Text: benjamin weiss aus De:Bug 28

Sidstation Sound-Chiprecycling at its best ACHTUNG, DIESE ÜBERSCHRIFT GILT FÜR SIDSTATION 1 + 2. DAS IS NE DOPPELSEITE. Die Sidstation ist wohl der erste Synthesizer, der aus einem immerhin schon siebzehn Jahre alten Soundchip, dem SID konstruiert wurde. In einem kleinen, mit knapp einem Kilo Gewicht extrem leichten Alugehäuse, einem alphanumerischen Display, vier Drehreglern und einem grossen Endlosdrehregler versprüht sie den Charme eines Requisits für eine 60er-Jahre Science Fiction Fernsehserie. Soundfeatures Die Sidstation hat drei Oszillatoren mit den Wellenformen Dreieck, Rechteck, Sägezahn, Rauschen und Mixed (eine Mischung zwischen Dreieck und Rechteck) und vier LFOs (wahlweise in den Formen Dreieck, Rechteck, Sägezahn, Ramp, Random und Flat, das den Maximalwert ausgibt) zur Modulation frei wählbarer Parameter, die LFOs können sich aber auch gegenseitig modulieren. Für die Oszillatorwellenformen Rechteck und Mixed gibt es zusätzlich noch Pulsweitenmodulation mit den Parametern Start (Anfangswert), Sync (Synchronisation zu Note On Befehlen) und Add (kontinuierliche Änderung des Anfangswertes. Mit ihren drei Oszillatoren bietet die Sidstation zwei Modi an: Poly und Single. Im Polymodus ist sie dreifach polyphon (= drei Töne können gleichzeitig gespielt werden), benutzt aber nur einen Oszillator. Der Single Modus kommt dafür mit drei Oszillatoren, die voneinander unabhängig gestimmt werden können, jeder ihren eigenen Filter haben und sich auch per Ringmodulation gegenseitig modulieren lassen oder zueinander synchronisiert werden können. Die Oszillatoren können per Delay untereinander im Timing verschoben werden, um Layersounds zu mehr Breite zu verhelfen. Für die Verstärkersektion der Oszillatoren kommt noch eine ADSR Sektion hinzu, ausserdem gibts noch die Parameter für Pitch (Pitchbendbereich, Detune, Transpose), Vibrato und Portamento. Auch der Arpeggiator funktioniert nur im Single Modus; im Gegensatz zu anderen Synthesizern kann er nicht in der Abspielrichtung verändert werden, allerdings können jedem Oszillator unterschiedliche Arpeggiogeschwindigkeiten zugewiesen werden, was zu ziemlich interessanten Ergebnissen führt. Darüberhinaus lässt sich der Arpeggiator auch zu Midiclock synchronisieren. Das wäre ja alles nichts neues und spezielles, aber klangerzeugungstechnisch hat die Sidstation durchaus noch etwas mehr zu bieten: die Wavetablesynthese. Mit Wavetablesynthese arbeiten heutzutage vor allem Waldorfsynthesizer und ich versteige mich jetzt mal trotz lückenhaften Wissens zu der These, dass der SID Chip einer der ersten wenn nicht der erste Chip überhaupt war, der sie benutzte. Wavetables sind eine Abfolge von Wellenformen und anderen Parametern, die beim Anspielen einer Note abgespielt werden. Ähnlich wie bei einem Sequenzer hat ein Wavetable Steps, die in ihrer Abfolge verändert werden können. So sind bei der Sidstation immerhin 32 solcher Steps möglich, die neben der Information über die Wellenform auch das Ein- und Ausschalten des Ringmodulators und Tonhöheninformationen beinhalten können. Darüber hinaus kann so ein Table auch synchronisiert und/oder geloopt werden. Um mit der Wavetablesynthese zurechtzukommen braucht es allerdings etwas Übung. Die Filter der Oszillatoren sind ziemlich Lo-Fi, erst wenn man alle drei zusammen benutzt, wird es interessant, deswegen ist der Audioeingang zwar ein netter Gimmick, aber nicht so das Killerfeature. Komplett alle Parameter lassen sich über Midicontroller ansteuern, was nicht unbedingt selbstverständlich und sehr erfreulich ist. Ansonsten können die Patches (=Sounds) auch per Sysex verschickt und eingeladen werden.Insgesamt 100 solcher Patches lassen sich abspeichern. Spiel mir das Lied vom C64 Auch an das Abspielen von SID-Files über die Sidstation wurde gedacht: mit dem ASID-Player von der Sidstation Website können solche Files von der Sidstation abgespielt werden, da sich die Leute von Elektron allerdings mangels Erfahrung noch nicht an die Mac Version rangetraut haben, gibt es ASID bisher nur für Windows 95 und Atari TT /Falcon. Bedienung und Performance Die Sidstation ist trotz der kleinen LCD-Anzeige in den meisten Funktionen relativ schnell und einfach zu editieren, ein wenig umständlich und fusselig wird es aber bei Features wie Wavetablesynthese und dem Arpeggiator, denn hier muss man dauernd irgendwelche Untermenüs verlassen, zehn Schritte zurück, zwei vor, eins – rechts – eins – links bevor man an der richtigen Stelle angelangt ist. Da wäre ein Softwareeditor ganz praktisch. Ansonsten gibts nichts zu meckern, keine Abstürze auch bei grosser Midiflut, vielleicht gelegentlich etwas hintendran mit dem Timing, was sich aber problemlos durch ein negatives Midi – Delay beheben lässt. Alles in allem liegt das wohl an dem vorzüglichen Betriebssystem, das geschickt die meisten Hardwarebugs umgeht und aus einem Uralt – Soundchip einen richtigen Synthesizer macht. Anschaulich und selbsterklärend ist auch das Handbuch. Sound Der Sound ist definitiv einzigartig und meilenweit vom Einheitsklang der meisten neuen Synthesizer entfernt. Neben Arcade – Sounds und interessantem Elektrogelülle und noisigen Drumsounds wie man es von den C 64 – Spielesoundtracks kennt, lassen sich sehr fette Basslines, Sägezahnsequenzen, Dr Dre – Orgeln, aber auch extreme, selten gehörte Effekte basteln. Die klangliche Bandbreite ist sehr gross. Durch einen Hardwarebug rauscht der SID-Chip und damit auch die Sidstation allerdings ganz ordentlich, weswegen ein Noisegate manchmal nötig werden wird, ausserdem sind die Oszillatoren nie hundertprozentig leise. Dafür bekommt man aber auch einen Synthesizer, der einen sehr eigenen Charakter hat und mit knapp 1000 DM inklusive Lieferung trotz kleinster Stückzahlen nicht allzu teuer ist. Soundbeispiele gibts auf der Website (www.sidstation.com), einen ersten Eindruck vermitteln auch Sidfiles, die man in Hülle und Fülle auf dem Netz finden kann (siehe Links). Sidstations sind schon jetzt ein Sammlerstück, denn der Vorrat an SID-Chips ist sehr begrenzt (siehe Interview nächste Seite). Wer noch eine haben will, sollte sich also beeilen… ***** Anschlüsse: MIDI-In, MIDI-Out, MIDI-Thru, Audio Out (mono), Audio In (mono) Preis: ca. 900 DM + 80 DM Versandkosten Info & Vertrieb: http://www.sidstation.com

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Elektronische Lebensaspekte.