Mit diesem gecodeten Rührei lassen sich Musikvideos selbst zusammensingen. Die Datenbank pumpt Fragmente der Popmusik raus und fertig ist das MashUp fürs Wohnzimmer.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 102

Wer wie ich die letzten Wochen mit den singenden Holländern von Delsin verbracht hat, der weiß, es gibt Menschen, die tun nichts lieber, als in ihrem Hirn nach verborgenen Schätzen musikalischer Kultur zu suchen und das Ganze lauthals mit viel Gelächter und Emotionen in die Welt hinauszusingen. Die ist mehr oder weniger darüber erfreut, irritiert oder auch erschüttert, aber die Erinnerung siegt doch immer.

Technologie ist ein anderer Prozess. In Zeiten viraler Medien um so mehr. Da werden Daten verbunden und verarbeitet, nicht Emotionen gesprudelt. Pure Freude ist es aber auch. Und um beides miteinander zu verbinden, hat Sven König sCrAmBlEd?HaCkZ! auf der Basis von PureData, dem OpenSource-Bruder von Jitter und ein wenig C++/Python gebastelt. Eine Installation, die Karaoke selbst Leuten wie Jason Forrest schmackhaft machen könnte, denn was dabei herauskommt, ist Fernsehvergnügen verfrickeltster Art. Kein Wunder bei jemandem, der König heißt und dessen andere Projekte ähnlich großspurige Namen tragen wie: WORLD DOMINATION oder aPpRoPiRaTe!

sCrAmBlEd?HaCkZ! (wagemutige Übersetzung von Rühreiern in Hackerdeutsch) schnappt sich Videosegmente und analysiert diese nach ihrem Sound, hackt sie in kleine Schnipsel und packt das Ganze indiziert in eine Datenbank. Der Datenbank singt man nun was vor und sie versucht, das Passendste zu dem eigenen Vokalerzeugnis zu finden und klebt aus den Videoschnipseln ein perfektes Mashup der Zapbegierde zusammen, das man sich mit keinem anderen Interface besser aus den eigenen MTV-Albträumen hätte herbeihalluzinieren können. Und das Ganze sieht auch noch aus wie die typische Wohnzimmer-Situation mit Glotze und die Fernbedienung ist reduziert auf einen Knopf und einen Joystick (für Bonus-Effekte). Musikvideos sind tot, lang lebe sCrAmBlEd?HaCkZ!

König, der laut eigener Aussage und dem seit einigen Wochen via Youtube die Runde machendem Video auch überprüfbar einen erfreulich sperrigen teutonischen Dialekt hat, nennt als Hauptgrund für das erfrischend unkunstige Konzept, dass man bislang, wollte man Copyrights brechen, nicht nur mühsam entscheiden musste, was für Samples man nun fürs persönliche Verbrechen nehmen will, sondern die auch noch konterrevolutionär ordentlich editieren musste. Mühsame Erbsenzählerei erzeugt aber nun mal definitiv nicht das gleiche Glücksgefühl wie Eingangs erwähntes lautstarkes Trällern abwegiger Melodien aus dem Weichkäse namens Hirn. Also, Claim on: Copyright infringements have never been easier than with sCrAmBlEd?HaCkZ! Das unterschreiben wir gern.

Und demnächst auch bei euch zu Hause, denn die Software wird via GNU GPL, wenn Sven König mal Zeit dafür findet. So lange aber dürft ihr ihn noch persönlich für eine Performance oder Installation booken.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.