Einstiegsdroge Techno - Speed ist aber auch für den Arbeits-Alltag geeignet. Wir haben es uns von einem Dauer-User erklären lassen.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 120


Malte* konsumiert seit rund fünf Jahren regelmäßig Speed, derzeit etwa ein halbes Gramm am Tag. Die erste Dosis morgens zum Kaffee, den Rest während des Bürotages, der in Maltes Agenturjob oft bis 22 Uhr dauert. Seitdem er von Berlin an einen westdeutschen Medienstandort umgezogen ist, geht Malte nur noch selten feiern, obwohl er dabei Speed kennen und schätzen gelernt hat. Seine Wochenenden verbringt der Amphetamin-Addict jetzt lieber essend im Bett, um die Rhythmus-Verpeilung der Arbeitswoche zu kurieren.

De:Bug: Warum nimmst du Amphetamine?

Malte: Die ehrliche Antwort muss wohl heißen: weil mir die Wirkung gefällt. Mit der Droge fühle ich mich besser als nüchtern. Der Alltag ist spannender auf Speed, mein Sozialleben funktioniert besser, der Sex ist sehr viel besser … Zwischenzeitlich rede ich mir zwar selbst gerne ein, dass Speed auch die Produktivität steigert, aber das ist eigentlich ein Trugschluss.

De:Bug: Woran liegt das? Speed gilt doch als Arbeitsdroge?

Malte: Auf Speed hängst du nicht faul in der Ecke rum, klar. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass du auch zackig die Aufgaben erledigst, die anstehen. Wenn es dir gerade gut einfährt, verlierst du beispielsweise leicht den Faden, und dann besteht die Gefahr, dass man auf irgendeinen Blödsinn reinkippt. Die Wohnung aufräumen zum Beispiel, was ja noch halbwegs sinnvoll sein kann. Aber man wird auch wahnsinnig penibel: Du willst nur schnell die Wäsche vom Ständer nehmen, bleibst aber vor dem Kleiderschrank hängen, weil ein Hemd “verkehrt” auf dem Bügel hängt, und am Ende verbringst du eine Stunde damit, sämtliche Hemden “ordentlich” aufzuhängen, und wenn du schon mal dabei bist, schnappst du dir die Fusselrolle und entfusselst noch schnell ein paar Sachen, was dann aber drei Stunden dauert.

De:Bug: Alles klar. Die Droge übernimmt das Kommando und du folgst ihr mit der Fusselrolle?

Malte: Manchmal ist das so, ja. Speed gibt dir das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben, weil man sich gar nicht vorstellen kann, dass die Energie irgendwann wieder nachlässt. Außerdem habe ich im Speed-induzierten Ordnungswahn auch mit einer Fusselrolle Spaß. Die Droge verleiht den merkwürdigsten Dingen einen zwingenden Sinn, da kann man sich ganz schön verfransen …

De:Bug: Dann frage ich mich allerdings, wie du überhaupt was auf die Reihe kriegst, wenn du die ganze Zeit verstrahlt bist?

Malte: Die Droge übernimmt ja nicht dauernd das Kommando. Meistens habe ich das Steuer noch im Griff und lenke die Energie in sinnvolle oder angenehme Bahnen. Aber das Hauptproblem beim Arbeiten auf Speed lauert an einer ganz anderen Stelle, jedenfalls in meiner Situation: Ich lasse ein, zwei Nächte in der Woche den Schlaf aus, und ich stehe auch total darauf, morgens ins Büro zu gehen. Tage nach einer Speed-Nacht haben so ein angenehmes Flirren! Und so lange man nur eine Nacht nicht ins Bett geht, hat man eigentlich auch kein Energieproblem. Fies wird es erst, wenn ich am folgenden Abend nicht schlafen kann, was bei sehr gutem Stoff vorkommen kann, aber meistens daran liegt, dass ich noch am späten Nachmittag eine Line ziehe. In solchen Fällen wälze ich mich erst stundenlang rum, mit wirren Wachträumen und allem, bevor ich einschlafen kann, um fünf Uhr in der Früh …

De:Bug: Also musst du nach zwei oder drei Stunden schon wieder aufstehen?

Malte: Exakt. Fühlt sich wie Aschenbecher an. In dem Zustand kann ich unmöglich im Büro aufkreuzen, weshalb keine andere Möglichkeit bleibt, als mir den Kopf wieder mit Speed vollzuhauen. Damit habe ich prinzipiell kein Problem, auch nicht direkt nach dem Aufstehen. Aber ich weiß leider auch genau, wann mein Körper wieder aufnahmebereit ist und wann nicht. Ab einem bestimmten Erschöpfungsgrad macht der Körper nämlich einfach die Schotten zum Hirn dicht: Speed hält mich dann zwar noch wach, aber im Kopf flackert nur ein Testbild. Für eine Mail, die ich sonst in einer Minute runterhacke, brauche ich dann eine Viertelstunde, alle fünf Sekunden verliere ich den Faden, weil das Flackern im Kopf Schlieren zieht. Fieser Abnerv. Manchmal flackert aber auch einfach der ganze Arbeitstag an mir vorbei, ohne dass ich es mitkriege, was wiederum OK ist.

