Deep und zeitlos gebrochene Beats
Text: Philipp Bullwein aus De:Bug 125


Mitte der Nuller-Jahre lahmte Drum and Bass. Denn das Gros der Produzenten verlor sich allzu oft im immer krasseren technischen Züchten ihrer Tracks, Originalität und Musikalität waren dabei aber oft auf der Strecke geblieben. Genau da erfrischten Sebas Veröffentlichungen mit ihrem perfektionierten Purismus: ausgefeilte Beat-Gerüste, schwere Analog-Bässe, atmosphärische Flächen, weite Hallräume und Delays, eben die Essenz von Drum and Bass, war sein Rezept. Diesem Stil, den in den vorangegangenen Jahren besonders Reinforced und Good Looking geprägt hatten, folgte er offenbar unbeeindruckt von allem, was da sonst passierte.

Sinngemäß beschreibt Sebastian Ahrenberg, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, seine Musik auch als “oldschool Drum and Bass, deep and emotional“. Seine erste Platte veröffentlichte 1996 Good Looking, zwei Jahre später startete der heute 34-jährige Schwede, der mit Freundin und zwei Töchtern bei Stockholm lebt, sein eigenes Label Secret Operations: “1997 habe ich hier eine Club-Nacht veranstaltet, die so hieß, deshalb gab ich dem Label den Namen“, erzählt er. Das war auch ein Stück Emanzipation, wie er erklärt: “Ich war auf Good Looking gesignt, da durfte ich keine härteren Sachen veröffentlichen.“

Später folgten Veröffentlichungen auf Metalheadz, Soul:R, Bassbin, Offshore, Freak und Paradox Music. Besonders die Platten, die zusammen mit Paradox entstanden, manifestierten die – oben beschriebene – Ur-Form von Drum and Bass als seinen Trademark-Sound. Jetzt veröffentlicht Combination Records sein Debüt-Album, das einen weiten Bogen spannt und nicht etwa voll ist von uninspirierten Rave-Gewittern wie andere Alben des Genres. “Anfangs sollte es ein Showcase von Tracks werden, von denen ich wusste, dass sie einige Leute gerne haben wollten. Zur Hälfte alte, zur Hälfte neue“, erinnert er sich.

“Je mehr neue Tracks ich aber produzierte, desto mehr alte sortierte ich aus.“ So sind es nur mehr anderthalb: “External Reality“, das eine Fusion aus “Shapeshifter“ und “External Reality“ ist, und “Forever“. Einer der schönsten Tracks, die er in letzter Zeit gemacht habe, wie er findet. Somit war das der Aufhänger für den Albumtitel “Return to forever“. Neben düster Atmosphärischem, Seba-Typischem finden sich darauf eine Jazznummer, deepe Stücke mit Robert Manos’ Gesang und ein Remix von seinem langjährigen Freund Jasper Dahlbäck.

Deep und zeitlos steht das Album ganz weit weg von allen Versuchen, sich mit technisch Hochgezüchtetem zu überbieten, bei denen Originalität und Musikalität auf der Strecke geblieben sind.

Auf seiner Agenda hat er eine ganze Menge, wie er sagt: “In erster Linie möchte ich mich in nächster Zeit auf mein Label konzentrieren und darauf regelmäßiger releasen … Auf der nächsten Metalheadz-Compilation, die jetzt im September erscheinen soll, gibt es zwei Tracks von mir, einen mit Robert Manos und einen mit Krazy. Momentan arbeite ich an drei Remixen. Für Polar, Ulrich Schnauss und ein Label aus den Niederlanden. Und eine LP von Jasper Dahlbäck und mir mit Robert Manos erscheint demnächst auf Mole Listening Pearls.“ Und dann werde er hoffentlich demnächst ein Album mit Paradox machen, sagt er zum Schluss. Das sei nämlich schon länger im Gespräch als “Return to forever“.
http://www.myspace.com/secretoperations

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Elektronische Lebensaspekte.