Text: Anton Waldt aus De:Bug 75

Thor sei Dank können wir im heimeligen Nieselregen wieder an einemBruttosozialprodukt arbeiten, das einer gemäßigten Klimazone würdig ist,und prompt sinkt die Laune und findet mit Florida-Rolf auch zielgerichtet einen undankbaren Abnehmer, der den falschen Leuten jede Menge Gelegenheit gibt, über “Anstand” zu schwadronieren. Dieser fehlt allerdings tatsächlich allenthalben, aber dummerweise ist die Einforderung unter den gegenwärtigen Definitionsverhältnissen schier unmöglich, wofür man sich wiederum herzlich bei allen bedanken darf, die “konservativ” mit Schmissen versehen, statt den Begriff endlich den Nachhängern der fetten Jahre der heimischen Demokratie zu überlassen. Eine saubere Perspektive bietet in diesemSchlamassel zum Glück die treue Wissenschaft, die uns letztens nochmal persönlich versicherte, dass das Universum direkt nach Urknall wirklich ganz und gar staubfrei war, was mal eine wirklich nette Vorstellung ist. Und heute klingt “die Sphärenmusik” eines Schwarzen Lochs wie die Note “b”, bloß lockere “eine Million Mal tiefer als das Limit des menschlichen Gehörs”, weshalb wir zukünftig mindestens braune Zwerge als Basssystem verlangen, damit es im Magen noch besser vibriert, weil viel Zeit haben wir ja nicht mehr: Unsere Sonne brennt schon 4,6 Milliarden Jahre, versichern die braven Weißkittel des weiteren und daher hält sie nur noch 5,4 Milliarden schlappe Jahre durch, was auch bedeutet, dass die Mär vom sorgsamen Umgang “für unsere Kinder” geschenkt ist, weil die Erde eben kein Badezimmer ist, das man wiederum wirklich ordentlich hinterlassen sollte.”Nachhaltigkeit” wird ja sogar an der Börse inzwischen nicht mehr als Mülltrennung buchstabiert, dafür gibt es empfehlenswerte Laster-Fonds, die in Papiere von Tabak-, Alkohol- und Waffenproduzenten oder Kasinos investieren, weil hier in den letzten Jahren 15 Prozent mehr zu holen war als im Durchschnitt. Noch mehr Rendite gibt es nur außerhalb der regulären Handelsplätze, obwohl die Verbreitung des Kokainkonsums in Deutschland nach Einschätzung der “Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen” [DHS] in der öffentlichen Wahrnehmung überbewertet wird. “Hauptstelle” tönt in der Tat mächtig nach schwarzen Uniformen und wurde auch prompt bereits 1947 mittels Pervitin-Restbeständen gegründet, also zwei Jahre bevor die BRD eineVerfassung auf Kaffee-Basis zustande brachte. In Bagdad läuft der Hase dieser Tage offensichtlich ähnlich, wenn auch in die andere Richtung: Downer wie Parkizol und Rohypnol sind mächtig angesagt, für schlappe 15 Cent zu haben und mit pittoresken Namen wie “Abu Tschub” oder “Abu Salib” verziert. Die salafistische Gruppe für Erwachsenenunterhaltung und Hemmungslosigkeit veranstaltet inzwischen sogar Bustouren, die von fast allen gutsortieren deutschen Hauptbahnhöfen einmal die Woche in das Land ohne Hauptstelle starten. Da sag einer, die Deutschen würden sich drücken, alleine das Mohnbrötchen-Verbot in heimischen Knästen treibt jeden Tag hunderte Aufbauhelfer ins Zweistromland. Für ein besseres Morgen: Staubsaugen nicht unterschätzen, Nebenstellen aufsuchen, nachhaltig investieren und den Bass genießen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.


Text: Anton Waldt aus De:Bug 68

A BETTER TOMOROW

Eine winterliche Inspektionsreise durch Deutschland hat ergeben: Die geklonten Bedenkenträger sind schon mitten unter uns und haben begonnen, die Achse des Schimmels und des Dosenpfands auf sämtliche Lebensbereiche auszubauen, um soziale Systeme auszuhölen und das Land so ökonomisch zu ruinieren, um damit den europäischen Widerstand gegen einen zweiten Golfkrieg zu untergraben. Die Geklonten kann man allerdings echt leicht erkennen: “Meine Arbeit für die Barmer-Ersatz-Kasse ist mein Leben, aber Bergabwärtsingen ist meine Leidenschaft”, erzählen sie jedem ungefragt, der das zweifelhafte Vergnügen hat, während einer Reise mit unserer eigentlich vorbildlichen Eisenbahngesellschaft ein Abteil mit ihnen teilen zu müssen. Zum Glück muss auch immer irgendein menschlicher Schlaumeier im Abteil gerade onanieren. Und so kann man sich auch leicht mit dem Hinweis auf dringend benötigte Tempos und andere Unterleibs-Rambazamba-Zutaten (c by Goldt) am Klo aus der Affaire ziehen. Nachher kann man dann das inzwischen als Gebrechen anerkannte Touristenklasse-Syndrom bei den eigentlich vorbildlichen Angestellten unserer Eisenbahngesellschaft geltend machen und so einen Gutschein für einen ICE-Zuschlag oder eine denkwürdige Nacht im Intercity-Hotel abgreifen. Auf jeden Fall die bessere Alternative zum “Pfand-Token” von Kaisers, das zwar so heißt, aber keineswegs aus Alu gefertigt ist und sich somit nicht zum Einsatz im Waschsalon eignet, sondern nur blöd neben den Taxi-Quittungen in der Brieftasche von der Tante, die man ja, seit man 30 ist, auch manchmal benutzt, auf der Kommode vergammelt.

