Text: anett frank aus De:Bug 63

Schneider TM
Wir müssen ja nicht so viel über Musik reden …

… denkt er sich so, als er mich auf dem kleinen stillgelegten Spreedampfer “Hoppetosse” Anfang Juli, übrigens ein verdammt heißer Tag, unter Deck empfängt. Dabei ist das doch genau mein Plan – Trademark Schneider treffen und ihn so richtig über seine Produktionsbedingungen und Entstehungssituationen seines neuen Albums “Zoomer” auf City Slang, im Herzen Indierocklabel, auszuquetschen. Und um ihn abseitig zu fragen, wie man bitte zu diesem Markennamen kommt, was er manchmal hinter dem Vorhang sucht und wie Wayne Schlegel sein Leben intonierte?

Von Bielefeld-Rock zu Berlin-Data-Pop mit zwischendurch auf’s Land

Doch zunächst einen Blick zurückgeschmuht. Beeindruckt hat Dirk Dresselhaus aka Schneider TM schon 1998 mit seinem Album “Moist”. Schneider ist der Typ, der sich auch gerne mal unverblümt bei einem Auftritt (so geschehen in der Galerie Berlin Tokio) hinter den Vorhang setzt und dann live auf halber Umdrehung pro MInute abgeht. Er ist auch derjenige, der seine Tracks unverhohlen auf diverse Labels verstreut und so auch Aufmerksamkeit auf sich zieht, bspw. auf der Warp Compilation “Warp back to earth” anno 99? Der Einstieg geht gut in die Ohren und verspricht den groovenden Funk. Und dann kratzt Schneider TM einfach die Kurve, um so richtig den Krach reinfauchen zu lassen. Was davor und danach geschah, lässt sich leicht beschreiben. Schneider hat angefangen Remixe zu machen, war viel auf Tour und hostet von 1998 bis Ende 1999 bei Viva2 das Magazin ”Wah 2”. Seine neue Band Paincake hat er zusammen mit Hanayo und Christopher Uhe (und jetzt auch Vredeber Albrecht) verschmerzkekst und außerdem viel live gespielt, speziell auch für Hanayos Album ”Gift”, das 2000 bei Geist/DHR erschienen ist. Flux drauf und ohne Luft zu holen mit Ilpo Väisänen von Pan Sonic das Noise-Projekt “Angel” angefangen und mit Michael Beckett aka kptmichigan unter dem Projektnamen Dr.Drek viele Sessions aufgenommen, etc… Ach, und dann war da noch der Ausflug 1997 mit Freunden von Bielefeld aufs Land, um dort sesshaft zu werden. Nach dem Scheitern der Umzugsaktion schnell eingesehen, die Gegend zu verlassen, um in einer Phase des allgemeinen Aufbruchs nach Berlin zu fliehen.

Identitätsdestillation Fenstersturz

Dirk ist ein Kind der späten 80er: Sonic Youth, Dinosaur Jr., die Pixies und My Bloody Valentine haben ihn ernsthaft beschäftigt. Daraufhin wollte Schneider zunächst lärmige Gitarrenmusik machen. Aus einem Bedürfnis heraus, sagt er. Auf den Platten seiner Bands Hip Young Things und Locust Fudge stand dann auch immer und überall Schneider drauf mit Indierock drin. Aus dem Schulbandschlagzeuger Mitte der Achtziger wurde so ein Sänger und Gitarrist, der dann auch alleine anfing elektronische und instrumentale Stücke aufzunehmen. Es war die Zeit, da konnte er mit seinem richtigen Namen aus familiären Gründen nicht so viel anfangen. Doch nur Schneider alleine war so bescheuert, dass eine Typenbezeichnung her musste. Den Spitznamen getrademarked bekommen hat er, als er sich vor etwa dreizehn Jahren auf einer Party mit: “Guten Tag, mein Name ist Schneider” vorgestellt hat. So ähnlich lief das wohl auch damals mit Alf. “Es gibt da eine Folge”, erzählt mir Schneider, “da fällt Alf ein Fenster auf den Kopf, der denkt sich dann, er wäre der Kosmetikvertreter Wayne Schlegel.” Durch ausufernde alkoholische Verköstigung kann man schon mal von einem “Guten Tag, mein Name ist Schlegel” geohrwurmt aus dem Schneider sein – oder andersrum? Egal. Dresselhaus ist also Alf. Doch das nur am Rande. Das (TM) war nun beschlossene Sache, was weder auf Technomusik noch auf Thomas Morr hinweist.

