Text: Kay Meseberg aus De:Bug 61

Broken Beats

Unverfrorener Mut zur Funkyness
Soul Parlor

Ein Dreisatz als Musikbeschreibung. Eine beliebte Musikeinordnung vor der Findung so unsäglicher Begriffe wie (igitt) NuJazz seitens der schreibenden Zunft. Soul Parlor starten einen neuen Versuch, ihren Sound zu beschreiben und damit Klischees zu umschiffen: Hyperjazzfunk. 70s Fusion-Jazz also? Mitnichten. Es klingt schon neufrech, wenn man das Soul Parlor-Debütalbum “The Way We Talk” zum ersten Mal hört. Die Mainzer Korben Dallas und Tobias Müller setzen da an, wo Herr Duckenfield, Bougie Soulitairre, Beanfield und Karma vor zwei, drei Jahren standen. Die Jazz-inspirierte Musik, die sich irgendwann im Gedaddel verlor oder Richtung Zukunft durchstartete. Ein paar angebrochene, unaufdringliche Beats, hier ein Saxophon, dort ein paar Rhodes, zwischendurch wabert ein Fläche, und oben drauf: Stimmen oder Samplestrukturen. Klar – diese Elemente kennt man und es gibt seit Jahren unzählige Tracks und Songs, EPs und Alben, die genau damit arbeiten, ähnliche Ästhetiken entwickeln. Insofern drängt sich bei Soul Parlor der Eindruck auf, den man bei Konzerten von Rockbands auf den offenen Kanälen Nordrhein-Westfalens hat: Ah, den Basslauf kenne ich. Die Stimme klingt doch nach Pearl Jam. Ist das jetzt ’ne Coverversion?
Das ist jetzt aber weniger als Diss gemeint. Vielmehr meine ich, dass das den Charme von Soul Parlor ausmacht. OK – das Songwriting besticht nicht gerade durch Innovation. Textzeilen wie “Oho, Got To Go Deep Inside” oder “If You Belief” oder “Huhuhu” sind Vocal-Klassiker. Aber die Unverfrorenheit, Musikgeschichte Musikgeschichte sein zu lassen, bedarf schon einiger Rückgrat-Qualitäten. Selbst wenn bei “What Goes Round …” Erinnerungen an Run DMC’s “It’s Like That” aufkeimen, muss man doch die Konsequenz des Soul-Parlor-Prinzips anerkennen, mit Elementen zu spielen, die nicht neu sind. Dennoch klingt “The way we talk” nicht wirklich nach Retro oder Fahrstuhl. Interessant wird es bei der Perkussion. Die ist nämlich auf das Wesentliche reduziert, also auf dem heutigen Stand. Und zeigt Mut zur Funkyness.
“The Way We Talk” ist ein Album der Albumtracks. Es ist eine Abwechslung zu Alben, die einen hyper-komplexen Floortrack an den nächsten packen. Soul Parlor kultivieren die Unaufdringlichkeit neu. Ihrer Unverfrorenheit sei Dank, dass man nach dem Einlegen der CD das Hören nicht vergisst.

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Elektronische Lebensaspekte.