Sam Shackleton betreibt mit seinen perkussiv wummernden Dubstep-Tracks bassverliebte Tiefenforschung. Und statt des Rülpsens der Apokalypse stehen ein libanesischer Akkordeon-Spieler und ein türkischer Saz-Maestro bei seinem Sound Pate.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 107

Dubstep

Meditate on Bassweight
Shackleton

Wie Schlangen winden sich die orientalisch anmutenden Percussion-Sounds um dicke Sub-Bass-Wellen und tauchen den Track in einen latent schizoiden Zustand zwischen physisch erfahrbarer Bassgewalt und hypnotisch leichtfüßigem Driften. Man wird zu Boden gedrückt und befindet sich gleichzeitig in einem Schwebezustand. Wenn Sam Shackleton als Shackleton seine Dubstep-Attacken auf einen niederprasseln lässt, ist er weniger den Rave-Signalen und der basssatt paranoiden Darkness, die man in vielen anderen Dubstep-Tracks hören kann, verpflichtet, sondern einem fast schon tribaligem, auf die Percussions fokussierten Sound. ”Meine Hauptinspirationen sind Erkan Ogur, der unglaublich gute türkische Saz-Maestro, Ziad Rahbani, ein libanesischer Akkordeon-Spieler und Band-Leader, und Fatale, westafrikanische Percussionisten. Diese Einflüsse wird man bei mir immer raushören. Und natürlich Dub Reggae. Ich liebe einfach den ‘puren’ Basssound. Ach ja, und Chronomad. Er hat im letzten Jahr ein brillantes Album veröffentlicht und ich kann nur hoffen, dass ich irgendwann einmal etwas Ähnliches schaffe“, erzählt Sam Shackleton im Email-Interview.

Aufgewachsen in einer kleinen Stadt im Nordwesten Englands, war ihm früh klar, dass Musik einen besonderen Stellenwert in seinem Leben einnehmen würde. Während ihn seine Eltern mit einem pädagogisch wertvollen Mix aus Bob Dylan und anderen Singer-Songwriter-Sachen seine ersten musikalischen Fixpunkte verpassten, wandte er sich als Teenager irgendwann rockigeren Gefilden zu. Neben den zu der Zeit in England für eine ordentliche Musik-Sozialisation wohl unvermeintlichen The Smiths waren es vor allem die brachialen Alben von Big Black und Godflesh, die ihn faszinierten. Mit PiL erschien dann Dub auf seinem Radar und damit seine oben erwähnte Liebe zum ”puren Basssound“. Mit fünfzehn gründete er seine erste Punk-Band, danach versuchte er sich mit einem Freund als Evil Mastermind an Dancehall und einige Throbbing-Gristle-trifft-Black-Sabbath-Soundforschungen später kam dann irgendwann Dubstep.

Knallt’s?
Wenn es um Dubstep geht, kann man immer wieder lesen, dass dieser neue musikalische Bastard aus den Schlafzimmern vor allem britischer Bass-Fetischisten mit seinen Wurzeln aus Jungle und Garage Dub die bekifft metaphysische Erlösungs- und Erleuchtungsrhetorik ausgetrieben und sozusagen säkularisiert hätte. Darauf angesprochen gibt Sam zu bedenken, dass er sich noch vor einiger Zeit darüber gewundert hat, dass Dubstep-Parties vor allem von introvertierten Kopfnickern und Eckenstehern bevölkert waren und den Namen Party eigentlich nicht wirklich verdienten. ”Man sollte hier nicht generalisieren, das entfernt einen nur weiter von der Realität, weil man Dinge zu sehr vereinfacht. Ist Dub und Reggae immer die Suche nach spiritueller Erleuchtung? Immer mit Hang zum Metaphysischen? Für mich ist das auch sehr physische Musik.“

Bis auf seine erste 7″ auf Mordant Music sind bis jetzt alle seine Tracks auf dem Londoner Label Skull Disco erschienen. Ein Label, das nicht unbedingt zu den großen Playern im Dubstep-Universum zählt. Sams Anbindung an die Szene ist dann auch eine eher lose. ”Ich bin ziemlich eingebunden in meiner eigenen Welt“, beschreibt er diesen Zustand. Dass einer seiner Tracks auf einer Minimal-Techno-Mix-CD landete (auf Cassys ”Panoramabar“-Mix) hat ihn, dem dieses musikalische Genre komplett fremd ist, überrascht – aber auch gezeigt, dass es für seinen Sound mehr Anschlussmöglichkeiten gibt, als er selbst vermutet hätte.

In letzter Zeit hat er beim Produzieren die bei Dubstep üblichen 140 Beats pro Minute auf knapp 100-120 heruntergedrosselt und neue musikalische Wege ausprobiert. “Ich habe eine ganze Menge neuer Sachen fertig. Zum Beispiel eine Kollaboration mit Savage Republic, einer US-Punkband, und Tracks, die ich zusammen mit meinem ehemaligen Evil-Mastermind-Partner gemacht habe. Aber da die alle so viel langsamer sind, hab ich eigentlich gleich meinen Hauptmarkt von vornherein verloren, wenn ich sie veröffentlichen sollte. Eigentlich sollte ich einfach mehr Saz spielen. Aber ich ende immer im Studio und bastel an neuen Tracks. Ich habe auch die Idee zu einem Label, Imminent Apocalypse, aber da warte ich lieber darauf, dass mich dabei jemand finanziell unterstützt.”

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Elektronische Lebensaspekte.

One Response

  1. Hubert Jates

    Hallo,
    haben gestern,anläßlich des “Musik Marathons” in Eupen/Belgien,das Glück gehabt;Sam Shackleton
    in “Aktion” zu Sehen und zu Hören!Es hat uns sehr gefreut!Seine Art-Seine Musik ,hat uns sehr gefallen!
    Wir wünschen Ihm weiterhin viel Erfolg und viel gute Ideen damit er auch in derZukunft vielen Menschen
    Freude macht!
    Viel Erfolg und alles gute!
    Christel und Hubert JATES