Spätestens seit Electroclash sind Körper wieder up to date, auch in der Technowelt. Peaches oder Tiga oder Hell knüpfen auf Covern und live an Strategien an, die schon vor 30 Jahren verhandelt wurden. Wir sagen, wie es war - damit es nicht noch mal so werden muss.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 99

Jungs gegen Mädchen

Körper sind wichtigste Zeichenträger im Pop-Feld. Wie man sie verhüllt oder eben gerade nicht verhüllt, kann alles über das Bekenntnis zur Welt jenseits der Ratio aussagen – purer Voodoo -, aber ebenso viel dazu, wie man/frau sich im Clash mit den ganzen anderen aufgeheizten Körpern der Poporgie definiert wissen will. Wie kann ich mich offensiv präsentieren, ohne mich auszuliefern? Wie lange ist mein Körper mein eigener Tempel, ab wann wird er zum Spielplatz der anderen?
Während die Frauen aus sich göttliche Kriegerinnen vorchristlicher Zeiten machen, stilisieren sich die Männer zu Lustknaben mit Schweißperlen und Rechtsträger-Beule.
So werden auch im emanzipierten Zweig der Popmusik nur die herrschenden Rollenzuordnungen in negativer Abhängigkeit umgedreht. Frauen bauen um ihre (nackten) Körper einen Panzer durch Überhöhung, Männer bauen ihre patriachale Panzerung durch ein Bekenntnis zum Kreatürlichen ab. Frauen werden so trotz aller Nacktheit zu unnahbaren Subjekten, Männer aber noch lange nicht zu verfügbaren Objekten. Ihre eigenmächtige Herrschaft ist so unerschütterlich verankert in unserer Gesellschaftsgrundlage, dass sie bei aller Anbietungs-Geste das Zepter (hallo Phallus-Symbol) in der Hand behalten. Das ist die eigentlich interessante Erkenntnis an diesen Rollenspielen.

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Elektronische Lebensaspekte.