De:Bug: Aber in deinem Job kommt es doch auch mal vor, dass plötzlich ein Haufen Arbeit ansteht, der ohne Nachtschicht kaum zu schaffen ist?

Malte: Ja, und so was hat mich auch schon mehrmals im Zombie-Modus erwischt, den ich gerade beschrieben habe. Das ist jedes Mal ein Schock: Wie soll ich das bloß schaffen, mit abgenagten Nerven und ausgelutschter Batterie? Das Großartige daran ist, dass mein Hirn durch den Schock auch jedes Mal Stoffe ausgeschüttet hat, die wesentlich potenter als Amphetamin sein müssen. Ich konnte mich auf jeden Fall bisher immer irgendwie berappeln, und hinter dem Flackern gibt es noch ein Vakuum: ein ganz spezieller Zustand, in dem man beim Laufen die Füße nicht richtig spürt, weil man durch warmes Wasser schwebt. Glücklicherweise funktioniere ich gleichzeitig im Job richtig gut. Das kommt total albern, mit einem Kollegen zu sprechen, während die Beine im warmen Wasser schaukeln.

De:Bug: Ist klar.

Malte: Du hast gefragt! Aber ich weiß ja selbst, dass solche Trips ziemlich weit draußen sind, und mein Alltag sieht auch anders aus: Im Idealfall nehme ich zwischen 17 und 20 Uhr die letzte Nase und kann zwischen eins und drei einschlafen. Dann kriege ich genug Schlaf und muss das Speed nicht zum Überleben nehmen, sondern weil es mich kickt. Außerdem habe ich gelernt, auch ohne Hunger regelmäßig zu essen, was ebenfalls wichtig ist, wenn man noch Spaß haben will mit der Droge. Wenn die Sache trotzdem mal wieder aus dem Ruder läuft und ich mehrere Nächte kaum Schlaf kriege, geht halt mein Wochenende für eine Blitzkur drauf: Dann verlasse ich von Freitagabend bis Montagmorgen mein Bett nur, um zum Kühlschrank zu gehen oder dem Pizzaboten aufzumachen. Wochenende bedeutet aber sowieso, dass ich nicht unbedingt Speed nehmen muss.

De:Bug: Also genau das Gegenteil des Üblichen, nach dem man sich am Wochenende schon mal die Kante geben kann. Womit wir bei der Sozialverträglichkeit deines Speed-Gebrauchs wären: Wie reagiert dein Umfeld darauf?

Malte: Gar nicht. Weil so gut wie niemand weiß, was ich mir so einpfeife. Ich bin eigentlich kein Fan dieser Heimlichtuerei, aber die meisten Leute reagieren ziemlich negativ auf Speed. In meinem Arbeitsumfeld ist das Thema jedenfalls tabu, seitdem ich auf Firmenpartys mal ein bisschen vorgefühlt habe: Koksen ist kein Problem, das machen viele beim Feiern. Bei Ecstasy wird es schon kritischer, dafür haben Leute über 30 meistens kein Verständnis, scheint eine Generationsfrage zu sein. Und Speed ist für ganz viele Menschen richtig böse, auf einer Weihnachtsfeier hat mir ein Abteilungsleiter mal erklärt, wie Speed das Hirn zersetzt … während wir auf dem Klo waren, um sein Koks zu ziehen. Als ich noch in Berlin gewohnt habe, lief das beim Raven genau umgekehrt: Koks war als Egotrip-Droge verpönt, Speed war völlig selbstverständlich. Täglich Speed zu nehmen, wäre mir damals aber nicht eingefallen. Mein Dauerkonsum hat sich erst entwickelt, seitdem ich nach dem Studium zu Arbeiten begonnen habe.

De:Bug: Kommen mit den Jahren auf Droge keine gesundheitlichen Probleme auf?

Malte: Eigentlich nicht. Wobei ich natürlich nicht weiß, wie fit ich wäre, wenn ich das ganze Zeug nicht genommen hätte. Aber ich habe das auch schon mehrmals abgesetzt, dazu brauche ich eigentlich nur eine Woche Urlaub, in der ich hemmungslos schlafen und essen kann. Da schlägt das Pendel nämlich erst mal gründlich zurück, bis sich mein Empfinden für Hunger und Müdigkeit wieder einpendelt. Danach kann ich ganz normal meinem Leben nachgehen, nur dass nach und nach eine große Langeweile aufkommt. Da nehme ich doch lieber Speed. Ich mag das Zeug einfach.


