Das Shitkatapult aus Salmiak. Sami Koivikko lässt den Knarz im Harz und kontert mit Open Source.
Text: sascha kösch aus De:Bug 77

Salmiak gegen Kopfschmerzen
Sami Koivikko

Sami Koivikko kommt aus einem unausprechlichen Dorf in der Nähe eines anderen unaussprechlichen Dorfes (größer, ob ich es kenne, fragt er mich, nein, nie gehört), von dem aus er in die große finnische Stadt Tampere (200.000 Einwohner) gezogen ist. Angestiftet von der alchemistischen Programmier-Zauberkraft seines vier Jahre älteren Bruders mit dem heimischen Atari, begann er so früh es ging mit Computern zu spielen. Code schreiben, damit sich was tut. Und das macht er bis heute, als Software-Programmierer (beruflich und an der Uni) und natürlich, wenn er Musik macht. Von Online Recordshops, die zu Dorfzeiten neben Treffen mit Freunden sein Kontakt zur Technoszene waren, ist er jetzt auf einen der heimischen Plattenläden umgestiegen. Sami, der DJ, ist auch der Producer, der Stücke ausspielt, weil sich doch jemand ein Anfang und ein Ende ausgedacht hat.

Sami schwört auf Open Source. Als Programmierer muss er Microsoft machen. Aber er glaubt an die unausweichliche Gerechtigkeit freier Software, diese weiche Form von Ideologie, die sagt, dass wir alles zusammen machen werden. Musik und Code. Alle Tracks, die er veröffentlicht, waren irgendwann mal auf seiner Webseite. “Dann können meine Freunde das schon mal kommentieren.” Für seine Musik schwört er, nicht unstolz, auf Buzz. Eine finnische Softwareentwicklung, Open Source natürlich, die zwar für Live kaum einsetzbar ist, weil sie gerne mal abstürzt (Auftritt Ableton), die sich aber nicht nur mit Generator messen kann, sondern darüber hinaus noch eine Community gebildet hat, die sich gegenseitig hilft, und für versierte Coder Freiheiten bei der Konstruktion von Maschinen bietet, die sonst selten ist.

Das Manna des Programmierers ist dem programmatischen Vegetarier peinlich, aber er bleibt Koffeinaddict, mit dem uns allen gemeinsamen Merkmal: Kopfschmerzen bei Unterdosierung. Sami schwört auf Salmiak, weshalb sein Album “Salmiakki” heißt. Süß und salzig. Wie seine Musik, die auf dem Album vorsichtig nach den ersten Melodien tastet, sich aber nach wie vor auf den vollen, nicht ganz ohne Widerspruch minimalen Klang konzentriert, der den Floor mit einer finnischen Gelassenheit kickt, die mich immer vom ewigen Winter hat träumen lassen.

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Elektronische Lebensaspekte.