Text: christine aus De:Bug 16

Wem gehört der Smiley? Christiane Schulzki-Haddouti Streit ums :) Wem gehört eigentlich Smiley? Amerikaner, Franzosen und Japaner machen sich jetzt gegenseitig das Recht an dem gelben “Punkt – Strich”-Gesicht streitig. Für Beobachter nur ein Paradebeispiel dessen, was in den nächsten Jahren an Urheberrechtsprozessen auf Firmen zukommen könnte. : ) Die Geschichte beginnt wie einer dieser Dreiländer-Witze: Ein Amerikaner, ein Franzose, ein Japaner… doch eigentlich geht es dabei ums große Geld, und ein Stück Informationsfreiheit steht auch auf dem Spiel. Jahrzehntelang liefen die Geschäfte gut: Bereits seit über 30 Jahren wirbt Smiley weltweit für alle möglichen Produkte – von Seife und Kosmetika zu Computerspielen und sogar Küchenutensilien. In den USA geht man davon aus, daß Smiley ein Geschöpf des Werbegrafikers Harvey Ball aus Worcester/Massachusetts sei. Als “Geburtsjahr” wird 1963 angenommen. Hall war von einer örtlichen Versicherungsfirma beauftragt worden, ein Ikon zu entwerfen, um durch seine freundliche Ausstrahlung das Betriebsklima zu verbessern. Allerdings nehmen auch ein französischer Geschäftsmann und eine japanische Herstellerfirma die Vaterschaft von Smiley in Anspruch. Im Juli hatte das Wirtschaftsblatt “Wall Street Journal” einen Bericht des Inhalts veröffentlicht, der französische Geschäftsmann M. Franklin Loufrani behaupte, der Schöpfer von Smiley zu sein. Er meldete 1971 das Männchen Smiley in Frankreich als Geschmacksmuster an und besitzt heute angeblich in über 80 Ländern gewerbliche Schutzrechte für das Zeichen. Zur Zeit bemüht er sich um eine EU-Warenzeichen/Schutzmarken-Anerkennung. Damit würde er Alleinrechte zur Verwendung für zahlreiche Waren und Dienstleistungen erhalten. Loufrani hat mehrmals gesagt, er habe durch das Ikon “seither Millionen Dollar verdient und viel Freude an ihm gehabt”. Auch die japanische Firma GUNZE, Herstellerin von Trikotagen mit Jahresumsätzen von über einer Milliarde US-Dollar, beansprucht jetzt geistige Eigentumsrechte an Smiley. GUNZE behauptet, das gelbe “Wohlgefühl”-Zeichen sei 1989 von einem Angestellten erfunden worden, und sie habe in Japan ein Warenzeichen dafür erhalten. Loufrani hat vorsorglich schon in zwei führenden Tageszeitungen in Tokio die Warnung inseriert, daß die unbefugte Verwendung von Smiley rechtlich verfolgt werden würde. Der Smiley-Streit ist nur ein typischer Fall, der das verstärkte Augenmerk, das Firmen in den rasch zusammenwachsenden Märkten auf Copyright-Fragen lenken, in den rechten Fokus rückt.. In Deutschland ist zur Zeit ein neuer Entwurf des Urhebergesetzes in Diskussion, der den Schutz der Urheberrechtsinhaber stärken will. Auf EU-Ebene ist die Urheberrechtliche Richtlinie umstritten. Im Moment streiten sich die Abgeordneten sogar darum, ob alle Geräte und Software (devices) verboten werden sollen, die den Schutz von geistigem Eigentum aushebeln könnten. Auch sind zur Zeit nur wenige Ausnahmen wie Bibliotheken und öffentliche Lehr- und Forschungseinrichtungen vorgesehen, die urheberrechtliche Werke ohne Gebühren nutzen dürften. Nicht-komerzielle Einrichtungen fallen bislang nicht darunter. Sowohl die deutsche als auch die europäische Regelung könnten bereits binnen eines halben Jahres in Kraft treten.

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Elektronische Lebensaspekte.