Simon V ist so etwas wie ein Veteran im deutschen Drum-and-Bass-Dschungel. Im beschaulichen Tübingen bastelt er bei einem kühlen Glas Milch an seinem ganz persönlichen Science-Fiction-Soundtrack.
Text: Benjamin Schoene aus De:Bug 90

Cleane Neo-Romantik
Simon V

Simon V ist ein genügsamer Mensch. Alles, was er zum Produzieren braucht, ist ein PC und ein kühles Glas Milch. Teures Analog-Equipment im Studio? Fehlanzeige: “Ich war von Anfang an Software-Freak. Ich hatte mal Hardware, die habe ich aber gleich wieder verkauft.“ Die obligatorischen drei Gramm Weed pro Drum and Bass Tune? Nicht sein Ding: “Ich bin eher der cleane Typ. Ich rauche nicht, trinke nicht und nehme keine anderen Drogen.“

Clean, aber nicht klinisch, so klingt sein neues Album “Because We Can“. Allesamt Stücke, die einen ohne Umweg auf die Tanzfläche katapultieren. Und trotzdem ertappt man sich unweigerlich beim Versuch mitzusingen oder zumindest leise vor sich hinzubrummen. Denn über staubtrockene, druckvolle Drums legt Simon V deepe, orchestral anmutende Flächen und Melodien. Eine kleine Prise wohltuender Kitsch, und fertig sind Drum-and-Bass-Ohrwürmer erster Sahne/Milch.

Du setzt viel Melodie ein und arbeitest oft mit breiten, atmosphärischen Flächen. Magst du Dramatik?
Simon V: Ich mag diese orchestralen Sounds, das rutscht mir einfach immer rein. Ich schreibe eben Melodien, und es gibt bestimmte Sachen wie Bläser, die mir sehr gut gefallen. Man könnte es mit einem Soundtrack vergleichen. In meinem Kopf läuft eigentlich ständig ein 70er-Jahre-Science-Fiction-Film ab, ich liebe diese Filme. In meiner Musik ist das dann aber mehr so ein Feeling, was rüberkommt. Ich setze diesen Einfluss nicht direkt um, sondern verarbeite ihn eher unterbewusst. Ich bezeichne meinen Stil auch gerne als Neo-Romantik.

Viele Titel deines Albums erinnern an eine Reise. Folgt dein Album einem Konzept, wie es bei “One Night” der Fall war?
Simon V: Ich finde es gut, wenn du einen Faden feststellst, denn den habe ich bisher noch nicht festgestellt (lacht). Die Stücke sind einfach nacheinander entstanden und passen gut zusammen, weil die Stimmungen in ihnen ähnlich sind. Mir ging es einfach darum, ein gutes Drum-and-Bass-Album zu machen, ohne Füller und halbe Sachen. Man macht sich nicht immer so viele Gedanken um die Musik, außer man macht ein Konzeptalbum und will alles durchplanen. Das kann ziemlich langweilig werden.

Du bietest auf deiner Homepage Samples und ganze Stücke samt Tutorials zum Download an. Wäre es dir egal, wenn jemand was klaut?
Simon V: Ist bisher noch nicht passiert. Aber das Material ist natürlich für den privaten Gebrauch gedacht. Wenn jemand Geld damit verdient – bitte mich kontaktieren (lacht).

Statement zum Standort Deutschland?
Simon V: Viele Deutsche schämen sich für einen eigenen Sound. Die Absolution aus dem Ausland bekommt man ja auch viel einfacher, wenn man die Musik kopiert. Die Musiker sollten umdenken, die eigene Szene unterstützen und eine Gemeinschaft aufbauen. Das ist besser, als wenn jeder vor sich hin köchelt.

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Elektronische Lebensaspekte.