What Time Is Love aus De:Bug 151


E-mu Emulator II von 1982

1928 ~ Superpiano
Das erste Sampler-Keyboard überhaupt funktioniert mit Lichttontechnik wie beim Tonfilm und hat sogar einen Sequenzer auf Lochkarten-Basis.

1928 ~Tonbandgerät
Das erste Tonband wird vom Österreicher Fritz Pfleumer erfunden und ist damals noch aus Papier gewesen. 1935 entwickelt BASF das erste Tonband auf Kunststoff-Basis, das L-Band.

1935 ~ Lichttonorgel
Edwin Welte bedient sich bei seiner Orgel der fotoelektrischen Klangerzeugung. Die “Tonscheiben” werden von Fotozellen gesteuert. Zuvor hat sich Welte die Patente für das Reproduktionsklavier gesichert, das 1905 erstmalig hergestellt worden ist. Die Automatenklaviere gelten als Vorläufer des modernen Sequenzers.

1956 ~Chamberlin/Mellotron
Das Chamberlin und später das Mellotron nutzen Endlostonbänder, die durch die Tastatur abgespielt werden und bis zu sieben Sekunden lang sein können. Die charakteristischen Presets werden bis heute in unzähligen Hits genutzt.

1969 ~ EMS Musys
Gilt als erster digitaler Sampler überhaupt. Entwickelt wird Musys von Peter Zinovieff und David Cokerell, zum Einsatz kommen zwei DEC PDP-8 Computer. Aus diesem Projekt entsteht die Firma EMS, der wir legendäre Synths wie den Synthi A oder den VCS3 verdanken.

1975 ~ Synclavier /II
Digitaler Sampler und Synthesizerworkstation, entwickelt von Jon Appleton. Der Professor am Dartmouth College legt zunächst einen reinen FM-Synthesizer vor und erweitert das Gerät später um eine rudimentäre Sampling-Option. 1985 erscheint mit dem Synclavier II eine Version, die 32 Stimmen und 16 Bit bot. Klassiker.

1979 ~ Fairlight CMI
28 MB Speicher, das ist 1979 mehr, als man sich vorstellen kann. Die australische Workstation mit Touchscreen prägt den Sound der 80er nachhaltig und steht bei denjenigen Produzenten, die das entsprechende Kleingeld parat haben: Der Preis liegt bei rund 20.000 Dollar kostete.

1980 ~ Linn LM-1
Die erste Drum Machine, die digitale Samples benutzt. Jedes Sample wird auf ein EPROM gebrannt und kann entsprechend einzeln ausgetauscht werden (siehe Foto auf Seite 48, die EPROM-Sockel sind die blauen Bauteile). Entwickelt wird die Drummaschine von Roger Linn, ein paar Jahre bevor er das Projekt MPC startet. Die Samples der LM-1 werden von James Gadson eingespielt, einem bekannten Studio-Schlagzeuger, der u.a. mit Quincy Jones, Herbie Hancock und BB King gespielt hat.


Linn LM-1 von 1980

1982 ~ E-mu Emulator/Emulator II
Mit dem Emulator beginnt der Preiskampf im Sampler-Segment. Für damalige 10.000 Dollar hat man zwei Sekunden Sampling in 8 Bit bekommen, später immerhin noch einen integrierten Sequenzer. Der Emulator II samplet zwar immer noch in niedriger Auflösung, punktet aber mit acht LFOs und den legendären Emu-Filtern. Ein Klassiker durch und durch.

1985 ~ Ensoniq Mirage
8-Bit-Sampler, der mit 2000 Dollar für seine Zeit sehr billig und deswegen extrem weit verbreitet ist. Später wegen seinem rauen Sound vor allem in der Industrial-Szene beliebt.

1985 ~ EMU SP-12
Nach dem Erfolg des Drumulators verbindet EMU hier erstmals die klassische Drum Machine mit Sampling. Der 12-Bit-Sound ist legendär, die Samples sind fest auf den Eproms verdrahtet. Das Nachfolgemodell, die SP-1200 benutzt bereits ein Diskettenlaufwerk, um Samples abzuspeichern. Um die geringe Kapazität von maximal zehn Sekunden zu umgehen, werden gerade von HipHop-Produzenten Platten auf 45 RPM gesamplet und dann deutlich langsamer abgespielt.

1985 ~ Casio SK-1
Genau ein Sample von 1,4 Sekunde Länge kann der SK-1 zu Tracks beisteuern, abspeichern lässt es sich allerdings leider nicht. Dafür klingt es bei 8 Bit um so schmutziger. Spielzeug, unterste Kategorie. Aber das kann ja auch charmant sein.

1985 ~ Akai S612
12 Bit, 128 KB Speicher und das skurrile Speichermedium “Quick Disk” können heute nicht mehr als der heiße Scheiß gelten, dafür haben die Filter ordentlich Eindruck in der Musikgeschichte hinterlassen.

1986 ~ Casio RZ-1
Casio-Hardware ist generell unterschätzt, so auch der RZ-1, ein Drumcomputer mit vier Sample-Pads. Mit einer Sample-Zeit von bis zu 0,8 Sekunden kann man zwar nicht wirklich viel erreichen, die integrierten Sounds der Drumcomputer-Sektion heben sich 1986 aber erfreulich vom vorherrschenden Roland-Sound ab. Die RZ-1 kostet ursprünglich 700 Dollar.

