Text: Anton Waldt aus De:Bug 73

Moderne Kinder haben es besser: “Tanzt das Brot. Wir sitzen doch alle im selben Boot. Die Arme zu kurz, das Lied beknackt. Ein Elend im Viervierteltakt.” Wer solchermaßen von einem deprimierten Kastenbrot auf dem Kinderkanal erzogen wird, dem bleiben später auch emotionale Enttäuschungen und kostspielige Fettabsaugungen erspart. Und Bernd das Brot ist ja nicht das einzige eckige Rolemodel mit Loserfokus: Bob der Schwamm, an dieser Stelle schon heftig ans Herz gelegt, macht jetzt sogar Karriere und darf von SuperRTL nachmittags aufs echte RTL spät nachts wechseln. Offiziell geschieht dies, weil das Marketing angeblich entdeckt hat, dass der Krabben-Burger-bratende Schwammkopf bei Schwulen “Kult” sei, aber wir alle wissen, dass er nur das Terrain bereiten soll, damit das Geschrei ausbleibt, wenn Bernd das Brot im Herbst endlich Ulrich “Abiturienten-besaufen-sich-mit-Wein” Wickert als Tagesthemen-Anchorman ersetzt. Moderne Kinder verstehen das auch ohne Marketingabteilungstricks, weil sie neben eckigen TV-Freunden auch ein lockeres Verhältnis zur angewandten Internet-Pädagogik pflegen. Minderjährige sind nämlich die einzigen, die Spam wirklich lesen. Und in spätestens zehn Jahren wird ”Marktschreier der Viagra- und Penispumpen-Branche” als Lehramtsstudium eingeführt. Moderne Menschen im abgabenfähigen Alter haben es allerdings schlechter: Von unauffälligen Nischen im benachbarten Ausland aus betrachtet, scheint das deutsche Gemüt schlicht an einer leichten Überhitzung durch Wetterkapriolen und Selbstmitleid zu leiden. Begibt man sich allerdings auf eine gründliche Inspektionsreise, kommt man nicht umhin, massenhaft klinische Angstzustände zu diagnostizieren. Manch wackerer Räuber verzweifelte schon, weil sein fröhliches “Alle auf den Boden, das ist ein Überfall!” nicht einen müden Rülpser provozierte, da sich Belegschaft und Kunden ohnehin bis aufs Leibchen ausgeraubt fühlen. Stellt man sich dagegen auf den Alex und schreit “Rasenmäherprinzip!”, ist eine solide Massenhysterie garantiert. Hielt man sich schließlich Anfang Juni in der Hauptstadt auf, wurde das ganze Ausmaß der seelischen Verwüstung in einer traditionell-esoterischen Spielart zur unübersehbaren Gewissheit. Die Betroffenen markierten sich mit gelben (!) Stofffetzen (!) und richteten ihre manische Energie auf den gemeinsamen Verzehr von Mehl, der als Tabubruch im selbst geschaffenen Wahn als bester Spaß des Jahrzehnts gilt. Die echten Reformer hatten da keine Chance: Zehn noch so entschlossene Jesus-Skins schaffen es schon rein logistisch nicht, 200.000 Feuchtbrote aus den Sandalen zu kloppen. Angesichts dieser Szenarien ist es kein Wunder, dass Einheimische schon beim Chillen am Griller viel E essen müssen und bestimmt kommt auch der indische Skorpion-Trend bald an Berliner Ausfallstraßen an. Ein halluzinogener Stich ist erstens schön billig und zwotens und am wichtigsten: Für Skorpione gibt es im Gegensatz zu Zigaretten noch keine Pfandpflicht. Für ein besseres Morgen: Finger weg vom Debug-Aschenbecher, immer schön aufs Brot hören, Spamfilter ausschalten und Lines nach dem Rasenmäherprinzip anordnen.

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Elektronische Lebensaspekte.