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Elektronische Lebensaspekte.

5 Responses

  1. Daniel

    Irgendwie ist der Beitrag geschmacklos. Interessant waere ein Review von “Malte” in 10-15 Jahren, vorausgesetzt er ist bis dahin nicht an Nierenversagen gestorben oder hat noch genuegend Zaehne zum Sprechen ohne einen dabei anzuspucken. Ich habe viele Speedmonster gesehen in meinem Leben und habe auch selbst nur noch die Haelfte meiner Zaehne, aber sobald “Malte” sein 30stes Lebensjahr erreicht hat, wird auch er merken, dass Spass nicht alles im Leben ist; spaetestens nach dem ersten richtigen Nervenzusammenbruch. Viel Spass dabei! jm2c

  2. Jennii

    Ja endlich mal ein Beitrag der komplett der Wahrheit entspricht. Mir geht’s genauso und ich kann das alles zu 100 Prozent bejahen.

  3. Mary

    Ich fühle mich auch so, mache genau dasselbe und dachte ich wäre die einzige. Kann sich bitte jemand mit mir in Kontakt setzen zwecks austausch? LG

  4. jil

    wenn nur mehr jungs so wie malte wären? 😉 i like!!

  5. Diedieimmerlacht

    Ich wills jetzt nicht groß feiern, aber offensichtlich ist malte in der Lage grammatikalisch korrekt und durch durchdachte und reflektierte Metaphern seinen aktuellen Konsum zu schildern, was jetzt nicht unbedingt auf die totale Zersetzung des Gehirns schließen lässt. Offensichtlich ist er in der Lage, sein lebenskonzept auf Speed zu leben und er schadet letzten Endes ausschließlich sich selbst, was man von vielen Nicht-Konsumenten nicht behaupten kann. Deswegen finde ich urteilende Kommentare völlig unangebracht.
    Ich selbst kenne einige Menschen, die trotz oder gerade wegen ihres Konsums Ich wills jetzt nicht groß feiern, aber offensichtlich ist malte in der Lage grammatikalisch korrekt und durch durchdachte und reflektierte Metaphern seinen aktuellen Konsum zu schildern, was jetzt nicht unbedingt auf die totale Zersetzung des Gehirns schließen lässt. Offensichtlich ist er in der Lage, sein lebenskonzept auf Speed zu leben und er schadet letzten Endes ausschließlich sich selbst, was man von vielen Nicht-Konsumenten nicht behaupten kann. Deswegen finde ich urteilende Kommentare völlig unangebracht.
    Ich selbst kenne einige Menschen, die trotz oder gerade wegen ihres Konsums generell mit den Umständen nicht ganz so zufrieden und gestalte mir deswegen mein Leben so, dass ich oft Entscheidungen treffe, die den Konsum oder auch nur den Zugang zum Konsum absolut unterbinden bzw unmöglich machen, um mir so immer wieder zu beweisen, dass das Leben auch ohne lebenswert ist und keine absolute Abhängigkeit besteht.
    An all die Kritiker oder hasskommentar Verfasser, die ihr Leben dem Alkohol, koks oder weed verschrieben haben, auch Amphetamine haben ihren Platz in der Gesellschaft und das schon lange, es gibt dramatische Beispiele, aber auch ganz normale Leben die damit geführt werden. Die Lektüre “Speed-eine Gesellschaft auf Droge” ist ein lesenswertes Buch, dass einen Querschnitt durch die Gesellschaft letzten hundert Jahre bietet und berühmte Personen, sowie den Werdegang dieser Droge unter die Lupe nimmt.
    Denn letzten Endes muss jeder Mensch für sich selbst verantworten, was er sich zumutet, solange Mitmenschen dadurch nicht negativ belastet werden.
    Im übrigen kenne ich auch einige vegan-empathische gutmenschen, die psychologisch und soziologisch die Weisheit morgens in ihren Gluten und laktosefreien Latte macchiato rühren und trotzdem ihrem 6 jährigem Sprössling, dessen völlig normaler Aktivitätsdrang als ADHS diagnostiziert wurde, ritalin füttern.
    Also bitte, überdenkt die ein oder andere Aussage, die einfach nur pauschal getroffen wurde, denn wie in allen anderen Lebenslagen kommt es immer auf die Perspektive an. Und gerade bei Amphetamingruppen auch ein bisschen darauf, ob es dir dein Arzt verschreibt, du es deinen Kindern gibst oder dir selbst beim Dealer um die Ecke kaufst. Das Leben ist nun mal nicht schwarz oder weiß!