Spästestens seit "24 Hour Party People" ist das Phänomen Manchester wieder in aller Munde. James Nice, Gründer von Les Temps Modernes und Les Discques du Crepescule, hat die Helden von damals vor die Linse bekommen und so etwas wie das dokumentarisch trockene Gegenstück zum Rave-Film abgeliefert. Jetzt auf DVD.
Text: René Margraff aus De:Bug 106

DVD

Shadowplayers
Manchesters Helden auf DVD

Auf LTM (ursprünglich Les Temps Modernes) ist soeben “Shadowplayers“, eine DVD mit dem Untertitel “Factory Records & Manchester Post-Punk 1978-81“ erschienen. Nachdem James Nice sich mit seinem Label in den 90ern einen Break gönnte, um als Anwalt dann doch nicht so richtig Spaß zu haben, entschloss er sich schließlich 1997 dazu, sein Label wieder zu beleben. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass der gesamte Backkatalog der frühen Factory-Bands wie Section 25, Crispy Ambulance oder unzählige Nebenprojekte von New Order nun zugänglich sind. Im letzten Jahr gab es zudem auch DVD-Projekte, etwa “Umbrellas in the sun“, die neben einem gleichnamigen Videotape, das 1981 auf Les Disques du Crepuscule erschienen ist, auch rare Videoclips von verschiedenen Factory-Videos zusammenfasst.

Etwas trockener und weniger bebildert ist die neue DVD “Shadowplayers“, die laut James Nice ein wenig wie ein Gegenmittel zu Michael Winterbottoms Spielfilm “24 hour party people“ funktionieren soll. Dieser ließ sich wohl laut Aussage derer, die dabei waren, das eine oder andere Mal bei seiner filmischen Annäherung an das Thema Factory und Hacienda doch etwas zu sehr dazu verlocken, Übertreibung als Stilmittel zu benutzen. James Nice umgeht dieses Problem, denn bei “Shadowplayers“ kommen ausschließlich die Menschen zu Wort, die tatsächlich Teil dieser Geschichte sind. Neben dem Factory-Records-Gründer Anthony H. Wilson und dem Designer Peter Saville sind dies vor allem Musiker wie Peter Hook (New Order), Larry & Vincent Cassidy (Section 25) und Howard Devoto (Buzzcocks, Magazine), aber auch Graham “808 State“ Massey und die wieder zusammengefundenen A Certain Ratio erzählen die eine oder andere Anekdote. Und all dies geschieht in dokumentarischer Nüchternheit: Über 30 Interviews führte James Nice und besuchte hierfür alle in ihrem Wohnzimmer, der Küche oder im Garten. Der angenehme Plauderton und die Ästhetik des First Take verleihen dem Film Authentizität, auf Musik und Archivbilder wurde weitestgehend verzichtet. Trotzdem hat man selten das Gefühl, einem Märchenonkel zuzuhören, wenngleich es verwunderlich ist, zu sehen, dass der coole Rocker Peter Hook afrikanische Masken an seiner Wand hängen hat. “Shadowplayers“ als eine Art filmische Anekdotensammlung zu sehen ist leicht, denn die über zwei Stunden Spielzeit sind in neunzehn thematische Kapitel eingeteilt. Unter anderem wird hierbei klar, wie OMD zu einer 7“ auf Factory kamen; Vini Reilly und A Certain Ratio berichten, wie sie mit Martin Hannett im Studio “zusammenarbeiteten“ und warum es in den 80er Jahren dann schließlich alles etwas fade wurde. Natürlich ist auch ein Kapitel dem Tod von Ian Curtis und der Neuerfindung Joy Divisions als New Order gewidmet, dies ist allerdings nicht der Mittelpunkt des Films. Das machen dann wohl lieber andere, als Nächster vermutlich Anton Corbijn mit seinem Film “Control“ im nächsten Jahr.

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Elektronische Lebensaspekte.