Besessener aus Leidenschaft

… sondern auf hemmungslose Hingabe. Dirk dazu: “Ich wollte immer nur Musik machen, weil mich das zusammenhält. Es ist auch super. Man kommt rum, es macht Spaß, ist gut für den Körper und den Geist.” Und man sitzt hinter Vorhängen. “Echt?” Ja. “Ach so, Galerie Berlin Tokio war das. Stimmt, da hatte ich die erste Schneider TM Platte aufgenommen und habe da live, zusammen mit Dirq von Powerline, gespielt. Ich fand es angenehmer nicht gesehen zu werden. Lovely Dirq hat mir, als ich noch kein richtiges TM-Live-Konzept hatte, geholfen, in irgendeiner Weise live aufzutreten – ich habe komische Beats von meiner Maschine gefreestyled und er hat dazu Elvis u.ä. aufgelegt.”
Ganz so wilde und ungezähmte Einblicke lässt Schneider auf “Zoomer” allerdings nicht zu. Zoomer zeigt uns einen umweltbewussten Schneider, der Worte vertriggert. Hier zeigt sich ein reifes Stück Identitätsentwicklung mit allen verzweiflungsträchtigen Gedankengängen und auseinandersetzungswilligen Wirrungen, die verpackt in die Richtige Portion Sound und Beatbastel ihren Ausdruck und Lösung finden. Dabei betritt er mit einer gewissen Art von Soulmusik gern ein wenig abseitige Wege Musik zu machen.
Inspiriert hat ihn sicherlich auch die für ihn größte Soulband Pan_Sonic. “So eine Band war vorbildlich für entmenschlichte Musik, bei der die Vibes zählen. Ich finde es erstaunlich, dass viele Leute Musik wie Pan Sonic oder auch Oval als komplett ‘entmenschlicht’ empfinden und die Leidenschaft, den Soul nicht wahrnehmen, weil sie es wahrscheinlich nicht an sich heranlassen können oder, aufgrund von Zivilisations/ Informations-Overload, einfach eine veränderte Sensibilisierung haben, die immer zuerst über die ‘Ratio’ geht?!? Ich empfinde Musik wie z.B. 99% der Charts als komplett entmenschlicht.” Schneider versucht Fehler und Zufälle zu nutzen, der Musik nicht so viel abzuverlangen, ihr den eigenen Flow zu lassen – Freestyle kommt eben von Innen. “Ich meine, was soll man sich einschränken, ich mag das nicht, von vornherein einen ideologischen oder intellektuellen Überbau zu haben. Ich finde es faszinierend, wie bspw. Markus Popp von Oval das macht. Er selbst meint ja, dass er überhaupt keine Musik macht. Schneider hat die Process tief berührt. Es ist bestimmt auch Koketterie mit dabei, was ja auch cool ist – im Ernst.” Schneider will sich seine Produktionswege offen lassen. Man muss sich ja auch selber dabei unterhalten, wenn man produziert.

Die Musikerpolizei niederschnuspeln

So auch on stage. Schneider spielt am liebsten vor Leuten, die sich locker machen. “Ich mag das nicht, wenn man sich fühlt, als spielte man auf einer Gerichtsverhandlung, oder wenn Leute da stehen, die das ganz genau beobachten und analysieren. Unsere besten Konzerte, an die ich mich in den letzten zwei, drei Jahren erinnern kann, hatten wir sehr oft in Frankreich. Letztes Jahr haben wir z.B. auf dem Suicide-Festival gespielt, das war echt super. 1500 Leute, und je abstrakter und dekonstruktiver wir geworden sind, um so mehr sind die abgeflashed. Wir hatten auch einen uns unbekannten Sänger mit auf der Bühne. Eine Form von absurdem Stadion-Rock. Das hat super funktioniert. Egal wo, wir spielen auch gerne vor großem Publikum, mögen es aber auch sehr gern vor wenig Leuten. Außerdem bin ich kein ausgebildeter Freddy Mercury oder Frontmann oder jemand, der richtig gut auf der Bühne performen kann. Wir spielen eben nicht mit Computern oder Laptops live, sondern mit zwei Samplern. Dadurch ist eben auch alles sehr fragil, also die Show kann extrem nach vorne gehen, es kann aber auch in die Hose gehen. Am liebsten spielen wir vor Leuten, die Lust haben darauf abzuflashen.”

