Die Ideen-Maschine der Singularität
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 110


Image assembled by David Nathan from NASA-Pictures

Spätestens seit Accelerando hat sich Charles Stross für alle Liebhaber von Singularity Science Fiction als eine Art Ideen-Maschine etabliert, die unaufhaltsam das Genre aufrollt. Der auch Online veröffentlichte Roman über den Open Source Innovationsbroker Marcxs ist aber nur die Spitze des Eisbergs der unermüdlichen Textmaschine Charles Stross. Neben einer Serie von Parallelwelt Romanen, der Merchant Princess Serie, die feudale Fantasy und ökonomischen Thriller nun schon zum dritten Mal verbinden, finden sich in seinen Büchern Spionage-Themen mit Vampir-Einschlag (“The Atrocity Archives”, “Jennifer Morgue”), Singularity Space Operas (“Singularity Sky”, “Iron Sunrise”) und Post-Singularity Romane wie “Glasshouse”. Als enttäuschter Pharmakologe (“Sick at heart from drugging people”) und prä Dotcom-Boom Informatikaussteiger, sowie mit einer Nebenkarriere als Autor über Linux und Open Source, veröffentlicht er seit 1986 Science Fiction und betreibt nebenher sein Blog, auf dem er zwischen politischer Kritik, Recherche und Offenlegung des Science Fiction Betriebs pendelt.

Auf Deutsch sind bislang 4 seiner Romane (Singularität (Singularity Sky), Supernova (Iron Sunrise), Dämonentor (The Atrocity Archives) und Accelerando im Heyne Verlag erschienen.

De:Bug: Was waren in den letzten drei Jahrzehnten die größten Veränderungen für das Schreiben von Science Fiction?

Es gab unzählbare Veränderungen. Und da ich ja damals noch nichts veröffentlicht hatte, kann ich nicht wirklich aus eigener Erfahrung sprechen. Klar allerdings: Die größte Veränderung waren die Textverarbeitungsprogramme, die zwischen 1980 und 1990 allgegenwärtig wurden. Einer meiner Herausgeber, der alt genug ist, um sich persönlich zu erinnern, behauptet, dass Textverarbeitungsprogramme dazu geführt haben, dass das durchschnittliche Manuskript 20% dicker wurde. Und es wurde viel schwieriger, die Schizophrenen herauszufinden, die plötzlich aufhörten, mit grüner Tinte in Langschrift zu schreiben und die neue Technologie wie alle anderen auch benutzten. Wer sich durch die Berge durcharbeiten musste, musste so zumindest erst mal reinlesen, bevor er feststellen konnte, dass es Mist ist. Vielleicht glaubst du, dass das ein Witz sein sollte, ist es aber nicht. Scheinbar ist eins der durchschnittlichen Symptome von Schizophrenie ein dringendes Bedürfnis zu kommunizieren. Und die Konsequenz ist, dass zusätzlich zu den unaufgeforderten Werken einiger Genies der Berg an Manuskripten, mit dem es ein Herausgeber zu tun hat, aufgeladen ist mit weitschweifigen Abhandlungen, die erklären, warum der Autor von der CIA mit Gedanken-Kontroll-Lasern verfolgt wird. Früher konnten sie das einem Herausgeber schicken oder mussten zumindest ein Vermögen an Fotokopierrechnungen zahlen. Aber die Textverarbeitung hat sie befreit. Seltsam, aber wahr.

In letzter Zeit hat das Internet natürlich einige Formen der Recherche erleichtert. Aber nicht alle! Generell hat es wenig verändert in der ziemlich gesetzten Welt des Verlagswesens, das für einen Außenseiter ziemlich bizarr aussieht, bis man realisiert hat, dass all ihre verrückten Angewohnheiten die Teilmenge der möglichen Geschäftspraktiken sind, die nicht dafür gesorgt haben, dass irgendwelche ihrer Vorgänger in den letzten zwei Jahrhunderten Pleite gegangen sind. Die dritte große Veränderung ist der Zusammenbruch des Massenmarkts für Taschenbücher in den USA, der eigenwillige Dominoeffekte darauf hatte, wer überhaupt veröffentlicht wird und wo.

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De:Bug: Was ist aus deiner Idee geworden, ein Buch auf einem Telefon zu schreiben?

