Abermillionen Menschen, darunter viele Kinder, nehmen täglich ärztlich verordnetes Amphetamin, vulgo Speed. Das Comeback des Kunststoffs als Medikament ist beispiellos, es markiert eine Trendwende im Umgang mit Drogen.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 120


Die gedopte Zukunft verspricht pharmazeutische Freizügigkeit in allen Lebenslagen, medikamentöse Problemlösungen und alltägliches Hirndoping. Und neben der legalen boomt auch die illegale Speed-Produktion: Als “Ecstasy” haben Amphetamin-Pillen den Konsum harter Drogen vom Junkie-Stigma befreit, während in Asien und den USA Speed wieder zur billigen Alltagsdroge der arbeitenden Massen wird.

Die Droge, die man gemeinhin mit Speed bezeichnet, war noch nie so verbreitet wie heute. Durch zahlreiche legale und illegale Erscheinungsformen des Stoffs bleiben die Konsum-Dimensionen allerdings unauffällig: Pulver, das zum Feiern durch die Nase gezogen wird, verbindet eben scheinbar nichts mit den Tabletten, durch die hypernervöse Kinder zu aufmerksamen Schülern werden. Dabei hat das Antizappelphilip-Medikament mit dem Markennamen Ritalin eine vergleichbare Wirkung wie der Stoff aus polnischen Kellerlabors, beide gehören zur Familie der Amphetamine. Diese wirken prinzipiell als starke Aufputschmittel mit lang anhaltender Wirkung, wobei die Variante MDMA (Ecstasy) als Auslöser starker Glücksgefühle eine Sonderstellung einnimmt. In der Basisform Phenylisopropylamin (Speed), aber auch in der Variante Methylphenidat (Ritalin) sind Amphetamine dagegen eine Universaldroge wie Alkohol: Je nach Intention, Dosierung und Darreichungsform wirkt Speed auf ganz verschiedene Art und Weise.

Menschen nehmen Speed zum Arbeiten und Kämpfen, aber auch zum Feiern und Halluzinieren. Die Droge hilft beim Abnehmen und Trainieren, sie kann zum Abschalten oder zum Aufdrehen verwendet werden. Speed macht Rebellen rebellischer und Konformisten angepasster, entsprechend unterschiedlich gebären sich die Nutzer unter dem Einfluss der Chemikalie, aber die Mehrzahl dürfte kaum als bedrogt auffallen. Vollsynthetisches Amphetamin, die erste echte “Designerdroge”, ist aber auch sonst eine bemerkenswerte Erscheinung: Zwischen legal und illegal changierend, werfen Amphetamine alle gängigen Vorstellungen zu harten Drogen über den Haufen. Das Comeback des Wirkstoffs kündet zudem von einer sozialen und kulturellen Trendwende, Speed läutet eine Ära ein, in der die Körperbeherrschung durch Selbstmedikamentation zum Recht, aber auch zur Pflicht wird.

Kriegs-Droge Nummer eins

Verkürzt geht die Speed-Geschichte etwa so: 1887 wird der Stoff an der Berliner Humboldt-Universität zum ersten Mal hergestellt, sein Potential aber erst in den folgenden Jahrzehnten erkannt. Erst 1932 macht der heute als GlaxoSmithKline bekannte Pharmahersteller den Wirkstoff zum Produkt. “Benzedrin” wird zunächst als Asthmamittel vermarktet, dazu kommen aber in schneller Folge viele weitere Anwendungsgebiete. Benzedrin wird unter anderem als Heuschnupfenmittel, gegen Depressionen oder Impotenz ärztlich verordnet, außerdem entwickeln zahlreiche Nutzer neue Einsatzmöglichkeiten jenseits der Gebrauchsanleitung. Im zweiten Weltkrieg werden auf allen Seiten Soldaten mit Speed in großen Mengen versorgt, und seitdem gehört die Droge auch zum festen Repertoire jedes Krieges, den Einsatz von Kampfpiloten haben Amphetamine sogar regelrecht revolutioniert.

