Das Telefon mit Twist. Nokia entwirft eine neue Bedientechnik. Das müssen wir uns natürlich angucken – und anhören.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 102


Ich mag Telefone,die eigentlich aus einer etwas verschrobenen Idee geboren werden. Beim neuen Nokia 3250 kann man sich einfach blendend vorstellen, dass die Entwickler dasaßen und sich dachten, Clamshells, Schiebetelefone, Drehtelefone, alles schon zu oft gehabt, wir brauchen ein Telefon mit einem Twist! Und schon haben sie das Bedienfeld vom Screen abgekoppelt und machten es drehbar, einfach weil das bislang nie jemand gemacht hat.

Ein neuer Dreh bei einem neuen Telefon stellt allerdings immer auch Anforderungen an die ergonomisch versteiften Finger und es braucht schon eine Weile, bis man begriffen hat, ah, das ist jetzt der Kameramodus (auch wenn er wirklich stark nach Camcorder aussieht) und ah, das ist der Spiegelmodus (Webcamstyle), und nicht irgendeinen Finger vor der leider ungeschützten Linse bewegt und die Spurrillen in Vergrößerung sieht statt des gewünschten Motivs. Speziell wenn man den Auslöser drücken will, erfordert das einiges an spinnenartiger Feinarbeit, denn obwohl das Telefon ziemlich wuchtig und in einem slicken Lackschwarz daherkommt, in der Handhabung ist es kleiner, als man denkt. Dafür aber macht es mit seinen zwei Megapixeln erfrischend scharfe Photos und lässt sich selbst bei etwas nervöserer Haltung (die beim Telefon ja viel zu oft auftaucht, weil vom Click bis zum Bild ja immer diese Sekunde der Hoffnung auf den Treffer vergeht) nicht zur Unschärfe verleiten.

So eigenwillig das Tastaturdrehelement allerdings bei der Kamera wirken mag, so simpel und offensichtlich funktioniert es – und das ist wohl der anvisierte Hauptmarkt – beim MP3 Player, der visuell ziemlich nach Flash aussieht, das das Nokia 3250 neben Java übrigens erfrischend gut beherrscht. Ein Dreh und man hat nur noch die Buttons für Play, Pause, FFwd und Rewind und spätestens, wenn der erste Track aus dem Lautsprecher ganz unten im Telefon pumpt, ahnt man, dass das Nokia 3250 ein Erfolg sein könnte, denn im Vergleich zu vielen anderen Telefonen ist der Lautsprecher eine ziemliche Boombox und nährt seinen satten Sound ziemlich clever aus der Höhlung der Hand, in der er liegt. Mit MiniSD-Karte (die sind glücklicherweise längst nicht so teuer wie Memory Sticks) ist das Telefon auf immerhin 1GB erweiterbar, die Musik lässt sich aber – jedenfalls habe ich es nicht herausgefunden – nicht an der Software vorbei einfach via USB auf das Telefon schmuggeln. MacUser dürfte das trotz BootCamp etwas ärgern. Dafür aber kann man Playlisten via Bluetooth oder Email übergeben, auch eine viel zu seltene Funktion, und jeden beliebigen Kopfhörer anschließen.

Die Blogfunktion konnte ich leider mangels passender Einstellungen nicht testen, dabei wäre genau das ein weiteres Feature, was einem das Telefon sehr sympathisch machen könnte, denn die klassisch guten T9-Funktionen bei Nokia ließen einen in halbwegs akzeptabler Zeit schon das ein oder andere nebst Schnappschuss von unterwegs Bloggen.

Rundum ein durchdachtes und cleveres Telefon mit einem der besten Designs von Nokia, das sich hervorragend neben einer guten Portion Sushi macht und einem die wichtigsten Funktionen auch ohne einen Tastendruck liefert.

Die sonstigen Funktionen: Triband, 103 g, 208×176 Pixel, Symbian Betriebssystem mit klassischer S60-Oberfläche, Unterstützung für AAC, M4A, AMR, MIDI, RealAudio & WMA (etc.), 4-fach Zoom, E-Mail, Wap, Mini-XHTML-Browser, VisualRadio sowie EDGE & GPRS.

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Elektronische Lebensaspekte.