Sebo K ist angekommen. Endlich haben seine verschiedensten Einflüsse zu einem eigenen Sound gefunden. Mit dem prägt er entscheidend das Mobilee-Label.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 102

Sebo K ist mir das erste mal Anfang der 90er als DJ bei der Berliner Bassterror-Drum-and-Bass-Crew rings um Alec Empire begegnet. Und seitdem hat er immer wieder verschiedenste Stationen durchlaufen. Breaks bei Sonarkollektiv, verschiedenste Samplerbeiträge, gelegentliche HipHop-Produktionen, Diversestes bis hin zu Elektroclash als DJ im Pogo und nebenher noch im Digalittledeeper-Plattenladen arbeiten, aber seit Mitte der 90er auch immer wieder Housemusik wie bei seinem Projekt mit Djama, Scoopa-Fi, für Highgrade. Seit einiger Zeit hat er zum ersten Mal das Gefühl, mit seinem Sound angekommen zu sein, und seitdem hat er endlich auch den verdienten Erfolg mit seinen Releases auf Mobilee. “Ich glaube, es war auch ein Problem, dass ich nie kontinuierlich eine Sache durchgezogen habe, sondern mich immer nach einer Weile gelangweilt habe und dachte, jetzt muss etwas Neues her.” “Rancho Relaxo” war für ihn wie für das ganze Label eine Art Startschuss. Aber nicht der, sich schon wieder zu verändern, sondern bei dem zu bleiben, was er für sich über all die Jahre und Stationen als musikalische Heimat entdeckt hat. Ein warmer, aber dabei sehr eleganter Sound mit viel Melodie oder auch Soul, dem man die Zeit, die er sich für Tracks nimmt, in der Geschlossenheit und Konsequenz als Tiefe anhört.

Es ist ein eigenwilliges Phänomen, denn es gibt verschiedenste Wege, zu dem eigenen Sound zu kommen. Manche graben sich ein, vertiefen sich über die Jahre immer mehr, manche folgen jeder gerade aktuellen Strömung und finden sich trotzdem, weil sie den Punkt erwischen, an dem klar wird, was sie all die Zeit bewegt hat, und manche brauchen einfach diese vielschichtige Welt um sich herum, um beim Produzieren genau die Momente zu finden, die ihnen wirklich wichtig sind. Es ist eine Bewegung, in der sich Offenheit und Konzentration immer wieder verschränken. Obwohl er viele Tracks für Anja Schneider produziert hat, ist Sebo K nicht der typische Produzent. “Ich habe immer zu viele eigene Ideen, will mich selber ganz einbringen.” Dabei mag er es, mit anderen zusammenzuarbeiten, und mag es ebenso, wenn man sich z.B. als DJ verschiedensten Richtungen öffnet. “Mir fehlt so ein wenig die Seele in der Musik, ich bin gelangweilt von diesem Clicker-Clacker-Minimalismus, nicht dass ich manches nicht auch gerne auflegen würde. Aber ich schiele auf jeden Fall in Richtung Detroit.” Andererseits schätzt er z.B. die Tracks von Dapayk sehr, ebenso wie klassische Housetracks oder den Sonarkollektiv-Sound. Und genau dieses Sich-nicht-festlegen-Wollen scheint ihm bei seinen eigenen Produktionen zu helfen, denn obwohl sie alles andere als eine Fusion sind, hört man ihnen an, dass sehr viel Erfahrung in den Tracks zusammengeschmolzen ist. Zu einer Vision, die mit jedem neuen Release an Klarheit gewinnt und mittlerweile zu einer eigenen Identität geworden ist, die man endlich als seinen eigenen Sound bezeichnen kann. “Ich habe in der Zeit, als ich nur noch Musik gemacht habe, gemerkt, dass man anfängt, sich Gedanken zu machen, ob sich das verkaufen würde, und das finde ich sehr schwierig.” Denn Musik ist immer wieder dieses Mehr, das man nicht gezielt erreichen will, sondern irgendwie auch erfahren muss.

An diesem Punkt ist Sebo K jetzt. Und damit hat er endlich auch den verdienten Einfluss auf die gesamte Bewegung der elektronischen Musik. Bis hin zu seiner letzten EP “Horizons” sind Sebo-K-Platten eine Geschichte der Auseinandersetzung mit Musik, die trotz aller Umwege zu einem Moment gefunden hat, an der sich dieses Mehr von Musik so klar zeigt, dass man sich von ihm mitreißen lässt und alles offen zu sein scheint, obwohl man seine Identität gefunden hat. Vielleicht sollte man sagen, sie hat ihn gefunden.

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Elektronische Lebensaspekte.