Moderne Mobiltelefone haben Bildschirme mit VGA-Auflösung, Prozessoren bis 400Mhz und jede Menge RAM und Speicher. Die können so viel wie altmodische PCs so um 1998. Und man kann Bluetooth-Keybords und eine Maus mit ihnen benutzen. Aber irgendwie sind sie noch nicht ganz da. Oder besser gesagt, mein Augenlicht ist nicht scharf gut genug, um mit einem 7,5 cm Bildschirm arbeiten zu können. Und dazu habe ich eine starke Aversion gegen Microsoft-Produkte, besonders das PocketPC OS. Sonst würde ich jetzt schon mal auf ein HTC Athena sparen.

Wenn ich ein VGA-Gerät mit Linux, Symbian UIQ oder Palm OS bekomme, dann überlege ich mir das noch mal. Laptops sind einfach verdammt noch mal zu groß und schwer. Und auch wenn mir bei der Hardware eines Sony Vaio UX mit eingebauter 3G-Karte das Wasser im Mund zusammenläuft, kann ich es mir nicht wirklich leisten.

De:Bug: Wie hat sich die Veröffentlichung im Netz von Accelerando im Nachhinein ausgewirkt? War es vielleicht “das” Buch, mit dem man so etwas tun musste?

Es ist schwer, sich da sicher zu sein. Denn da gibt es einen gewissen Mangel an Kontrolle im Experiment. Aber ich glaube, dass die CC-Lizenzierung von Accelerando die Verkäufe der Hardcover-Version des Buchs eindeutig hat ansteigen lassen. Und es hat eine bemerkenswerte Welle von Wohlwollen erzeugt. Überraschung. Viele Leute haben mir Mails geschickt, um zu sagen: “Ich habe es online gelesen und all deine anderen Bücher gekauft.” Ich bin also glücklich damit. Und ein wenig enttäuscht, dass ich es wohl eine Weile lang nicht mehr so machen können werde.

Natürlich war es genau das richtige Buch dafür. “Was würde Manfred tun” war eine Phrase, mit der ich das erklärt habe. Aber überrascht war ich letztendlich nicht. Jeder mag freie Proben. Und am besten ist das ganze Ding. Etwas für umsonst zu bekommen, hält die Menschen nicht davon ab, es noch mal lesen zu wollen oder es auf Papier besitzen zu wollen. Tatsächlich ist eine Veröffentlichung unter einer CC-Lizenz nichts anderes, als öffentliche Bibliotheken mit einer Tonne Kopien zu bestücken. Ich denke wir haben einen eingebauten Vorteil, weil wir technologisch besessener oder einfach belesener sind. Viele der Mainstreamschreiber, die ich bislang getroffen habe, sind keine Techies. Sie haben persönliche oder soziale Stärken und viel Einsicht darin, wie Leute denken, aber Technologie liegt überhaupt nicht in ihrem Fokus. Abgesehen von der Vermarktung ihrer Werke haben sie mit Online-Tools nicht viel zu tun. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber als Geek für Geeks zu schreiben, ist ein Vorteil.

De:Bug: Hältst du die Idee und das System von geistigem Eigentum für überholt?

Da fragst du den Falschen. Cory (Doctorow) müsste man das fragen. Aber dennoch, der Ausdruck “geistiges Eigentum”, die Mutmaßung, man könne eine Idee oder das Artefakt eines Intellekts besitzen, ist schon sehr befremdlich.

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De:Bug: Mal vorausgesetzt, man könnte Ökonomie und Technologie trennen, welches der Felder scheint dir für das Schreiben einer Geschichte produktiver?

