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Text: sascha kösch aus De:Bug 32

Scifi im Winter Sascha Kösch bleed@lebensaspekte.de Das Warten auf das erste Science Fiction Buch von Dietmar Dath, das demnächst im Verbrecher Verlag erscheint, verkürzt man sich am besten mit einem Round Up der gelegentlich etwas sperrigen Übersetzungen englischer Scifi Romane bei Heyne. Durch die Veröffentlichung von Greg Egans Klassiker “Distress”, das nun “Qual” heisst, eigentlich aber eine ganz gelungene Übersetzung ist, befindet man sich in Deutschland jetzt nicht nur mitten in den 5 Romanen, die es von ihm gibt (“Quarantaine” und “CyberCity” (Permutation City im Orginal) erschienen schon bei Heyne und “Diaspora” & “Terranesia” werden wohl folgen), sondern bei meinem Lieblingsroman von ihm. Die Geschichte um eine Theory Of Everything, die bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Probleme, Geschichten, Auswirkungen und Verwirrungen, die ein Versuch einer abschliessenden Wissenschaft bringen kann, der Entwurf einer neutralen Geschlechtlichkeit, die soetwas wie einen längst fälligen Ausweg aus dem Cyberpunkparadigma des Computers als Frau war, hat nichts von ihrer Spannung verloren, auch wenn man es gelegentlich bevorzugen würde, wenn KeyTerms nicht plötzlich anders hiessen, und wirkt bei all seiner Vorliebe für die Mathematik weniger lehrbuchhaft (obwohl ziemlich euphorisch-phantastisch, wie immer bei Greg Egan Büchern) als die Entwicklungen ständig neuer mehrdimensionaler Welten in Diaspora z.B. Die immer wieder festgestelle zentrale Problematisierung der Sexualität spielt auch in zwei weiteren, endlich übersetzten Büchern dieses Winters eine den Plot organisierende Rolle. Mary Doria Russells “Sperling” und Simon Ings “Datafat” könnten unterschiedlicher in ihrer Herangehensweise an das Thema allerdings gar nicht sein. Während sich “Sperling”, ein in gewisser Weise klassischer First Contact Roman, (Gruppe um einen Jesuiten Pfarrer hört Gesänge aus dem All, startet ein Riesenunternehmen und Reise zu anderem Planet, entdeckt dort zwei strange Lebensformen in Symbiose und kommt nicht ganz unbeschadet und nur sehr dezimiert wieder zurück), aus der klassisch psychoanalytisch-foucaultschen Perspektive eines forciert methodischen zur Sprache Bringens der Sexualität speist, ist der Kniff des Buches, dass der Act, in dem das Ende des Glaubens in der vollkommenen Öffnung zu Gott, die Vergewaltigung des Priesters durch den Grund seiner Reise ins All ist. Bei Simon Ings “Datafat”, Teil eins der Trilogie des Engländers, die man vielleicht zurecht Cyberpunk genannt hat, und das sprachlich deutsch etwas gebrochen wirkt, weil das Original eher schwierig und literarisch dicht ist (ähnlich wie bei den Übersetzungen von Jeff Noon z.B.), organisiert sich die Geschichte (Städte kämpfen um ihr Bewusstwerden und die Vorherrschaft der Künstlichen Intelligenzen auf der Erde in einem darken Near-Future-Setting) um den vernichtet-vergewaltigten Körper der Schwester des Protagonisten, der alles nur unternimmt, um sie technologisch Stück für Stück wieder aufzubauen, und deren einziger weiblicher Gegenpart im Roman genau dieses Zwischending Frau/Computer ist, das “unbekannte” Wesen (sorry), das den Romanen von Gibson auch zugrunde liegt, dessen Cyberspace Ideologie nicht unwesentlich die Welt des Netzes geprägt und damit auch mit einem spezifischen Genderbild scheinbar nebenbei versehen hat, das Romane wie “Sperling” trotz aller klassischen Literatur-Attitude wichtig erscheinen lässt.

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Elektronische Lebensaspekte.