In Deutschland hatte man übrigens rechtzeitig vor dem Krieg eine besonders potente Speed-Variante entwickelt, die aus Abfallprodukten der chemischen Industrie auch noch besonders billig produziert werden konnte. Unter dem Namen “Pervitin” wurde der Stoff bei Soldaten und Zivilisten schnell so beliebt, dass der freie Verkauf eingeschränkt werden musste. Das “Nazi-Speed” Methamphetamin ist heute vor allem in Asien und den USA weit verbreitet, allerdings in ganz unterschiedlichen Formen. In Asien werden “Thai-Pills” von Mafiabanden im großen Stil hergestellt und vor allem als Arbeitsdroge geschluckt. In den USA findet die Produktion dezentral in “Meth-Küchen” statt, jenseits der Großstädte wird dabei direkt an die Schwarzbrenner-Tradition der 30er-Jahre angeknüpft.

Die US-Konsumenten schnupfen den Stoff in erster Linie, wodurch die Verteufelung als “Todesdroge” leicht fällt. Glaubt man konservativen US-Politikern, ist “Meth” direkt für den jüngsten Anstieg der AIDS-Neuinfektionen verantwortlich, fest steht, dass Meth in schwulen Darkrooms populär ist, weil hohe Dosen extrem triebverstärkend und enthemmend wirken können. Die meisten durch Speed verursachten Todesfälle dürften aber auf Explosionen zurückgehen, die regelmäßig von dilettantischen Meth-Köchen verursacht werden und meistens das ganze Gebäude in Schutt und Asche legen.

Konsum-Doping

Dass heute neben den ärztlich verordneten Amphetaminen auch massenhaft illegales Speed hergestellt wird, geht unterdessen auf die Hippies zurück, denen die Diskreditierung wesentlich besser gelang als der aktuellen Anti-Drogen-Rhetorik. Nach dem Weltkrieg wurde der legale Massenkonsum nämlich zunächst munter fortgesetzt, woran auch die Verschreibungspflicht nichts änderte. Ein Rezept für Benzedrin bzw. Pervitin zu bekommen, war bis Ende der 60er kein Problem und die Einnahme des Muntermachers gesellschaftlich weitgehend akzeptiert.

Arbeiter hielten sich genauso mit Speed wach wie Manager, Johnny Cash genauso wie die Beatles oder Andy Warhol. Auf dem Popularitäts-Höhepunkt Ende der 60er-Jahre nahmen etwa acht Prozent aller US-Amerikaner regelmäßig Amphetamine, rund 70 Prozent dieser Nutzer wurden von der Pharmaindustrie versorgt, die restlichen 30 Prozent von illegalen Speed-Küchen.

Doping mittels moderner Chemie war wohl einfach nahe liegend, als sich die westlichen Gesellschaften von den Versprechungen der Konsumgesellschaft euphorisieren ließen: Den Albtraum von Weltkrieg und Holocaust noch im Nacken, arbeiteten die Menschen wie besessen, um sich volle Kühlschränke, TV-Geräte und Autos kaufen zu können. Fortschritt setzte sich aus neuer Technik und harter Arbeit zusammen, also war auch die Leistungssteigerung per Kunststoffdroge nicht anrüchig. Das änderte sich allerdings Ende der 60er, als die Hippie-Generation gegen den Materialismus ihrer Eltern antrat und der Vietnam-Krieg zum Katalysator der Protestbewegung wurde.

Speed kills

In Vietnam wurden die US-Soldaten natürlich reichlich mit Speed versorgt, um ihre Funktionsfähigkeit im zunehmend schmutzigen Krieg zu gewährleisten. Für die Kriegsgegner wurde Amphetamin damit zum Teufelszeug, das aus Menschen Funktionszombies macht: bedürfnislos, fleißig und folgsam, egal ob in der Fabrik, im Büro oder auf dem Schlachtfeld. Die böse Kampfdroge Speed fiel daher 1969 gründlich in Ungnade, während Heroin, das in Vietnam zwischen den Einsätzen zum Abschalten genommen wurde, als cooles Stöffchen galt.

In den 70ern ging die Popkultur folglich auf Distanz zu Amphetaminen, Speed galt bald als Prolldroge, mit der sich Fernfahrer selbst vergiften. Ohne den Pop-Nimbus fielen in der Folge natürlich vermehrt die gesundheitlichen Risiken ins Auge, weshalb der Konsum zunehmend eingeschränkt wurde. Einmal als gefährliche harte Droge eingestuft, müsste der Stoff nach der gängigen Logik immer weiter zurückgedrängt werden. Aber mit Amphetaminen wird dieses Schema gerade gebrochen und sogar insgesamt in Frage gestellt.

