Sonig war immer schon mehr als ein Label. Mit den Mouse On Mars Brüdern, Frank "Entenpfuhl" Dommert sowie dem A-Musik Plattenladen im Rücken, kickt dieses "Kölner" Produkt Kleinteiligkeiten mit ungewohnt augeblendetem Namedropper-Backing in die Welt der Elektronika Fetischisten.
Text: martin conrads [conrads@zedat.fu-berlin.de] aus De:Bug 34

/elektronika Der Grassharfenspielsteinzimmerbalsam Sonig Erinnerst du dich an Spook? - Nein. In einer englischen Geschichte war Spook dieser Soft Drink, der in verschiedenen Geschmacksrichtungen kam. Die Geschichte hiess “Balsam”, und Spook war ein uneigentliches Getränk: Der jeweilige Geschmack enstand erst durch die unterschiedliche Art, den Deckel zu drehen. Nessie, der Hauptcharakter, war Meister darin und drehte so bewusst, bis sich alle Geschmacksrichtungen zu etwas anderem mischten – Spook nannte es Balsam. ”Would you like another Soft Drink?” drängelt sich plötzlich eine Stimme durch Wang Inc.Õs “Soft Drink” (sonig 04), und wenn man beides zufällig am gleichen Tag macht, “Balsam” lesen und “Soft Drink” hören, sucht man die ganze Fernleihe für Zufallsgeschichten auf anderen sonig-Platten; nicht mit MühÕ. Sonig ist ein Kölner Label gegen die Eigentlichkeit. Denn zu glauben, sonig sei die “eigentliche” Outputvariante von Mouse on Mars, führt auf die falsche Fährte vermeintlicher Inputverschleierungen. Man müsste zudem alle nicht mit MoM verbundenen Releases auf sonig unbedacht unter den Teppich kehren. Seit Mitte 1997, und mit der Veröffentlichung von MoMÕs “Instrumentals”, haben Frank Dommert, Jan Werner und Andi Thoma an einem Projekt gearbeitet, das trotz oder gerade wegen häuslicher und Vertriebsnähe zu A-Musik (dem Laden), “weder sub noch Konkurrenz” dazu (dem Label) ist, sondern eine komplett eigenständige Idee, ein drittes ausfahrbares Zusatzbein für Konzepte, die schon seit Jahren auf anders ausgelegter Ware laufen können. Die undominante MOM-eske Hegemonie mit den Projekten Lithops (Werner), Microstoria (Werner/Popp), Dü (Randomiz/Werner) und MoM selbigst steht hier neben Veröffentlichungen von Adam Vert oder Wang Inc. Frank Dommert, dessen Entenpfuhl-Label nach einiger Pause demnächst ebenfalls wieder aktiv wird, räumt zu recht keinerlei Zwangsläufigkeiten der Genres ein, weder die Künstler noch die Art der Releases betreffend: “Das LP-Format ist das interessanteste Format, auch wenn die Leute oft glauben, bei sonig gehe es vor allem um Maxis.” Abgesehen davon lässt sich sonig am besten an drei Ideen erklären: Da ist der Hidden Track auf ÔPickly Dred RhizzomsÕ (Mouse on Mars, sonig 05), eine in sich geschlossene, völlig verkurvte Rille jenseits von Nadel und Tonarm; da ist das Offenlegen von so etwas wie “Lebenswelt” als völlig selbstverständlichem Bestandteil von elektronischer Produktion – locker hörbare Gespräche über Hauptsächliches und Volumevorstellungen auf Mouse on MarsÕ Instrumentals (sonig 01) sowie auf esognomig (Bauer, Dommert, Frank, Hecker, Thoma, Werner; sonig 09); und da ist die prinzipielle Idee, die Platte eines Projektes (auch MoM in diesem Fall) überhaupt Instrumentals zu nennen, obwohl von Gegenteiligem bislang nicht die Rede war. Vertrieben über A-Musik/Zomba (und jetzt anlaufend auch in Japan und USA) ist bei sonig just VertÕs “The Köln Concert” erhältlich, mit bewusster, ähnlich nachproduzierter Anleihe an Keith Jarrett. Neues von C-Schulz + Hajsch und Scratch Pet Land folgt, alles auf Vinyl und CD, und das Microstoria Live-Vinyl, 1998 in Köln aufgenommen, ist die der 11 baldigst nachgeschobene sonig Nummer 10. # 11, die erste sonig-Kompilation (“sonig comp.”) mit exklusiven Tracks mogelte sich im CD-Format dazwischen, und obwohl in dieser Zeitung schon vor einem Monat gewürdigt, sei hier nochmal ein kleiner Exkurs unternommen etwa auf das metallgeschliffene Strampelbein, mit dem F.X. Randomiz in den Sampler hineinjuckt, auf das Dü-Stück, das alleine mit seinem Titel ãTransformation 19Ò mal einfach hergestellter musik in einmal kompliziert hergestellte einfache musikÒ schon über sich selbst hinausflunkert, oder auf Scratch Pet Land aus Belgien, die hier für ein beständiges, hoch gurgelndes Anpurzeln gegen selbstverschuldet ploppende Widerstände eintreten. Und plötzlich hast du das sonig-Spook. Jede Farbe, jedes Aroma, 99% Zucker. Ein einfach wunderbar hergestellter Mix aus 9 mal kompliziert hergestellten Uneigentlichkeiten. - Und? Was? - Wie hat es geschmeckt, Mann? Himmlisch. Ehrlich. Als würde der Himmel über meine Zunge fliessen. http://www.a-musik.com/sonig sonig@a-musik.com

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Elektronische Lebensaspekte.