Zoomer: One Two Reality Check

Und da sind wir doch schon mittendrin im Song- und Trackbastelgespräch: Das erste Stück des Albums “Reality Check” könnte auch ein Indie-Rock-Song sein, denn die Aufnahme wäre auch mit Bassgitarre und Schlagzeug denkbar gewesen. Viele Eindrücke sind hier von der Straße, ohne das man gleich field recording machen müsste. Es ist auch der Versuch, sich in irgendeiner Form in den globaleren Zusammenhängen, die sich uns darstellen, zu positionieren. Als Globalisierungsgegner. Es ist eben absolut nicht in Ordnung, was wirtschaftlich abgeht, und das hat für Dirk wie für Schneider TM auch mit der Verwirrung zu tun. Dirk dazu: “Letzten Endes weißt du nicht, wo du stehst, weil du nie wirklich wissen kannst, wen du supportest, weil du überhaupt gar nichts weißt. Du weißt überhaupt nicht, was wirklich abgeht. Man kommt sich verloren vor, wenn man darüber nachdenkt.” Eine gewisse Form von Identitätskrise stellt sich da ein. Hilfe (The Cure) scheint man in den Wäldern der Verfängnis nicht erwarten zu können. “In diesen vertrackten Zusammenhängen spielst du über fünf Ecken dein Geld oder deine Arbeit dann doch wieder Organisationen zu, mit denen man sein Lebtag nie etwas zu tun haben möchte. Es ist gut, sich davon nicht zu sehr runterziehen zu lassen und zu versuchen in seinem kleinen, engsten Kreise, Dinge auf einer menschlich guten Ebene zu regeln. Der Text kommt eher von außen. Also, einmal in die Runde geguckt, nur Scheiße gesehen, Text geschrieben, nächstes Stück.” Auch das “Frogtoise” Stück kommt sehr von innen, ein Traum out of Schneiderworld. Es ist auch das erste Stück seit geraumer Zeit, auf dem Dirk seine Stimmbänder mit in den Produktionsprozess einbezieht, sprich mal wieder singt. “Ich versuche eigentlich immer mit wenig Worten möglichst genau das zu beschreiben, was gerade abgeht.” Machen wir’s nicht so kompliziert. Im Sinne Schneiders: Die Texte sprechen für sich.

Servicepoint:
http://www.cityslang.de

“Zoomer” ist auf City Slang erschienen.

Hier findet man auch Hinweise zu einer Diplomarbeit im CD-Rom Format über SchneiderTM als Ping Pong Spiel Tocotronic.

Schneider TM geht ab Herbst auf Europa-Tour. Mit dabei sein wird wie immer auch Michael Beckett (kptmichigan). Auch wird Christian Obermaier mitspielen (im erweiterten Sinn ‘Percussion’ und Mathod Acting…), der schon früher, wie auch in Zukunft, mit Barbara Morgenstern gespielt hat. Desweiteren denkt Schneider über BackroundsängerInnen nach.

Diskographie:
– Schneider TM 12″, Payola 1997
– Moist CD/LP, City Slang 1998
– Up-tight 12″, City Slang 1998
– Masters Mcd/12″, City Slang 1998
– Binokular Split CD/LP (mit Kptmichigan), City slang 2000

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: Sascha Kösch aus De:Bug 11