Wir haben uns die letzten 80 Jahre damit beschäftigt, über Technologie zu schreiben. Aber es ist schon auffällig, wie abwesend Ökonomie war, obwohl das einer der größten Einflüsse auf unser Leben ist. Und Ökonomie diktiert, welche Technologien erforscht werden und welche sterben. Ein Beispiel: die Bevölkerung des Weltalls. Eine der zentralen Mythen in der gemeinsamen SciFi-Kultur ist die Idee der Ausdehnung ins All. “The High Frontier” nennen das einige der konservativen amerikanischen Ingenieur-SciFi-Typen. Aber wie entwicklungsfähig ist das in Wirklichkeit? Sicher, wir haben Kommunikationssatelliten und eine Industrie drumherum, die mit der internationalen Luftfracht an Umsatz konkurrieren kann, das aber nur, weil es grausam teuer ist, einen Satelliten ins All zu schießen. Nahezu jeder Plan für eine Ausdehnung jenseits der näheren Erdumlaufbahn scheitert an Kostenfragen. Es gibt schlichtweg keine derzeitige menschliche ökonomische Aktivität, die von einer Ausbreitung jenseits der Umlaufbahn profitieren könnte. Ich denke, die zukünftigen Jahrhunderte werden die NASA, ESA und die russische Erkundung des Sonnensystems als eine der großen kulturellen Aktivitäten des 20. und 21. Jahrhunderts sehen. Ähnlich der Bedeutung der Erbauung von Kathedralen im Mittelalter. Etwas von großer Schönheit und bleibendem kulturellen Wert, aber völlig von jeglicher Ökonomie entkoppelt.

Es gibt religiöse Obertöne in der Idee der Kolonialisierung des Weltalls, die wir nur selten untersuchen. Bis hin zurück zur Direktive in der Genesis: “Gehet hin, seid fruchtbar und vermehret euch.” Und wir sollten diese Ideen untersuchen, bevor wir sie verfolgen. Fruchtbarkeit und Vermehrung ist etwas, das Bakterien am besten können. Wollen wir wirklich Bakterien nacheifern? Kopflos herumschwärmen? Oder haben wir andere Ziele? Und das ist erst der Anfang. Das Sonnensystem ist, unglücklicherweise, ein ziemlich ungastlicher Ort für menschliches Leben. Überall, abgesehen mal von ein paar sehr geschützten Stellen auf der Erde, würde ein ungeschützter Mensch sehr schnell sterben. Die reinen Kosten, uns im Weltall am Leben zu erhalten, liegen im Wettstreit mit jeder ökonomisch durchführbaren Methode der Ausdehnung. Zumindest bis wir die menschliche Biologie so überarbeitet haben, dass sie robuster ist.

De:Bug: In einem anderen Interview vor ein paar Jahren hast du gesagt, dass die grundlegenden menschlichen Persönlichkeitstypen immer noch bestehen werden, selbst wenn man die Umwelt so stark verändert, dass sie hoffnungslos fehladaptiert sein müssen. Würdest du das eher auf biologische oder auf sprachliche Grundlagen zurückführen?

Ist Sprache nicht ein aus der Biologie auftauchendes Produkt? Sicher, es gibt eine theoretische Schule, die sagt, dass die Existenz des Zungenbeins und des Kehlkopfes im Menschen einzigartig unter den Humanoiden ist und deren Entwicklung mit den Ursprüngen der kulturellen Artefakte zusammenfällt, die man in der Paläontologie mit der Sprache verbindet.

Ein anderer Punkt, den man im Gedächtnis behalten sollte, ist, dass wir uns vermutlich über die Zeit als Individuen verändern, wir aber doch eine starke Anhänglichkeit gegenüber unserem Sinn für Identität haben. Wir mögen die Idee nicht, dass wir vollständig zu existieren aufhören, oder zu jemand anderem oder etwas ganz anderem werden. Daher kommt jedenfalls meine Behauptung. Auch wenn man Menschen in eine Umgebung setzt, in der menschliche Identität in gewisser Weise anfällig ist, würde ich wetten, dass sie versuchen, sich daran zu klammern.

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De:Bug: Welche technologischen Bereiche scheinen dir im Moment am meisten übersehen zu werden und welche erscheinen dir als Schreiber besonders viel versprechend?

Es scheint mir unmöglich, da mit etwas wirklich Originellem zu antworten. Aber hier ein paar meiner Obsessionen: Zunächst mal stehen wir an der Grenze zu einer wirklichen Veränderung des Menschseins. Während der gesamten menschlichen Geschichte, bis hin zu diesem Jahrzehnt, war es möglich, sich selbst zu verlieren. Nichts von der eigenen geographische Position zu wissen. Nicht zu wissen, wo man ist. Aber die Verbreitung der Mobiltelefone und GPS wird diesen Aspekt der Menschlichkeit obsolet machen. Genau so wie der Taschenrechner den Rechenschieber und die Logarithmentafeln in den 70ern hat verschwinden lassen. In zehn Jahren erwarte ich, dass ich, falls ich aufwachen würde und mich irgendwie verloren fühlen möchte, ich wirklich aktiv ein paar elektronische Geräte abschalten muss, die rings um meine Person verteilt und dabei so billig sind, dass sie in manchen Fällen wegwerfbar sind, oder z.B. einen Teil meiner Kleidung. Allgegenwärtige Ortsbestimmung hat Folgen, die ich bislang nur halb erforscht habe. Und es hat schon jetzt begonnen.