1987 ~ Ultimate Soundtracker
Die erste Trackersoftware auf dem Amiga, mit der sich Samples abspielen und arrangieren lassen. Programmiert hat die Software der Deutsche Karsten Obarski, der eigentlich Spiele-Entwickler gewesen ist. Entsprechend wird das Programm zunächst für die Entwicklung von Videospielen eingesetzt.

1988 ~ Akai S-1000
Einer der ersten 16-Bit-Sampler mit 44,1 kHz Abtastrate (CD-Qualität) und Time Stretching, der schnell zum Studiostandard wird. Große Verbreitung allgemein und in Techno und House, mitverantwortlich für Drum & Bass und Jungle. Das Sampling-Format ist fast zwanzig Jahre zum Standard für Sample-CDs.

1988 ~ Ensoniq EPS / EPS 16+
Die “Ensoniq Performance Sampler” laufen mit 12 bzw. 16 Bit (in der +-Variante) und sind vor allem im Live-Betrieb beliebt, da die “Load while Play”-Funktion lästige Pausen zwischen den Songs verschwinden lässt. Dazu kommen die guten Synthese-Features, die Ensoniq-Geräte generell attraktiv machen.

1991 ~ MPC 60
Roger Linn verbindet Sampling mit dem bis heute gültigen 4×4 Pad Interface, einem einfach bedienbaren MIDI-Sequenzer und Features wie Note Repeat und Swing, die die MPC 60 und ihre Nachfolger bis heute zum populärsten Performance-Sampler machen.

1992 ~ Ensoniq ASR-10
Eierlegende Wollmilchsau! Neben klassischem 16-Bit-Getüdel punktet der ASR-10 vor allem mit einer kompletten Synthesizer-Sektion und verwandelt so den Sampler in ein quasi-modulares Studio. Inklusive Effekte, Sequenzer und: Audio-Recorder.

1994 ~ MPC 3000
Die erste MPC mit 16 Bit Sound und die letzte, an der Erfinder Roger Linn noch beteiligt ist.

1994 ~ Lexicon Jam Man
Der erste erntzunehmende Looper lässt sich via MIDI etwa mit einem Drumcomputer synchronisieren und kann bis zu 32 Sekunden Material im Speicher behalten.

1994 ~ Emu Emulator IV / e64
Mit dem EMulator IV und dem e64 läutet Emu die letzte Generation von Hardware-Samplern ein, 1999 ist dann endgültig mit dem E4 Schluss. Die Emus dieser Zeit sind den Pendants von Akai in allen Belangen überlegen. Modularer Aufbau, mitreißende Filter und ein bombensicheres Betriebssystem, bis zu 16 Einzelausgänge, Festplatte, zwei SCSI- und zwei MIDI-Schnittstellen. Der Rolls-Royce unter den Samplern.

1997 ~ ReCycle
Software, die es erlaubt, Sample-Loops von ihrer Geschwindigkeit zu entkoppeln, indem sie sie nach ihren Transienten zerteilt (slicen). Vereinfacht den Umgang mit Sampleloops enorm und ist auch aktuell noch erhältlich. Das REX-File ist bis heute als Format für Softwaresampler weit verbreitet.

ca. 1997 ~ Software-Sampler
Software-Sampler wie Halion und der EXS24 nehmen als PlugIn Fahrt auf und beginnen die Hardware langsam aber stetig zu verdrängen.

1997 ~ MPC 2000/2000XL
Auch wenn bei der MPC 2000 Roger Linn seine Finger nicht mehr im Spiel hat, war sie Ende der 90er eine der prägendsten Sound-Maschinen im HipHop. Dr. Dre, DJ Premier und DJ Shadow prägen mit ihren MPC-Samples die Hochzeit des HipHop. Auch noch heute produziert Preppy-Rapper Kanye West seine Hits mit dieser Kiste.

1999 ~ Yamaha SU-700
Performance-Sampler mit automatischem Timestretching/Slicing (ähnlich wie bei ReCycle), mit dem sich Samples ungepitcht in Echtzeit an das Tempo anpassen lassen.

2001 ~ Ableton Live
Live begründet das Prinzip des “flüssigen Audios”: unabhängig von der Größe der Files lassen sich Samples in der Tonhöhe, Geschwindigkeit und im Timing bequem editieren.

2001 ~ Celemony Melodyne
Melodyne erlaubt erstmals das nachträgliche Ändern von Tonhöhen einzelner Töne in einem Sample ohne Änderung des Klangs, ab 2008 auch die Zusammensetzung von Akkorden.

2002 ~ MPC 4000
Die MPC mit dem bis auf 512 MB höchsten aufrüstbaren Arbeitsspeicher und interner Festplatte.

Aus dem Special in De:Bug 151: SoundDesign

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Elektronische Lebensaspekte.

13 Responses

  1. Max Illaa

    Dj Premier produziert mit einer MPC 60 II, DJ Shadow und Dr. Dre nur mit der 3000. Das hätte besser recherchiert werden können…

  2. Destruktiv

    @maxilla
    shadow hat entroducing mit einer 60er produziert.

  3. Max Illaa

    aber recht haste natürlich auch…