Frührenter müssen mehr Einsicht zeigen
Zum Jahresanfang wurde die herrschende Ordnung allerdings nachhaltig beschädigt: Das Gästelistensystem, das mehr als ein Jahrzehnt lang zuverlässig funktioniert hatte, wurde durch Kälte, Ignoranz und ein geplantes Eishockeysstadion außer Kraft gesetzt. Da standen die abgehalfterten Protagonisten einer untergegangenen Epoche, teilten sich die letzten Zigaretten ohne jeden Zusatzstoff und ließen die Furcht vor Krieg, Armut und Nanomaschinen, die uns alle zu grauem Matsch verabeiten werden, gründlich die Oberhand gewinnen. Glücklicherweise kam kein Klon-Schwein vorbei, weil die ja frühmorgens alle noch zum Schein ihre Nutella-Brötchen schmieren. Aus malmenden Hirnen strömte die Angst vor den kleinen, fiesen Gefahren, die auf uns zu kommen: Die eigenen Genitalien in der Bratpfanne, embryonale Stammzellen, Nano-Monster-Roboter, Killer-Bakterien und Georges Bushs Gehirn. “Dem Fischer seins muss aber auch geschrumpft sein”, warf ein Oberschlauer gerade in die eiskalte Runde, als eine Horde billiger, wenigstens medial geklonter Raver die alten Säcke entdeckte und den Generationskonflikt mit Eisenstangen ein für alle mal beendete. Für ein besseres Morgen: Den Kühlschrank regelmäßig auf Herrenrassenbakterien kontrollieren, mal wieder Es zu Abend essen, keine Angst vor dem Dasein als Matsch haben und im TV-Flimmerlicht die Peace-Button-Herstellung zum Nebenerwerb entwickeln.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.


Text: Anton Waldt aus De:Bug 67

A BETTER TOMOROW

Sechs Milliarden Menschen haben ein weiteres Jahr absolviert. Nicht unbedingt mit viel Anstand oder Würde, aber, immerhin, irgendwie haben die meisten die Zeit rumgekriegt. Russischrouletting und Kettensägenmassacking zeichnen sich als die kommenden Trendsportarten ab, dem medizinischen Fortschritt sei Dank, bald auch als Breitensport. Und unsere Freunde die Roboter haben 2002 endlich gelernt, wie man einen vernünftigen Drink mixt und serviert und Tattoos entwirft und sticht. Als Tiefpunkt der aufgeklärten mitteleuropäischen Kultur dürfte unterdessen der “Weihnachtssack” Geschichte schreiben, der “Verpackungsmüllberge” vermeiden soll und nebenbei einer ganzen Generation die einzige positive Erinnerung an den neurotischen Jahreshöhepunkt vermiesen wird: “Süß! wie der kleine Klaus die ganzen ‘Weihnachtssäcke’ aufgerissen hat!” Kein Wunder, dass der Kontinent zuvorderst durch übertriebenes Selbstmitleid auffällt, obwohl die Tatsachen! Tatsachen! Tatsachen! hier eigentlich noch butterig abgefedert daherkommen.

Macht kaputt, was ihr nicht versteht
Für Europas zu groß geratenen Bastard scheint unterdessen endgültig das Freihandelsmittelalter nach Wikingerart angebrochen zu sein, wobei der einzige Lichtblick der 21. Geburtstag der Bush-Zwillinge ist. Dass sich Babsi und Jenna jetzt legal betrinken, wiegt allerdings kaum die Entwicklung von bunkerbrechenden Atomwaffen auf, die jetzt wild entschlossen und mit 15,5 Millionen USD vorangetrieben wird. Ganz zu schweigen vom “Ministerium für Heimatschutz”, das mit 37 Milliarden USD Jahresbudget fast genau so viel Geld für “Sicherheit” ausgibt wie die das Pentagon. Oder das “Information Awareness Office”, dessen Ziel nichts weniger als die Komplettüberwachung des Internets ist und das von Admiral John M. Poindexter geleitet wird, der bisher vor allem als Hauptorganisator der Terrortruppe “Contras” in Nicaragua aufgefallen ist. Oder dass 87 Prozent aller US-Bürger im Alter von 18 bis 24 den Irak auf der Weltkarte nicht finden können und immerhin elf Prozent nicht einmal die USA.

Bärchensex und Herrenrassenbakterien
Nun sagen die ganz Schlauen schon seit Jahren, dass die Chinesen nicht nur mehr sind, sondern demnächst auch den globalen Hausmeisterjob übernehmen. Neben empfindlichen Haftstrafen für Internet-Surfer und der höchsten Selbstmordrate der Welt kommen die Hoffnungsträger aber einfach auch noch nicht mit: Nachdem Experimente mit Viagra und dem so genannten “Panda-Porno” zur Verbesserung der Geburtenrate der lendenlahmen Tiere gescheitert sind, soll jetzt eine Datenbank mit den sexuellen Vorlieben die Maskottchen am Aussterben hindern. Das ist allerdings einfach nur niedlich, wenn Frankenstein Craig Venter sich gleichzeitig anschickt, zum ersten mal eine gänzlich neuen Lebensform zu züchten. Der angepeilte einzellige Organismus mit einer minimalen Genanzahl zum Überleben muss dabei wohl auch als globales Propagandaprojekt für ein Leben in zufriedener und selbstgenügsamer Debilität verstanden werden.
Für ein besseres Morgen: Den Kühlschrank regelmäßig auf Herrenrassenbakterien kontrollieren, Videotheken durch Roboter-Tattoo-Studios ersetzen, in denen jeder eine Weltkarte auf den Bauch gestochen bekommt, und Schnaps immer in viel Seidenpapier einwickeln.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.