Text: riley reinhold aus De:Bug 11

Der Schlüssel für Erfolg ist Kommunikation und Freundschaft: Scott Grooves Riley Reinhold rrr@de-bug.de Scott Grooves alias Patrik Scott sitzt uns entspannt gegenüber. Ungleich vieler seiner wesentlich bekannteren Kollegen aus Detroit, fühlt er sich nicht dazu auserkoren, die allseits bekannte Geschichte des Ursprungsort von Techno wieder aufzurollen. Nun, zu allererst ist Scott Grooves unabhängiger Musiker, Keyboarder, Gitarrist, Schlagzeuger, dem es egal ist, ob er Jazz oder House hört und da mag ihn die Indentitätssuche in Sachen Techno einfach weniger interessieren. Das Leben eines DJ Gigolos möchte er nicht mit seinem eintauschen. Obwohl selbst DJ, verläßt er Detroit kaum und sieht auch in dem Daheimbleiben eine Qualität, die den Identitätsverlust der neuen Generation von Kids vorbeugt, wie er sagt. Studioarbeit hat für ihn genau den selben Stellenwert ,wie das Socializen und Abhängen mit anderen. Im Club Amsterdam, dem vielleicht besten in Windsor, legt er jeden Donnerstag auf. Mit Derrick May, Kevin Saunderson und Juan Atkins spielt man zusammen in einem Team Basketball. Die Szene hält zusammen. In diesen Tagen hat der Detroiter Scott Grooves sein erstes Deep-House-Album auf dem schottischen Label Soma herausgebracht und glänzt darin durch die Vibraphonkünste eines Roy Ayers, das Saxophonspiel eines Keith Kamiski und die Scat Vocals von Gwen Fox. ‘Pieces Of A Dream’ fügt diverse Live-Elemente zu einer lebendigen, lässigen, soulhaften Form von House zusammen, die in Deutschland nicht weitverbreitet ist, in England allerdings schon in Form seiner Single-Auskopplung bei Radio DJs wie Giles Peterson und Pete Tong als Hit bezeichnet wurde. Patrik Scott bezeichnet sein Debutalbum sachlich als die erste professionelle Produktion von ihm. Wie so oft ist auch diese Platte eine glückliche Verkettung von Zufällen und Können. Er hat durch seine Arbeit als Keyboarder bei Inner City, sein Schaffen in Detroits bekanntesten Recordshop Recordtime und diversen Gehversuchen auf dem Detroiter Label Soiree und auch auf einer Platte auf KMS unter Beweis gestellt, daß er zu dem Kern des vertrauenswürdigen Personenkreises gehört, der das Business dort am Leben hält. Schmunzelnd erzählt er uns, daß er seit fünf Jahren keinen Malocher-Job mehr macht. Schnell aber muß man sein, denn die Konkurrenz schläft nicht, betont er. Ideen direkt verarbeiten, die Augen und Ohren offen halten, das ist wichtig und als er hört, wie er in Kontakt mit Basic Channel kommen kann, deren Platten er liebt, wie er sagt, zückt er den Notizblock für eine Notiz. Den Aspekt des Geldflusses, des Business, der bei Interviews allzuoft unter den Tisch fällt, kommt bei ihm zu neuen Ehren. Wo Geld angelegt wird, entsteht Kommerz, der aber ist auch für eine Bildung von Undergroundszenen nicht unwichtig, meint er mit voller Überzeugung. Nicht umsonst ist er, wie auch viele andere DJs, in Windsor, der heimlichen Finanzhauptstadt Detroits, als DJ tätig. Das, was man als “Emergency Exit” bezeichnen mag, bietet Spielkasinos, Strip Shows und eine gesunde Clubszene. Ob sich dahingehend mit der Einführung von Spielkasinos in Detroit in diesem Jahr etwas verändern wird, kann er allerdings auch nicht beantworten. Als wir über “Big Fun” reden, den größten Hit von Inner City, strahlt er und bemerkt, daß ihn Kevin Saunderson nach vier Jahren Funkstille gefragt hat, ob er zum 10-jährigen Jubiläum einen Remix machen wolle und er zusagte. Scott nimmt’s locker und lässig und verspricht uns den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Aktuelle Veröffentlichung: Scott Grooves – ‘Pieces Of A Dream’ (Soma) ZITATE: Schnell aber muß man sein, denn die Konkurrenz schläft nicht.

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Elektronische Lebensaspekte.