaica gefahren. Sehr ruff da. Böse. Am ersten Tag haben uns Leute am Strand zum Kiffen eingeladen. Touristen, die neu dort sind, kriegen so psychedelisches Gras, wo du dich überhaupt nicht mehr auskennst, dann versuchen sie dich auszunehmen. Wir wollten denen aber kein Geld geben für einmal anziehen. Das war ein Fehler… Später sind wir mit einem Taxi rumgefahren und noch mal zu dem Strand gekommen, die Typen sehen mich, reissen die Autotür auf und wollen mir die Haare anzünden, damals hatte ich Dreads. Der Taxifahrer hat gesagt, ihr könnt alles mit dem Typen machen, aber nicht in meinem Wagen, Alex Is My Bro! Das haben die akzeptieren müssen. An dem Strand sind kurz davor zwei Touristen umgebracht worden. Echt rough, deshalb sind wir dann auch abgehauen aus dem Land, war nicht leiwand. Eigentlich wollten wir sechs Monate bleiben aber nach einem Monat war es genug.” Alex stürzt durch die Wolkendecke, woher er seine Sprachsamples hat? Klingt alles sehr Electro-Oldschool? AISMB: “Ziemlich laut hier! Aber du merkst gar nicht wie schnell der Boden näher kommt. Für die Sprachsamples habe ich meine Jungs, die das sprechen. Zum Beispiel Lucifer, der hat gerade einen 10 Millionen-Bescheid für seine illegalen Pieces bekommen. Im Studio wachsen dem immer neue Gehirnzellen.” Jetzt öffnet sich der Schirm, das Teleobjektiv wird in Stellung gebracht, damit es nicht nachher wieder heisst wir würden uns das alles ausdenken, und was ist zwischen Jamaica und dem freien Fall passiert? AISMB: “Auf einmal schwebt man ganz soft und kann mit den Leinen spielen und Spiralen fliegen! Ich bin ausgebildeter Tontechniker, hier sind auch noch ein par Wundmale vom Löten. Danach habe ich angefangen House aufzulegen und mich bei meinem ungarischen Gerätedealer mit Equipment eingedeckt. Der hat ein ganzes Haus voll mit analogen Maschinen, ist aber ein bischen merkwürdig. Ruft um drei Uhr Morgens an und will wissen, wo eine bestimmte Schraube abgeblieben ist und beschwert sich über den Kilopreis von Wassermelonen. Zuerst habe ich urviel Techno produziert, das liegt als DAT-Berg zuhause. Und jetzt herscht elektronischer Funk.” Alex kriegt für seinen Sprung einen Freidrink (Amore-Bomber = Capucino), die DE:BUG macht in Flugbenzin weiter und wir reden noch über End-80er-Acid-House-Discos auf Mödlinger Bergen, Gelbsucht und die verschiedenen Möglichkeiten der Körperbeschleunigung. AISMB: “Der Sprung eben war viel zu kurz, nächstes mal möchte ich von 10 000m mit einem Sauerstoffgerät springen! Was mir auch taugen würde, wäre mit einer MIG fliegen. Da müsste ich mir allerdings alle Plompen ziehen lassen. Oder ins Weltall. Vielleicht auch urscheisse, aber dann weiss ich wie das ist.” Derartig eingestimmt geht die DE:BUG eine Woche später die angekündigte Vernichtung des SABOTAGE-Backkatalogs kontrollieren. Ganz Wien glaubt an einen PR-Gag, aber einem Label, das seine Künstler derartig fallen lässt, ist alles zuzutrauen. Und tatsächlich: An einem windigen Freitagmorgen um Sieben ist eine Asphaltierungs-Kolone auf der Tanzfläche des FLEX damit beschäftigt, Vinyl unter einer Teerschicht zu beerdigen. Die SUBETAGE-Crew und die Club-Betreiber sind Tageszeit bedingt nicht wirklich auf der Höhe, dafür die Arbeiter um so mehr. Das Hantieren mit dem schwarzen, heissen Zeug fördert schon an profanen Strassenkreuzungen das fleissige, morgendliche Bierschlucken und deshalb geht die Arbeit direkt neben einer Theke gut von der Hand. Mit den LPs kann man sich auch optimal Wind ins Gesicht fächeln und über den technischen Fortschritt sinieren: “Was hier fehlt ist ein Priester! Ja, und in zehn Jahren beerdigen wir dann CDs!”. Rober Jelinek von SUBETAGE sieht den Vorgang durchaus profaner: “Wir wollen ja nicht irgendwann mit einer dreistelligen Katalognummer enden, da machen wir lieber Schluss und fangen was Neues an.” Der direkten Beimengung des Plastiks zum Teer in der Asphaltmaschine steht leider der leitende Ingenieur im Weg: “Die Maschine hat 5 Millionen gekostet und LPs haben einen anderen Schmelzpunkt! Das versaut ja alles.” Dann werden seine Jungs übermütig und werfen ein par Maxis auf den frischen Asphalt, die lassen sich aber nicht mehr plattwalzen, weil sie auch ein anderes Erhärtungsverhalten haben. Flex-Chef Tom: “Wie sollen wir das sauberkriegen? Holt die da wieder raus!” Der Ingenieur: “Keine Experimente!” Aber auch die Sub-Teer-Platten machen sich durch Kreise bemerkbar und müssen durch ausdauerndes Handwalzen niveliert werden. So ist am Ende tatsächlich nichts mehr zu sehen von SABOTAGE und der Legenden-Bildung in vernebelten Raver-Hirnen über den Verbleib des Back-Katalogs keine Schranken gesetzt: “Die horten das Zeug doch bestimmt, damit die Preise steigen!” ist schon am folgenden Wochenende zu hören.

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Elektronische Lebensaspekte.