Der Virus ist einer der Klassiker unter den virtuell-analogen Synthesizern, ist aus Studios nicht mehr wegzudenken und beweist, dass Hardware immer noch hoch im Kurs steht. Mit der neuen TI-Version wird nun die erprobte Hardware mit den Sequenzern dieser Welt verbunden.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 92

Erwischt jeden
Der Virus von Access

Access hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich am Synthesizer-Markt behauptet, einem Markt, der immer härter umkämpft und auch immer hochpreisiger wird. Die Software-Konkurrenz ist massiv. Mit welchen Konzepten begegnet ein Hardware-Hersteller dem Phänomen Software?

Mit frischen Ideen. Die wenigsten User kaufen Hard- oder Software, weil sie bewusst nur das eine Medium akzeptieren. Sie kaufen das, was Sie am besten einsetzen können. Solange unsere Instrumente aus Kundensicht attraktiv sind, werden sie auch gekauft werden.

Access hat eine kleine Produktpalette, die konsequent weiterentwickelt wird. Software-Updates für die Virus-Serie haben eine auf dem Synthesizer-Markt besondere Stellung, da mit jedem OS-Update neue Features zur Verfügung gestellt werden, die sich andere Hersteller teuer bezahlen lassen. War dies eine bewusste Entscheidung, um sich von anderen Herstellern abzugrenzen?

Als der erste Virus 1997 auf den Markt kam, war uns bewusst, dass das Potential der Idee Virus noch lange nicht erschöpft war. Es waren immer mehr Ideen vorhanden als Zeit, diese zu realisieren. Gleichzeitig war es uns aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, noch ein paar Jahre “im Keller” zu sitzen und weiter am Virus zu feilen. Wir wollten uns einfach die Möglichkeit geben, auch die Geräte unserer Kunden weiterhin zu verbessern.

Der Virus mutiert

Es gibt den Virus auch als Software. Die Einführung fand zu einem Zeitpunkt statt, als die Hardware-Version noch erfolgreich verkauft wurde. Was führte zu dieser Entscheidung?

Diversifizierung ist eine hervorragende Möglichkeit, ein gutes Produkt noch weiter auf die Bedürfnisse unserer Kundschaft zuzuschneiden. Aus dieser Überzeugung sind der Virus für Digidesign-ProTools-Systeme und die TC-PowerCore-Plattform entstanden, aber auch der Virus Indigo und der neue Virus TI Polar. Im Grunde könnte man den Virus als einen Software-Synthesizer auf einer extrem schnellen und stabilen Hardware-Plattform bezeichnen. Und da jeder, der eine PowerCore oder ein ProTools-System besitzt, bereits alle Hardware-Anforderungen im Haus hat, lag der Gedanke nahe, sich auch mit diesen Plattformen näher auseinander zu setzen.

Der Hardware-Markt splittet sich zurzeit in mehrere Nischen. Billige Produkte für den Massenmarkt und extrem hochpreisige Geräte mit teilweise fragwürdigen Innovationen. Access liegt preislich im Mittelfeld. Wie gestaltet sich
die Planung eines neuen Gerätes, wie werden geplante Features gegen kostspieligen Entwicklungsaufwand abgwogen und worauf wird unbedingter Wert gelegt, um den User auch an das Gerät zu binden?

Alle bisher gebauten Viren lagen preislich im Mittelfeld. Man könnte (Inflation und Ähnliches ausgenommen) behaupten, dass der Virus nie im Preis gestiegen ist. Da wir uns innerhalb der gegebenen Preisschwellen wohlfühlen, haben wir die Features des neuen Virus TI dementsprechend ausgewählt. Da der Hardware-Markt ähnlichen Gesetzen folgt wie der Computer-Markt, hatten wir natürlich die Möglichkeit, Features zu implementieren, die noch vor drei Jahren den Virus in eine komplett andere Preiskategorie geschoben hätten. Ich habe noch von keiner perfekten Methode gehört, Käufer an ein Unternehmen zu binden. Wir versuchen mit jeder Virus-Evolution das Bestmögliche herauszuholen und lassen unsere Kunden selbst entscheiden, ob sich für sie ein Upgrade lohnt.

Ist man als Hardware-Hersteller heutzutage schon der “bunte Vogel” der Branche?

Wir fühlen uns nicht wie bunte Vögel.

Vollintegration

Der neue Virus geht “totally integrated” neue Wege. Erklären Sie das Konzept.

Total Integration ist die Bestrebung, die besten Ideen aus der Software- und Hardware-Welt zu vereinen und gleichzeitig alle Komponenten des Virus wieder verwertbar zu machen. So kann der User zum Beispiel die Audio Ein- und Ausgänge nicht nur dazu verwenden, Virus Sounds wiederzugeben, sondern diese auch als Aus- und Eingänge für den Sequenzer benutzen. Darüberhinaus kann er Sounds vom Virus direkt per USB in den Sequenzer schicken und sie dort, wie mit einem Software PlugIn, weiterbearbeiten. Mit konventioneller Technik bräuchte man einen Synthesizer, ein Pult, ein Audio- und ein MIDI-Interface. Mit dem TI fällt der Rest einfach weg.

Warum diese Annäherung an den Rechner?

Der Workflow. Das Tolle an PlugIns ist, wie sie sich in den Sequenzer integrieren. Nahezu alle Access-Angestellten machen selbst aktiv Musik. Deswegen haben wir über die letzen Jahre Software-PlugIn-typische Technologien wie Total Recall, Delay Kompensation und Sample Akkurates Timing schätzen gelernt. Vorderstes Ziel bei der Entwicklung des TI war es, unserer Software den gleichen (und berechtigten) Coolness-Faktor zu geben und gleichzeitig dabei keinen der Vorteile einer Hardware-Lösung wie Stabilität, Portabilität, geringen Wertverfall und nicht zuletzt die Entlastung des Rechners zu verlieren.

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Elektronische Lebensaspekte.