Text: Oke Göttlich aus De:Bug 43

Postrock mit Bäumen
Savath & Savalas

Scott Herren, mal Delarosa and Arosa, dann Prefuse 73 und allerbest in der Rolle als Savath & Savalas, ist eine vielspältige Person. Ähnlich seiner Künstlernamen, die nicht wissen, was sie in Zukunft erwartet, weil sie immer wieder mit möglichst abgrenzbarem, unterschiedlichem Content gefüllt werden müssen, lässt Scott Herren als Savath & Savalas seine Musik vor allem mit dieser unbestimmten Spannung allein. Kommt da noch etwas? Da stimmt doch etwas nicht? Fragen gerade der Leute, die elektronische Musik hören, ihre Loops fressen und irgendwo auf halben Wege zur Musik vergessen haben, wie ein richtiges Schlagzeug mit all seinen unabdingbaren und wunderbaren Fehlern klingt. “Folk Songs for Trains, Trees and Honey” setzt dort an, wo Brian Eno seine “sonic wallpaper” suchte – inklusive der Perfektion des Verschwindens. Mal kein zwangsneurotischer Jungsnarzissmus in Zeiten ewigen Fricklertums und gewollter Extrovertiertheiten. Niemals kommt das Gefühl auf, dass ein bestimmter Moment auf dieser Platte unvollendet seinen Weg in den Song sucht. Stattdessen tritt der seltene Effekt ein, dass automatisch etwas weitersummt, wann immer man “Folk Songs for Trains, Trees and Honey” stoppt. Alles ohne den krassesten Sound aus der neusten Maschine, der Summen schon von vornherein zu einem Verbrechen macht. Nachdem Scott Herren die Platte im Frühjahr diesen Jahres auf dem wunderbaren Label Hefty herausbrachte, brauchte es nicht lange, bis Warp sich die europäischen Rechte für das Album sicherte. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen Tortoise-Albums auf Warp schien es auch einer vernünftigen Veröffentlichungsdramaturgie zu folgen, Savath & Savalas noch vorwegzuschieben. Die ähnliche Musikbasis bei Tortoise und Savath & Savalas – ja, Postrock! – scheint sich für das Verständnis von postelektronischer Musik ebenso zu eignen. Die Synergie aus musikalischer Improvisation, dem Nutzen einer jeden Soundquelle, elektronischem Equipment und einer gesunden Antihaltung gegenüber jedem Perfektionismus lassen einige Veröffentlichungen in der letzten Zeit gerade auf Warp (Jimi Tenor…) wieder ungebrochenen Spaß transportieren. Als “Prefuse 73” wird Scott Herren sein HipHop-Projekt ebenfalls auf Warp herausbringen. Hier dekonstruiert er weiter an Genrecodes herum, fügt andere hinzu und wirkt wesentlich unentspannter als bei “Folk Songs…”. Das zweite Savath & Savalas-Album kommt ebenfalls in diesem Jahr heraus.

De:Bug: Gibt es eine übergeordnete Idee in den Songs?

Das Projekt startete mit der Idee, etwas Simples und Organisches zu machen, ohne sich großartig auf Computer und Maschine zu stützen. Diese bestimmten Songs auf dem Album waren konzeptionell beeinflusst von der Zeit, dem Ort und den Menschen um mich herum, während ich die Songs aufnahm. Die Songs sind sporadisch innerhalb eines Jahres an vier verschiedenen Plätzen aufgenommen worden, deshalb sind viele unterschiedliche Variablen enthalten.

De:Bug: Können Sie diese Songs auch in einer Liveperformance zeigen? Wenn ja, bitte beschreiben Sie eine typische Live-Show.

Es gibt ein Ensemble von Leuten in Atlanta, mit denen ich für Liveversionen dieser Songs zusammengearbeitet habe. Entwickelt auf der Basis des Hauptthemas der Songs haben wir dann versucht, diese andersartig fortzuführen. Ich bin kein guter Bandleader oder Diktator, wenn also irgendjemand eine Idee hat, folgen wir dieser alle so lange, wie es die Basis der Songs erlaubt und es einen Sinn ergibt. Dabei ist eine Menge neues Material für die nächste CD (die in diesem Jahr noch auf Warp erscheint) entstanden, das ich fokussieren möchte. Die zur Zeit benutzten Instrumente sind zwei Rhodes, Upright Bass, Drums, Laptop, Gitarre und was sonst noch jemand hinzuzufügen vermochte.

De:Bug: Zufällige, schräge Sounds ziehen sich durch das gesamte Album. Sind das Elemente, die als wichtiger Teil Ihrer Songkreationen zu sehen sind?

Das hängt davon ab, wie der Prozess eines Songs beginnt. Diese Sounds machen ein Stück teilweise lebendiger als jedes andere melodische oder tonale Element. Disharmonische, schräg klingende Sounds zu benutzen und Fehler zu belassen ist keine neue Vorgehensweise, sie aber in einen völlig anderen Kontext zu platzieren oder sie in ein besser kontrolliertes Gefüge zu bringen, kann den ganzen Prozess, den ein Song durchläuft, beeinflussen. Es bietet ein multidimensionales Hörerlebnis und erlaubt dem Hörer gleichzeitig, bei jedem Abspielen neue Dinge zu hören.

De:Bug: Haben Sie bis jetzt schon an Soundtracks gearbeitet?

Yeah, ich habe welche für Indiefilme und Dokumentarfilme gemacht, nichts Großes allerdings. Ich arbeite für ein Studio in Atlanta, die Aufträge für Websites und Werbefilme bekommen. Gleichzeitig machen sie auch HipHop- und R&B-Produktionen oder produzieren für andere Bands… es reicht zum Leben. Ich habe bald die Gelegenheit, einen Soundtrack zusammen mit John Hughes zu machen.

De:Bug: In welche Richtung möchten Sie in Zukunft gehen?

Mehr Soundtracks, ein kleines Label gründen, auf dem ich dann die Musik von meinen Freunden rausbringen kann.

Thanks to Laris Kreslins and Luisa for this interview.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.