Der zweite Punkt, der mir wichtig erscheint, sind die MMORPGs wie Eve Online, World of Warcraft und Second Life, die die ersten wirtschaftlich erfolgreichen virtuellen Umgebungen sind. Second Life ist nahezu Neal Stephensons Metaverse aus “Snow Crash”, zum Leben erweckt. Der Punkt, dass sie kommerziell funktionieren, den Firmen, die sie tragen, einen Profit einspielen, führt dazu, dass sie sich weiter und weiter verbreiten werden.

Aber der Cyberspace wird von Spielern designt. Nicht von Firmen. Und weißt du was? Der ist wirklich verrückt. Verrückt im Sinne von explodierenden Scheinen und selbst-replizierenden Penissen. Verrückter als Bruce Sterling an einem verrückten Tag, nachdem man ihn mit LSD gefüttert hat.

De:Bug: Zwischen Science Fiction und Technologie gibt es ja auch eine Wechselwirkung. Würdest du sagen, dass deine Romane heutzutage Programmierer beeinflussen können?

SciFi hat mich überhaupt erst zu Computern gebracht. Ich habe mir 1986 ein erstes Textverarbeitungsprogramm gekauft – einen Amstrad PCW – und die Software hatte keine Funktion, um Worte zu zählen. Ich habe mich am Kopf gekratzt, festgestellt, dass die Systemsoftware CP/M heißt und dass es einen BASIC Interpreter gab, und die Funktion selbst geschrieben. Drei Jahre später bin ich dann zurück in die Universität und habe eine Umschulung zum Informatiker gemacht. Ich bin also da hineingerutscht. Ob meine Romane irgendwelche Programmierer heutzutage beeinflussen? Ich wäre auf jeden Fall kein guter Einfluss.

De:Bug: Gibt es immer noch den großen Unterschied zwischen britischer, bzw. nicht amerikanischer Science Fiction und der aus den USA?

Definitiv. Es gibt sehr unterschiedliche kanadische und britische SciFi- Schulen, sogar innerhalb der britischen SciFi lässt sich die aus Schottland klar identifizieren. Die charakteristischen Ursprünge britischer SciFi wurden detailliert in Brian Aldiss und David Wingroves “Trillion Year Spree” beschrieben. Britische SciFi ist ein Nachfolger der wissenschaftlichen Phantasie-Erzählungen, deren Vorreiter H.G. Wells und Jules Verne waren. Und in dem Maße haben sie auch politische Wurzeln, sind sozialistisch und/oder utopisch. Die Ursprünge amerikanischer SciFi findet man eher in der technokratischen, rationalistischen Politik der 20er. Und der knallharten Schundliteratur der Zeit. Eine ganz andere Ideologie. Wenn man – wie man es in SciFi tut – ein fiktionales Universum baut, färben die ideologischen Vorurteile die Struktur dieses Universums. Wenn also ein sozialistischer und ein konservativer Autor Abenteuer in einem galaktischen Reich beschreiben, wird ihre Haltung zu den sozialen Strukturen und ihren Helden eine ganz andere sein.

