Wie gut kann es einer Stadt gehen, die ihre eigene Underground-Musik "Gutter" nennt? Spank Rock arbeiten dagegen, mit dickem Album und tiefen Bässen. Jede Menge Rap hat die Band sowieso.
Text: Johanna Grabsch aus De:Bug 101

“In the town where i was born, lived a man who was an mc
he lived near north at the end of longwood that´s kind of a ghetto – maybe type of street.
he met two boys who lived in roller park right around our ooold prep school.
we all live in a baltimore city, baltimore city … and ron´s from glenbury … welcome to spank rock.“

Vier Jungs auf dem Weg ins unbekannte Land der gelobten Beats:
“Wir sind die Boyband des Rap“, verlautet Alex Epson aka Xxxchange nach der gesungen vorgetragenen Bandgeschichte.

Alex, der nach diversen Erfahrungen in anderen Bands und deren Hang zu Plenumsdiskussionen “endlich Captain Kirk sein wollte” und jetzt bei Spank Rock Enterprises die Controller alleine in die Hand nehmen darf, ist Kopf und Produzent des Projekts. Ronald Rubarth, neuestes Mitglied des losen Männerbundes, der vorher zwischen Duo, Trio und vielköpfigem Ensemble hin und her schwankte, macht das Quartett komplett und zusammen mit Chris Rockswell die DJ-Performance der Liveshows zu einem Erlebnis. Aus Ronald ist nichts rauszukriegen: Seine geschlossenen Augen und sein weit geöffneter Mund produzieren laut schnarchende Geräusche.
Dann ist da Chris Devlin aka Rockswell, DJ Nummer zwei, Vorträger des Eingangssongs und langjähriges Mitglied des Spank-Rock-Clans. Er ist der Schüchterne, der meinen Notizblock mit niedlichen Tags vollkritzelt, während die übrigen beiden technische Fragen beantworten.
Kritisch beäugt wird das Szenario allein von Naeem Juwan aka MC Spankrock, für viele die Inkarnation des Starnerds aus der Serie “Alle unter einem Dach“. Er liegt in einer persönlichen Grace-Jones-Inszenierung auf dem Diwan ausgestreckt und lässt erstmal die anderen sprechen, bevor er, seinem Vorbild Prince Rechnung tragend, seinen Kopf samt nasaler Stimme erhebt.

Big Dada bekamen Spank Rocks Demo von Naeems langjährigem Freund und M.I.A.-Coproducer Diplo zugesteckt und preisen nun das ganz große Ding. Spank Rock rasen als Nerdvariante von 2 Life Crew auf skurrilen Wegen zwischen Dizzee Rascal, David Bowie und Def Jux hin und her. Unentschlossen, welche Richtung sie einschlagen sollen, wird gesampelt, was ihnen unter die Finger kommt, egal ob Mutters Plattenkiste oder Diplos neuestes Fundstück aus den Favelas von Rio.
Heraus kommt eine Art Glamrock-B-Boying, natürlich auch weil Naeem sich alle Pussies der Welt zwischen die Finger rappt, dabei Sex als einziges Thema des Mainstreams ironisiert und sich gleichzeitig in edukativer Großmäuligkeit beweist. Mit der Brille und diesen Bewegungen nehmen wir ihm das auch ab.

Billig in Baltimore

Mit ihrem neuen Sound bringen Spank Rock ein neues Kapitel amerikanischen Hiphops nach Europa. Baltimore-Gutter oder auch -Club-Music, hierzulande nur durch die Hollertronix-Compilation von Low Budget und Aaron La Crate dem spezialisierten Publikum ein Begriff, hat in seinem Heimatland eigene Stars wie DJ Technique, K Swift oder Rod Lee, deren Namen diesseits des Ozeans noch keine Spuren hinterlassen haben. Den marylandschen Hybrid aus Miami Bass, Favela Funk, cheesy Samples und dreckigen Lyrics erklärt Naeem so: “Wie alle elektronische Musik ist es erst mal Ghettomusik, Baltimore ist eine der ärmsten Städte Amerikas. Hier entsteht eine Art ‘homegrown’ Musik, so wie in Chicago oder Detroit House, in Miami Bass oder Baile Funk in den Favelas Brasiliens. Der Sound ist beschissen und meistens auch die Möglichkeiten an Equipment ranzukommen. Also nimmt man, was man hat, eine MPC und sampelt damit die Lynn-Collins-Platten seiner Mutter.“
Xxxchange nickt: “Ja, es ist MPC-Musik, ein paar Samples werden dreimal durch Effekte geschliffen und dann wird darüber gerappt, darauf ein schneller, energetischer stolpernder Beat und fertig ist der Club-Track.“

Einen Unterschied gibt es aber doch. Die ungehemmte Samplementalität vereint die vier zwar mit ihrer Stadt, bei Spank Rock wird aber ordentlich produziert, gefrickelt, geloopt und auch mal echte Instrumente eingespielt. Keiner macht sich Sorgen, wie man ihren Sound verkaufen kann, die Devise ist, alles nicht so ernst zu nehmen. Eines haben jedoch alle Spank-Rock-Tracks gemeinsam: die bösen Subbässe, die Xxxchange mit tieffrequentem Testton generiert, der dann von der Kickdrum getriggert wird. Kein Wunder, der Booty shaked so auch schon von ganz alleine, damit schafft es auch ein Hinterhof-Girl (backyard betty) zum “ass shaking competition champ“.

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Elektronische Lebensaspekte.