Optimierte Körper

Genau wie der Abstieg der Droge eng mit politischen und kulturellen Ereignissen verknüpft war, kam die Trendwende in der Amphetamin-Nutzung. Der Zusammenbruch des Ostblocks setzte die als “Globalisierung” bezeichnete Entwicklung in Gang, die im Internet ihre technische Entsprechung findet. Und so erleben im verschärften internationalen Wettbewerb die Werte der Nachkriegszeit eine Renaissance: Technikgläubigkeit, Materialismus und Leistungsbereitschaft.

In der Popkultur wurde der Wertewandel durch Techno vorbereitet und flankiert. Auch wenn der einzelne Raver dies empört von sich weisen würde, repräsentiert der Ausdauertanz im Amphetamin-Rausch diese Werte ziemlich gut, vor allem im Vergleich zu den inneren Wertwelten bekiffter Hippies. Dass die technisch designte Leistungsdroge Speed ein Comeback erlebt hat, scheint vor diesem Hintergrund fast zwingend. Trotzdem ist der Wiederaufstieg der Amphetamin-Familie ein einmaliger Vorgang, vor allem durch die Parallelnutzung der Drogen für legale und illegale Zwecke. Die chemische Konstellation macht es der Industrie dabei zunächst leicht, einen Stoff als “neues” Medikament zu präsentieren, dessen enge Verwandtschaft zu illegalen Stoffen möglichst gründlich unter den Teppich gekehrt wird. Aber der eindeutige Status von Stoffen als gefährliche, harte und verbotene Droge verschwimmt ohnehin zusehends, wie der stetig steigende Ecstasy-Konsum unter Jugendlichen zeigt.

Diese neue Drogenpraxis steht nicht im Gegensatz zur Gesellschaft, die Nutzer wollen weder “aussteigen” noch droht ihnen der soziale Abstieg. Warum auch, wenn in der Medizin ohnehin ein Wandel zu Medikamenten stattfindet, die Wohlbefinden erzeugen und die Leistungsfähigkeit steigern. Der Übergang zwischen der Behandlung von Leiden und dem Hirndoping ist dabei fließend, schließlich gibt es keine festgelegte menschliche Normal-Befindlichkeit. Schmerzfrei zu sein, gilt aber schon längst nicht mehr als ausreichend. Zu einem erfüllten Leben gehören mittlerweile auch Glücksgefühle oder sogar Euphorie. Womit das Recht auf Rausch schon vor der Tür steht.

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Elektronische Lebensaspekte.

7 Responses

  1. bibi

    welch überflüssiger artikel…. gähn!

  2. ava

    methyphenidat der wirkstoff in ritalin ist kein amphetamin. es gibt ekien einezige fertigarznei in D, die amphetamin enthält. bei hyperaktivität ist amphetamin verschriebungsfähig und kann vom apotheker als saft zubereitete werden. mann, ihr recherchiert schlechter als bild

  3. bettina

    Wissen sie wie man das herstellt????
    Ich bin wirklich sehr intressiert!!!!
    wenn es geht können sie mich erreichen unter der Nummer:
    03063978654

    PS: Es wäre auch gut wenn sie mir eine Probe schicken könnten. Wenn möglich auch von anderen.
    Vielen dank im voraus

    mfg

  4. ava

    kann ich nicht finden, wäre für mich aber auch sehr von interesse.
    Ich würde auch viel zahlen (1000€)pro kilogramm.

  5. bettina

    Ich meine natürlich legale.

    mfg

  6. Dave

    Wenn man die heutige Jugend sieht, aber auch Erwachsene die sich mit Drogen zupumpen – dann sind Kaffee oder Koffeintabletten als Aufputschmittel noch Kindergarten. Allerdings scheint es mir eher so, je mehr man verbietet – desto mehr Menschen konsumieren. Zu meiner Zeit, haben alle von Gras gesprochen. Heute hört man es zumindest nicht mehr so oft. Aber eines ist auch Fakt, man muss heute Leistungsfähiger sein, denn wenn nicht dann ist es jemand anderes und der macht dann auch meinen Job. Klasse finde ich eigentlich das hier – http://samuria.de/aufputschmittel – habe es mal reinkopiert, da ich es mir in unregelmässigen Abständen mal hole und finde es eigentlich Klasse.