Wir alle lieben das Diakritische Schneiderª und das seltsame stetige Wiederaufleben von Pop im Technoschrebergarten, bzw. wie das Parasitäre und die Hollywoodschaukel zusammen auf die Suche nach Mr. Masters gingen Sascha Kösch bleed@de-bug.de Es ist nicht einfach, über jemand zu schreiben, der Indie war. Nicht weil das eine Seuche wäre oder so etwas, nicht weil es irgendwie besonders fremd wäre oder merkwürdig. Nein nein, all das wäre einfach. Schwierig ist, glaube ich eher, zu definieren, warum es tatsächlich sowas wie Szenen gibt, die sich sehr lange überhaupt nicht getroffen haben (nicht mal auf der Straße, und schon gar nicht in beheizten Räumen) und zu klären, wieso sie jetzt langsam zusammenfinden, ab und an. Manchmal sogar in ein und demselben Plattenladen. Ich weiß nichts über Hip Young Things, eine Band aus Deutschland, die Indiemusik mit Klassikerbesetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang) gemacht hat, die auf englisch gesungen hat und deren Kopf Schneiderª war. Irgendwann gegen Ende der 80er wollte ich eigentlich überhaupt nicht mehr wissen, daß es einen anderen als nostalgischen Grund dafür geben könnte, an eine Gitarre als möglichen Klangerzeuger überhaupt zu denken. Ich vergaß erstmal gutgelaunt, Hals über Kopf in den rasanten Entwicklungen von Techno (das Indies gerne Elektro nennen heutzutage), alles andere und das Selbst, das hier aus Annäherungsgründen die ganze Zeit etwas penetrant “Ich” sagen wird. Eben auch den Ausdruck, die präpostmoderne Seelengeschichte, und alles was mich zu der Annahme hätte verleiten können, daß so etwas wie Postrock irgend etwas anderes als ein Widerspruch in sich selbst ist und folglich Unsinn. Nicht daß irgendeins dieser Dinge in Vergessenheit irgendwie besonders typisch nur für mich gewesen wären, eine ganze Szene baute sich zumindest zum Teil darauf auf, zum Teil drumherum, und letztlich war die Szene ein ganzer Haufen Szenen, aber ein wenig von dieser Antihandarbeit und Antiexpressivität steckte immer mit drin. Ich weiß also nichts über Weilheim, wo die Payola Clique, in deren Umfeld Schneiderª so vague gehört, und wo sich andere Namen wie Tied & Tickled Trio, Notwist und Console finden. Und vor allem weiß ich nichts von der weiteren Szene deutscher Bands. Nicht welche Kleinkriege da geführt wurden um die deutsche Sprache, die (u.a.) in der Peinlichkeit gipfelten Schneiderª in seiner Eigenschaft als Sänger der Hip Young Things vorzuwerfen, er wäre feige, weil er englisch singt. Ursprungskultur halt, und ich bin froh davon ausgeschlossen gewesen zu sein, auch wenn es auch diesseits der Elektronischen Lebensaspekte Kleinkriege gab, gibt, geben wird, deren Peinlichkeiten nicht unbedingt nebensächlich wären. Verständlich aber, daß Antworten wie: “ich wollte doch nichts Ausdrücken”, “ich wußte selber auch manchmal erst Jahre später, was ich mir damit sagen wollte” nicht wirklich ein dauerhaftes Verständnis erwarten durften. Irgendwann brach die Band zusammen weil letztlich keiner der anderen Musik für so essentiell hielt wie Schneiderª, und weil es nicht mehr weiter ging. Und, weil Szenen ja auch mal irgendwann reformiert werden müssen. Und ich weiß immer noch nicht warum Talk Talk die beste Band der 90er waren und sind, ob die Platte von ihnen nun Love In Stock oder Laughing Stock hieß oder vielleicht ganz anders, und weshalb Velvet Underground eigentlich wirklich gut waren und ob es gut ist, daß sich wegen ihnen viele andere Bands gegründet haben. Eine Tür zu, die andere auf Wenn Schneiderª das Wort “Szene” in den Mund nimmt, und damit die Technoszene meint, oder die Szene elektronischer Musik, dann klingt eine sehr lustige Vorsicht durch, wie wenn man sich auf fremdem Terrain bewegt. Nachher ist es gar keine Szene und dann hat er etwas gesagt, was gar nicht stimmt. Ein wenig so wie auch die Musik von ihm funktioniert. Nach der ersten 12″ auf Payola, die entstand, weil ihm jemand auf sein Zögern hin sagte: ‘Mach es einfach, du brauchst nicht zu wissen wie, das geht’, ging es erst mal um ein Feedback aus fremden Reihen. Darum ob das auch jemand verstehen kann, wenn man plötzlich eine andere Sprache spricht, der daher kommt, wo man sich schon richtig auskennt oder sich zumindest so verhält. So als hätte man ein ganz anderes Land erst dann betreten, wenn einen jemand herein bittet. Eine ganz ähnliche Art zu wissen, wie man sich benimmt, wie in gewissen asiatischen Kulturen wo eine zu fest zugeschlagene Tür gleich nochmal leise geschlossen wird, weil sie sonst vielleicht nachher überhaupt nicht mehr aufgeht. Es ging aber. Herr Ellinghaus von City Slang, einem Label das mit elektronischen Projekten nicht gerade berühmt geworden ist und