Britische SciFi entwickelte sich dann über 50 Jahre lang durch die Erforschung des Endes des Empires. Währen die 30er und 40er eine schreckliche Zeit für Kontinentaleuropa waren, schien England aus dem Krieg als eine Art Gewinner zu kommen. Aber das Land war pleite, die Infrastruktur lag am Boden und man hatte sich stark bei Amerika verschuldet. Eine der Bedingungen der wahren Gewinner war die Demontage des britischen Empire. Und genau das geschah. Die britische Öffentlichkeit hatte ein halbes Jahrhundert damit zu kämpfen, mit dem langen Fall der einstigen Weltmacht von 1860 klarzukommen. Schließlich hatte es ja keine fremden Panzer in London gegeben, was war also schiefgelaufen? Das alles verursachte ein besonders negatives, pessimistisches politisches und kulturelles Klima. Immer mit einem Seitenblick auf die vergangenen Tage des Ruhms. Und führte in britischer SciFi zu einem Hang zur Schwermut und Apokalypse. Seit den 90ern ist dieser Niedergang abgeflacht und der Effekt auf die britischen Autoren war sehr deutlich. Nach dem Ableben und der Beisetzung des Geistes des Britischen Empire begannen wir alle optimistischer und interessanter zu schreiben. Vermutlich ist die Renaissance britischer Science Fiction eins der bedeutendsten Ereignisse in diesem Feld seit den 60ern. Ironischerweise koexistiert sie mit einer amerikanischen Gegenbewegung, die in eine Periode des Zweifels, der Unsicherheit und des Schwermuts eingetreten ist, die ihre Beziehung zum Rest der Welt nach 9/11 reflektiert.

De:Bug: Besteht für nicht englischsprachige Science Fiction überhaupt eine Überlebenschance?

Es ist ein ökonomisches Problem, das vor allem durch die Kosten der Übersetzung bestimmt wird. Zunächst: Der US-Markt ist der größte Einzelmarkt für SciFi in der Welt. Vielleicht wird er irgendwann mal von China oder Indien überflügelt, noch ist es aber nicht so weit. Zweitens ist SciFi ein eher grenzwertiger Weg, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenige von uns haben Erfolg und man muss schon ganz schön drängeln, um in jeder nur möglichen Marktnische zu verkaufen, damit man davon leben kann. Traurigerweise ist SciFi ja eine Minderheitenbeschäftigung. Grade mal 2% Prozent des britischen und amerikanischen Buchmarkts. Wenn man also als SciFi-Autor überleben will, muss man in Amerika veröffentlicht werden. Amerikanische Verleger lesen nur Englisch. Ich muss zugeben, dass ich selbst auch nur eine Sprache spreche. Aber in Amerika ist das noch verbreiteter. Immerhin 80% der Briten haben einen Reisepass. Bei den Amerikanern sind es nur 15%.

Als nicht englisch schreibender Autor dürfte es unmöglich sein, einen amerikanischen Verleger zu finden, der Französisch oder Deutsch oder gar Serbokroatisch lesen kann. Aber bevor sie überhaupt das Buch kaufen würden, muss es noch von dem Marketing Manager gelesen werden, mindestens einem weiteren Lektor und von einem Teil der Verkaufsmannschaft. Ein ganzes Komittee muss zustimmen. Eine Übersetzung für einen Roman in Auftrag zu geben, ist aber teuer, denn selbst ein schneller Übersetzer wird mindestens einen Monat dafür brauchen. Es also erst mal übersetzen zu lassen, bevor man sich entscheidet es zu kaufen, ist nahezu unmöglich. Zumal wenn sie – selbst nachdem mindestens einer der oben beteiligten Leser zum enthusiastischen Vertreter eines Buches geworden ist – immer noch 95% der Manuskripte, die diese Phase passiert haben, zurückweisen.

Vielleicht werden Übersetzungsprogramme dieses Problem lindern, aber nicht in absehbarer Zukunft, denn gerade nuancierte Fiktion ist eins der am schwersten übersetzbaren Materialien. Es gibt zwar ein paar sehr wenige nicht Englisch Schreibende, die in den USA verkaufen, Stanislaw Lem damals, die Strugatsky-Brüder und Zoran Zivkovic, es ist also nicht ganz unmöglich, aber es hilft wirklich, wenn man gleich in Englisch schreibt oder seine eigenen Bücher selbst übersetzt.

De:Bug: Musik ist zwar in manchen deiner Bücher Thema, aber von manchen – z.B. der Merchant-Princes-Serie – völlig abwesend. Was hörst du?

Ich habe einen ziemlich eklektischen Geschmack für Goth, Techno, Industrial, Synthpop und einen Hang zu Punk. Im Moment ist ein Album mit Pet-Shop-Boys-Remixen auf meinem iPod. Aber das ist eher Zufall.
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Elektronische Lebensaspekte.

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