Als Dudley Perkins versetzt Declaime die Welt in Entzückung. Auf seiner neuen Platte bei Stones Throw steckt er den Rap weg und packt den Soul aus, immer etwas schräg und so charmant, dass nicht nur die Westküste vernarrt ist.
Text: Tim Stüttgen aus De:Bug 74

Sing für Mama
Dudley Perkins

Vor vier Jahren hat Declaime aka Dudley Perkins sein “Andsoitissaid”-Album auf Grooveattack ausgepackt und schwamm hoch auf der B-Boy-affinen, konträr zum Gangsta-Rap laufenden Westcoast-Welle. In dem kleinen kalifornischen Dorf Oxnar hatte sich ein Knäuel von frischen Genies gebildet, die, oft von dem hyperaktiven Madlib produziert, kleine Meisterwerke unter den Namen Lootpack, Quasimoto oder eben Declaime auf dem Label Stones Throw von Peanut Butter Wolf anfertigten. Madlib, der gerade dabei war, den Katalog des Jazz-Labels Blue Note zu remixen, überließ ein paar seiner alten Beats seinem Kumpel, der jetzt unter dem Namen Dudley Perkins angefangen hat, zusätzlich zum Rappen zu singen.
“Vor ein paar Jahren habe ich schon meine erste Single mit Gesang veröffentlicht, ’Flowers’. Die kam so gut an, dass ich förmlich erschrak. Da musste einfach mehr her.” Gesagt, getan. “A Lil‘Light” ist ein volles Album, das wie immer aus der für ihn typischen Arbeitsweise entstanden ist: “Das Album ist gefreestylet, alle Texte sind improvisiert. Die Kraft kommt aus dem Augenblick, anders kann ich nicht arbeiten. Ich habe das Album in drei Tagen aufgenommen.” Songs und Texte vorher zu schreiben, kommt bei Dudley Perkins prinzipiell nicht in Frage.
Dabei ist er niemand, den man einen klassischen Soul-Crooner nennen würde. Seine herausgeleierten Vokale, lang gezogen wie Kaugummis, winden sich zu schrägen Melodien, die auch ruhig mal ein paar Töne neben der Spur liegen dürfen. Eine magische Sache mit viel Gras in der Lunge: Gerade sein freier Sprechgesang, immer pendelnd zwischen Rap und Soul, zwischen deep und schief, hat durch seine Ambivalenz genau die Reibungsfläche, die den neuen, großen, zu Tode designten R&B-Produktionen fehlen. Dazu schmooven die Lofi-Productions von Madlib genüsslich vor sich hin, loungig jazzy und doch irgendwie mit einem kleinen Stück Bounce im Bauch.
Als ich ihn anspreche, ob der Sänger Dudley Perkins eine positivere Person ist als seine viel roughere, abgefucktere MC-Persona, gerät Declaime außer sich: “Warum?” Hmm, na ja, wenn ich meiner Mama beide Platten vorspielen würde, hätte sie bei deinem neuen Album bestimmt ein besseres Gefühl… “Ja! ’A Lil Light’ bringt mich auch dazu, ein besserer Mensch zu werden. Es ist ein positives Album. Es sind aber auf allen meinen Produktionen nirgendwo böse Sätze drauf. Deine Mama kann alle Platten von mir hören. Sag ihr das.”

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Elektronische Lebensaspekte.