Bevan Smith aka "Signer" widmet sich auf seinem neuen Album ganz seiner Liebe zu Berliner Dub-Affinitäten und verquirrlt das mit seiner neuseeländischen Indieherkunft. Klar, dass so jemand mittlerweile in London lebt und auch ein eigenes Label hat. Das Eskapismus-Zwiegespräch des Monats.
Text: René Margraff aus De:Bug 65

Die schönsten post-Seefeel-Flächen mit den wärmsten Dubbeats kommen 2002 von einem Neuseeländer aus London. Resistent gegen die Hektik dieser Stadt bleibt Bevan Smith ganz er selbst und macht zwar nicht alles anders, dafür aber alles komplett richtig. Hier packt mal wieder jemand das Beste aus verschiedenen Welten zusammen und bastelt eine Platte, die es so schafft, mehr zu sein. Wie das geht? Mit dronigen Gitarrenflächen und pulsierenden Beats. Schwups.

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Manchen müsste Signer schon bekannt sein, seine Platten als “Aspen” auf Emanate und seinem eigenen Label “Involve” sowie sein erstes Signer Album “Giving It Up To Feel Affected” vor zwei Jahren waren doch für einige schon damals die besten eskapistischen Klangmalereien der Saison. Sein bisheriges Meisterwerk erscheint nun auf Carpark Records.
Während es bei Aspen anfangs eher um das kleinteilige Zusammensetzen von Melodien für Millionen im verspielten Elektronikagewand ging, stand Signer immer mehr für das repetive und flächige Element, ein Übereinanderschichten von Sounds und Texturen mit runden Beats, die niemandem was beweisen mussten. Aber inzwischen hat sich laut Bevan einiges verändert. Neben einer akuten Elektronikaübersättigung arbeitete er in den letzten Monaten auch parallel mit Voicechanger, einer Indieband, die mit Vergleichen von Radiohead bis Low bedacht wird. Eine 12″ ist bereits erschienen.

Night is blurred
Doch zurück zu Signer. Alles pulsiert und gleitet dahin, so dass mir zur Wirkung dieser Musik irgendwie lauter schlimme Worte einfallen, die so passend wären, würden sie nicht was total anderes bedeuten und ganz übel besetzt sein. Ich flüstere “Trance” und “Ambient”. Ersteres so leise, dass es niemand hört, zum lauteren “Ambient” meint Bevan dann aber folgendes: “Das ist kein Wort, dass ich benutzen würde um meine Musik zu beschreiben. ‘Low light dreams’ sollte ein Technoalbum sein. Nun, meine Idee von Techno ist vielleicht ein wenig falsch.”
Mag sein, aber solange sie so tolle Platten hervorbringt ist das doch vollkommen okay. Techno fand Bevan vor allem über Labels wie Warp und eigentlich ist er wohl auch ganz klar ein zur Elektronika “konvertiertes” Indiekid. In den letzten Monaten hat er sich allerdings eher weniger an all den einschlägigen Veröffentlichungen erfreut, sondern durchaus auch solche Sachen wie 60’s und 70’s Rock nachgeholt. Seine Liebe zu den grummeligen warmen Bässen von Rhythm and Sound und Basic Channel ist aber zugleich ungebrochen. So, wir treten also den Glauben an die “richtige” Plattensammlung erst mal dezent, aber bestimmt, in die Tonne, denn es lockerer zu sehen ist eh viel schicker als engstirniges Einsortieren und Genresklaverei.

GROßE STRAßE

Noch mehr als auf dem ersten Signer Album fließen die neuen Tracks wie aus einem Guss, machen das Albumerlebnis perfekt. Will sagen: das kann man durchhören und reinfallen wie in die Kuscheldecke auf dem frisch bezogenen Bett. Bevan erklärt das folgendermaßen: “‘Giving It Up’ war eher eine Compilation von Tracks, daher war es an sich etwas unterschiedlicher und roher. Mit ‘Low Light Dreams’ hatte ich allerdings eher das Ziel ein in sich geschlossenes Album zu machen. Es sollte eine möglichst dichte und narkotische Platte werden… ich glaube, dass mir das ganz gut gelungen ist.” Narkotisierend im Sinne von betäubend ist seine Musik in der richtigen Lautstärke allemal und das ohne Rezeptpflicht oder lästigem Gang in die Apotheke.

DREAMING ABOUT MAKING MUSIC TO DREAM TO

Eigentlich kommt Bevan aus Neuseeland, in den 80ern und frühen 90ern ja noch eine der Hochburgen des gepflegten Indiesounds. Hier entstand auch das erste Signer Album, “Low light dreams” produzierte er aber in London. Ich frage ihn, ob meine naiven “Klischee!!!!”-brüllenden Vorstellungen vom ruhigen ländlichen Neuseeland und schnellen, hektischen London bei ihm denn gar nicht greifen? Irgendwie hat es zumindest nicht den Anschein, denn wie sonst hat er diese Ruhe in seiner Musik bewahrt? “Der Umzug nach London hatte tatsächlich keinerlei Einfluß auf meinen Sound, aber hier zu leben hat mich gegenüber vielen Dingen mehr geöffnet und mir genügend Selbstvertrauen gegeben das zu tun, was ich wirklich möchte.”
Ok, trotzdem assoziiere ich bei Signer am ehesten Bilder von Weite, aber auch Dunkelheit… Bevan: “Nee, auch das ist nicht so passend. Ich weiß auch nicht. Am ehesten verregnete Städte. Schließlich lebe ich ja in London!”
Meinetwegen. Bevan erklärt es aber noch genauer: “Eigentlich ist es keine sehr bildhafte Musik, die ich mache. Es ist Musik, zu der du dein Bewusstsein verlieren sollst, Musik, die Schluss macht mit allen Bildern, Gedanken, Gefühlen.”
“Nichts-wie-weg-von-hier-Traum”. Schöner flüchten, die 1000ste. Bei Signer passt das.

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Elektronische Lebensaspekte.