Was sagen die Diskussionsforen über Filesharing, und wie organisiert sich eine Info-Struktur rings um die neusten Ideen und Vernetzungsmöglichkeiten rings um die heilige Kuh der Open Source Gemeinde? Unser Blogforumcounterinfo-Ethnologe Nico Haupt weiss es, wer sonst. Und ein bisschen Ethik springt auch noch dabei ab.
Text: Nico Haupt aus De:Bug 61

Filesharing

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Filesharing bekommt Portal-Qualität

Täglich passiert was neues. Wie da mitkommen? Um sich auf dem Laufenden zu halten, was in der bitschnellen Filesharing-Welt so passiert, haben sich zahlreiche Portale entwickelt. Etwa Swaptor, Slashdot oder Entwickler-Boards wie Sourceforge. Oder etwa Zeropaid, das hier stellvertretend vorgestellt wird.

Das Filesharing-Portal Zeropaid

http://www.zeropaid.com ist ein Filesharing-Portal, auf dem sich die Open Source-Anbieter durch aktuelle Ratings der Besucher bewerten lassen. Außerdem findet man dort News, Tools und natürlich Diskussionen. Säuberlich werden MacOs, Linux oder Windows-Programme aufgelistet: KazaA, neulich noch geschickt einer Klage der RIAA ausgewichen, ist dort ebenso vertreten wie etliche Klassiker und Newcomer: Sputnix (MacOS), eDonkey2000 (alle Plattformen), Blubster, WinMX, GnuCleus, XoloX, URLBlaze, BearShare, AudioGalaxy, Grokster, Songspy, FileTopia, LimeWire, DirectConnect, audioGnome, Morpheus, Napigator (der immer noch den Napster-Browser benutzen kann), Phex, NapMX, IMesh, den Porn-Amateur-Sharer Sexster (Privates on demand!) und etliche Dutzende mehr.
Natürlich versorgt das Filesharing-Portal seine Mitglieder auch mit der neuesten Shareware: So ist die aktuellste Anti-Spyware “AdAware” vertreten, es gibt die wichtigsten MP3-Player wie WinAmp oder CD-Ripper wie MusicMatch und FreeRip.

Alle Tricks zum Brennen

Wichtig für CD-Duplikatoren ist nach wie vor, später der so genannten Snifferware auszuweichen und etliche “illegale” Tricks draufzuhaben, die einen jetzt schon auf die kommenden Technologiebeschränkungen des Kopierenens vorbereiten, wie z.B Sonys Hybrid-SACD-Player, die noch erfolglose DRM-Technologie. Oder die jüngst angekündigte Key2Audio-Player-Generation, die den Computer mit Bogus-Daten versorgen. Dagegen hilft etwa Moodlogic. Moodlogic ist ein sehr “offenes” CD-Brennerprogramm, dass einige Kopierschutzmassnahmen auf CDS umgeht. Ebenfalls zieht immer noch der altbekannte Trick, die Außenrille der CD mit einem schwarzen Textmarker zu bemalen. Dies ist jedoch definitiv nach dem DMA (Digital Millennium Act) strafbar, aber seit dem US Anti-Terror-Gesetz PATRIOT ist ja sowieso jeder MP3-Besitzer juristisch zum “Terroristen” geworden.

Die Ethik des Downloadens

Was die Ethik des Downloadens betrifft, da scheiden sich weiterhin die Geister. Den jungen, unbekannten Musikern wurde schon lange pragmatisch empfohlen, kostenlose Tracks anzubieten, von der “Kommerzmusik” loszulassen oder den “korrupten” Majors und GEMA, RIAA und Co. auszuweichen. Dagegen sei Merchandising und das altbekannte “Herumtingeln” ratsam. Also wird man bestenfalls zum Elektronik-DJ mit eigenem Equipment (oder heißt gleich Richie Hawtin und mixt MP3s mit dem Vinyladapter “Final Scratch”) Wer immer noch glaubt, nur mit Musik alleine Geld verdienen zu können, kann nicht mehr von dieser Welt sein.
Auch Firmen holen sich eher die Einnahmen von Werbungs-Lizenzen, Soundtracks oder auch von SMS-Klingelmelodien, die meist aber nach wenigen Minuten ebenfalls im Netz sind. Ob diese “zusätzlichen” Einnahmen auch die Musiker selbst erhalten, ist fraglich. Noch immer lästert die Share-Gemeinde über Micropayments (MojoNation), eine Methode, die allerdings für faule und anspruchslose Musikkunden realistisch erscheint.

Zukünftige Entwicklungen

Zurück zu Zeropaid: Vom Filesharing-Portal aus wird natürlich auch zu anderen Interviews und News gelinkt: Koji Hase, der “Vater” der DVD, sinnierte jüngst über die Rivalen DVD-A (Toshiba) und SACD (Sony) oder die Zukunft von DVD-RAM und Co: PC, TV, Playstation und Setbox werden weiter verschmelzen. Zu den zukünftigen Technologien werden http://www.dataplay.com (500 MB) und der Pocket-Server von Toshiba (5 GB) gehören, die mit den Wireless-Technologien BlueTooth, Cellphones und Digitalcams zusammenarbeiten und auch MPEG4 abspeichern können. In den Staaten schwört man unter der Hand auch auf gecrackte TivoHardware (personalisierte Videorecorder) und träumt von neuen, kristallklaren Displays wie Oled TV (www.tmdisplay.com ).

Die Filesharer grenzen sich derweil mit ihren verschiedenen “Personalities” von unterschiedlichen Plattformen und Formaten ab. Auf dem Web finden sich eher “alte Hasen”, während Kiddies nach wie vor auf IRC oder Messenger-Sharing schwören (z.B. MSN mit dem Enabler Kunami.com). Obercool ist es jedoch, etwa Shared Videos auf virtuelle FTP-Server auszulagern (Swapdrive etc.). Man kann ja schließlich nicht immer seine Festplatte aufräumen.

Zuletzt noch das utopischste Topic: Wireless-Sharing, schon jetzt zur Routine in den Staaten geworden, wird in Zukunft den Underground erneut anheizen, wenn das flexible IP-Routing-System Wi-Fi gehijackt werden kann. Ob dann endlich das Auto zum Ort der Dealer wird oder ein gecracktes Pay-Phone in dunklen Straßen, muss allerdings noch der Phantasie von Music-Scifi-Junkies überlassen werden.

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Elektronische Lebensaspekte.