Bauklötzchen schieben und Musizieren können eins sein. Blockjam von Sony macht es möglich, musikalische und technische Früherziehung für den Nerd-Nachwuchs in einem.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 90

Musik würfeln
Sony Blockjam

Jeden Monat fällt wieder ein elektronischer Musiker um und behauptet, jetzt wäre es ganz toll, Musik direkt in die Saiten zu klampfen. So aus dem Herzen in die Fingerspitzen. Wer nichts als die Wahl hat, muss sich halt entscheiden. Wir verstehen das, aber glücklicherweise werden irgendwo auf der Welt in den Sony Forschungslabors Musikinstrumente für die Kinderzimmer der nächsten Jahrzehnte entwickelt, die uns von all diesen Handgemacht vs. Programmiert-, Screen vs. Haptik-Dichotomien befreien, die einem solche Entscheidungen bislang diktiert haben. Blockjam von Sony z.B. Bislang schwirrt es seit drei Jahren in zwei Prototypen in Japan und Berlin herum, vielleicht wird es so nie ein Produkt, aber es lässt einen davon träumen, Lego, Domino, Autos, Puppen, Playstation und mit was man sonst noch auf dem Teppich sitzt und die Tage verspielt, einzupacken und aus Musik ein Spiel zu machen, das nicht durch Gewinnen, Geschwindigkeit, soziale Überdeterminierung oder knospende Ingenieurskunst bestimmt wird, sondern durch ein selbstvergessenes Herumbasteln in der Komplexität von Klang und Licht (verzeiht diesen mystischen Ton, aber auch Kindheit muss manchmal “back to the drawing board”).
Blockjam besteht aus quadratischen Blöcken mit einer verschwenderischen Menge von LEDs und optischen Sensoren (und einem Strom- und Midikabel, denn der Computer generiert letztendlich die Sounds), die man aneinander legen kann, um Musik zu bauen. Irgendwie Logic, aus Blöcken wird Musik, aber dreidimensional. Es gibt Startblöcke, die Loopsequenzen triggern (irgendwie Live …) und Wegeblöcke, die den Weg, den die Sequenzen gehen, bestimmen (irgendwie ein wenig Max …). Nur passiert all das, während man die einzelnen Blöcke wie Bausteine aneinander legt, mit dem Finger drüberdreht, um die Sounds zu verändern, oder die Blöcke antippt, um ihre Funktionen zu verändern, und verwandelt sich dabei gleich in Sound und Licht. Blockjam, an dem soviele Leute wie wollen herumbasteln können, ist entwickelt worden, um Musik zu machen, die nicht trivial ist, der Enge von Loop-Playern durch die, je nach Bauweise, fast unvorhersehbaren Wege, die eine Sequenz nimmt, zu entkommen, gleichzeitig aber auch so spielbar wie Lego zu sein. Und ist damit ein Spiel, das in keine Kategorie passt außer in die, einem die Augen und Ohren zu öffnen für eine völlig neue Generation von Spielen, von der selbst die merkwürdigsten Raumschiff-Enterprise-Folgen nur träumen konnten. Komplexität, Kontemplation und träumerisch einfache Bewegung. Wären Otakus eine relevantere Zielgruppe, könnte man Blockjam schon jetzt kaufen. So müssen wir wohl noch ein paar Jahre auf die nächste Generation (von Spiel, oder Instrumenten, oder Musik, man weiß nie, wie man es nennen soll, weshalb man auch weiß, dass es neu ist) warten.

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Elektronische Lebensaspekte.