Kurze Geschichte der deutschen TV-Regulierung
Text: Anton Waldt aus De:Bug 112


In Deutschland wird das Senden und Empfangen von Radio- und Fernsehprogrammen traditionell recht penibel geregelt:

1919: Bevor jemand einfach Rundfunk machen kann, erklärt der deutsche Staat sein Monopol auf Sendeanlagen, über die bis 1932 teilweise immerhin private Programme ausgestrahlt werden dürfen. 1922 wird aber kurzzeitig sogar noch einmal der Radio-Empfang verboten. 1924 betragen die Rundfunkgebühren 60 Mark, was einem Drittel Monatseinkommen entspricht.

1933: Nachdem der Rundfunk bereits 1932 zentralisiert wurde, beginnen die Nazis zunächst ohne gesetzliche Grundlage, das Hören unliebsamer Programme mit der Verschleppung in Konzentrationslager zu bestrafen. 1939 wird der Konsum von “Feindsendern” auch gesetzlich verboten, wer Gehörtes weitererzählt, wird sogar mit der Todesstrafe bedroht.

1945-90, DDR: West-TV zu schauen war nicht explizit verboten, aber ziemlich unerwünscht. Kampagnen, mit denen in den 60er Jahren der Konsumpropaganda durch die Mainzelmännchen ein Ende bereitet werden sollte, scheitern kläglich, weil die Westsender beim Genossen Bürger einfach zu populär sind. Den zeitweiligen Repressalien ist aber immerhin der Begriff “Nachtantenne” zu verdanken, die nach Westen ausgerichtet war und nur im Schutz der Dunkelheit verwendet wurde.

1945-81, BRD: Die westlichen Besatzungsmächte verordnen Presse- und Informationsfreiheit, wobei die Briten beim Aufbau einer demokratischen Medienlandschaft federführend sind. Unter britischer Obhut und teils auch auf deren Initiative entstehen “Spiegel” und “Zeit”, aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk: Aus den Trümmern des “Reichssender Hamburg” des “Großdeutschen Rundfunks” wird der “NWDR”, die Keimzelle für die ARD. Privatfernsehen wird allerdings bis 1981 unterbunden.

1954: Das Saarland, das noch nicht zur BRD gehört, erlaubt den privaten TV-Sender “Telesaar”, der französisch sendet. Zwei Jahre später wird das Saarland zum Bundesland, 1958 wird Telesaar abgedreht.

1981: Die Saarländer lässt das Thema nicht los, 1964 schaffen sie den gesetzlichen Rahmen für Privatsender. Die “Freie Rundfunk AG in Gründung” (FRAG) entsteht, muss aber erst mal 17 Jahre lang prozessieren, bis das Bundesverfassungsgericht den Weg für RTL und Pro7 freischießt. Und nachdem Helmut Kohl 1982 Kanzler wird, bekommen die Privaten auch aus der Politik wohlwollende Unterstützung. In Kohls Heimatstadt Ludwigshafen startet denn auch 1984 das “duale Rundfunksystem”.

1989-2007: Die EU ringt sich mühsam zu einer gemeinsamen Fernsehrichtlinie durch, die 1997 zum ersten Mal und dieser Tage erneut novelliert wird. Fest steht bereits, dass zukünftig wesentlich mehr Schleichwerbung zugelassen wird, gerungen wird noch um die Frage, ob Werbekunden auch ganze Dialoge in TV-Spielfilmen und -Serien kaufen dürfen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.