Text: benjamin weiss aus De:Bug 04

Benjamin Weiss
nerk@buzz.de
SFX Machine
Das hier ist für (und die) Premiere. Das erste Plug, was ich hier teste, das kein VST Plug ist, ja, schon gut, ich werde mich bessern und demnächst mehr Plugs anderer Host-Applications vorstellen, obwohl es da leider nicht so oft gute und neue gibt, abgesehen von der TDM Plattform, aber wer hat schon ein TDM System?
SFX Machine hat mich deswegen gereizt, weil man nicht nur einen Effekt mit bestenfalls zehn frei einstellbaren Parametern , sondern eine Fülle von Presets für Effekte bekommt (deren Funktionsweise in einer Infoleiste kurz erklärt wird) und sich im Edit-Window selbst die obskursten Effekte zusammenbasteln kann, die aus bis zu acht verschiedenen Modulen bestehen können. So wie bei diesen nifteligen Schülerexperimentierkästen, nur daß die Anzahl der Experimente nicht beschränkt und deren Durchführung nicht vorgeschrieben ist.
Aber von vorne: SFX Machine ist ein Plug für Host-Applications der Premiereplattform wie etwa Deck und Deck II, Premiere, Peak, Vision und Studio Vision Pro, Systemvorraussetzung ist ein Power Mac und ein kleines bißchen RAM, hier können, je nach Host-Application, sogar 16 MB ausreichen. Nach dem Öffnen tut sich erstmal eine kleine dreiteilige Offenbarung auf: Im linken Frame hat man die Auswahl von sage und schreibe 21 verschiedenen Kategorien (von Standards wie Chorus, Delay und Flanger über FM-Synthese und Modular Synth bis zu Weird und Misc.), die beim Anklicken ihr meist reichhaltiges Angebot an Presets im danebenliegenden Fenster preisgeben. Im dritten Frame schließlich erscheinen dann die Slider für die wichtigsten Parameter des Effekts, deren Werte auch per Doppelklick direkt eingegeben werden können, darunter eine kurze Beschreibung des jeweiligen Effekts. Per Preview kann man sich sämtliche Effekte vor dem Draufrechnen anhören, die Kategorie und das Preset wechseln und an den Slidern rumschieben, was ich nach ca. drei Stunden eher aus Zeitmangel als aus freiem Willen beendete, denn obwohl nicht alle der über 200 Presets überzeugen sind die meisten ziemlich gut, vor allem ist die Bandbreite sehr groß, dabei sind extreme Noiseterroreffekte, Plattengeräusche von Schellackplatten, Delays, Flanger, Tremolos, Blubbereffekte, Wah-Wahs, Rewind- und Zerstückelungseffekte, Filter und alle nur denkbaren Kombinationen daraus, wobei die Soundqualität durch die Bank weg sehr gut ist. Das allein würde SFX Machine zu einem ziemlich umfangreichen Tool machen, als kleine Beigabe gibts in den Presets noch die Utilities, mit denen man das zu bearbeitende Soundmaterial auf rechts/links Differenz oder Phasenlage untersuchen, die Kanäle vertauschen, die Phase invertieren und ähnlich nützliche Dinge tun kann.
Aber jetzt wird es eigentlich erst interessant, denn wir kommen zum Edit Window, in dem man selbst neue Effekte zusammenfrickeln oder alte modifizieren kann, maximal aus 8 stereofähigen Modulen, die man auf verschiedene Weise untereinander verschalten kann.
Zuoberst gibt man die Source an, aus der das Modul sein Eingangssignal bekommt. Neben den vier Möglichkeiten, das Audiomaterial abzugreifen (Left In, Right In, Left & Right In, Stereo In), gibt es noch sechs verschiedene Wellenformen zur Auswahl (Sine, Triangle, Square, Saw, Noise und Sine LFO), deren Frequenz sich wahlweise harmonisch oder auch direkt in Hertz einstellen läßt. Per Process Pop-Up Menü wird dann einer der elf vorhandenen DSP Funktionen ausgewählt (Envelope Follower, Pitch Track, Quantize Frequency, DC Offset, Phase Shape, Raise To Power, Delay, Sample/Hold, Lowpass, Highpass und Bandpass). Je nach Art der DSP Funktion poppen noch bis zu 2 weitere Einstellfelder für die wichtigsten Parameter der jeweiligen Funktion auf. Schließlich gibt es noch zwei frei wählbare Modulationseinstellungen, wobei man die Qual der Wahl von dreizehn verschiedenen Modulationsarten hat (die letzte Aufzählung, versprochen: Amplifier, Ring, Mix, Pan, Frequency, Delay, Sample/Hold, Phase, Power, Filter Frequency, Filter Q, Modulation A und Modulation B). Für jeden Modulator lassen sich noch das Ziel, also eines der Module und der Grad der Verstärkung in Prozent definieren .
Dieses Übermaß an Möglichkeiten verdeutlicht schnell die Unbegrenztheit der SFX Machine; in Sekundenschnelle wird einem klar, wie eingeschränkt und unbeholfen im Vergleich dazu Programme wie TurboSynth sind. Sämtliche Effekte und Einstellungen sind abspeicherbar, was sich empfiehlt, ich zum Beispiel war nah am Nervenzusammenbruch als sich nach zwei Stunden Bastelei an einem Effekt mein Rechner aus einer Laune heraus spontan mal eben aufhängte. SFX Machine ist nicht einfach nur noch ein Plug, das sinnlos Speicherplatz wegzieht und doch nur selten und sehr spezifisch zu gebrauchen ist, sondern ein prima Multiplug, mit
dem alle gängigen Effekte zu erstellen sind, darüber hinaus aber vor allem auch die, an die bisher noch keiner einen Gedanken verschwendet hat. Spannend, nützlich und im wahrsten Sinne des Wortes preiswert. Demo auf dem Netz, siehe unten.

Info: http://www.bias-inc.com

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Elektronische Lebensaspekte.