vermutlich eher durch Tortoise bekannt ist, aber mit To Rococo Rot schon klare Dinge zum Thema Elektronik und Band sagen konnte, wollte gleich sogar mehr und Schneiderª stand vor dem grossen Problem: Was nun? Wie macht man aus einem Moment, der Spaß gemacht hat, ein richtiges Projekt mit LP und allem drum und dran? Er überlegte. Lange. Nebenbei wurde und wird in der Nähe von Bielefeld eine ehemalige Fabrik/Manufaktur/Menschenlagerstätte zum neuen Heim umgebaut, zu einer Art Factory vielleicht, wenn das noch ginge, zu einem Platz zum Wohnen und Arbeiten mit Freunden, aber ohne den Krempel einer Zwangsgesellschaftlichkeit. Nebenher wurden ein paar Liveauftritte gemacht, mit glitzerndem Hemd und Sonnenbrille a la Jimi Tenor, Entertainer, Technodandy und Wasserballet, irgendetwas das lächerlich genug wirkt, unpassend genug wirkt, daß es die eigene Unsicherheit in eine vernünftige, passable Form bringt. Überlegt noch ein bißchen und am Ende war eh nur die Groovebox (Rolandª) da, und aus der etwas herauszubekommen was nicht so klingt, wie es soll, dauert auch noch etwas. Aber nach ein paar Monaten war “Moist” fertig. Und der kleine Kampf zwischen Mensch und Maschine war eigenwillig genug, um einen Namen behalten zu können. Liveauftritte werden dann das nächste Problem. Wie geht man damit um, wenn man gewohnt ist, in eine Gitarre zu hauen, wie man gerade Lust hat? Das wirkliche Konzept dafür hat Schneiderª noch nicht. Wasserballet, da sind sich alle einig, ist schon gut, aber Synchronschwimmen in aufblasbaren leeren Planschbecken ist noch lange nicht das Ende. Revival Of The Fittest Was fand ich eigentlich immer gut an Indie? Die Wohnzimmerkultur? Die Bedroom-Revolution? (Ist nämlich gar keine Techno Erfindung, ganz und gar nicht.) Der Antirockaspekt, der immer wieder vergessen wird? Das multiple Private, das öffentlichen Raum zu einem Haufen von Netzwerken macht, die so erst mal unüberschaubar wirken? Das, was vermutlich in Wohnzimmermusik (Monikaª) gerade wieder eine kleine Renaissance erlebt, zumindest in meiner Nachbarschaft? Die kurzen Momente von großem Pop, die mehr oder weniger zufällig, aber ganz klar sind? (Zumindest das etwas, das Schneiderª gelten läßt, wie z.B. in dem Uschi-Obermeier-Plakat von Milch). Oder der LoFi-Aspekt, das Ich-kann-nichts-und-will-aber-alles-Kleinkindertum ohne Ende? Das Unverdauliche eines herrenlosen Kindergartens, der die Welt sein soll, egal ob gut, aber eben in Ermangelung einer besseren Utopie (Demokratie, Kapitalismus, Stalinismus, Zenbuddhismus usw.)? Vielleicht. So könnte ich mir jedenfalls erklären, warum spannende Dinge in elektronischer Musik nicht unbedingt nur aus Technologischem-Advanced-Sein-und-Bleiben kommen können, schon gar nicht aus Genialität oder etwa weil jemand da Skillz hat, die andere erst noch lernen müssten. Alles Quatsch, sowie nicht jeder mit der Besinnung auf die gerade Bassdrum durchkommt oder mit 303, keine Programmierung von Drum and Bass jemals schwierig im Vergleich zu Maschinensprache, kein GUI einen vor eine Komplexität stellt, die der einer Kiste voller Lego erst mal grundlegend überlegen wäre. Kein 4/4tel Takt aber auch keine Melodie, keine Harmonik, kein gar nichts eigentlich zu Ende sein kann, vorerst, oder anders als als Mode. Es ist ein sich als soziales immer erst mal enteckendes, neues Anderes in irgendetwas, mit dem man Spaß hat, das spannend ist, für einzelne und jeden anderen, der das halbwegs nachvollziehen, ausdifferenzieren und entwirren kann. Wenn mir schon das 80er Revival keine Angst machen kann, dann soll es doch mal kommen das 90er Revival. Mit jemand wie Schneiderª kann nicht viel schief gehn, auch wenn die Integration der Szenen noch Probleme aufwerfen wird, von denen jedes halbwegs lebendige Staatsoberhaupt Alpträume bekäme, wenn es wüßte, daß es sie gibt. Und es kann noch schlimmer kommen. PS: Daß der bürgerliche Name von Schneiderª in diesem Artikel nicht auftaucht liegt nicht daran, daß ich Donna J. Haraways Buch “Modest_Witness@Second_Millennium.FemaleMan©_Meets_OncoMouseª” (Routledge, New York/London, 1997) noch immer nicht ausgelesen habe, sondern ich weiß ihn einfach nicht, aber zumindest hilft es bei der freudigen Akzeptanz kruder Schreibweisen kruder Worte wie “Hygienebeutel”, die sicherlich mit einem schlichten ª verziert wesentlich authentischer rüberkämen. __________________________________________________________ Zitate Aber Synchronschwimmen in aufblasbaren leeren Planschbecken ist noch lange nicht das Ende Ich wusste selber auch manchmal erst Jahre später, was ich mir damit sagen wollte. Mach es einfach, du brauchst nicht zu wissen wie, das geht.

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