Die vollsynthetische Substanz Amphetamin überwindet nicht nur die subjektive Langsamkeit, sondern auch die Zeit.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 120


Amphetamin ist eine vollsynthetische Substanz, ohne natürliche Vorkommen. Dass die Plastikdroge meistens “Speed” genannt wird, ist gleichzeitig treffend und irreführend: Der Stoff überwindet nämlich nicht nur die Langsamkeit, sondern auch die Zeit (aus der subjektiven Nutzerperspektive, versteht sich). Kurzfristige Energieschübe verschafften sich Menschen aber bereits mit zahlreichen anderen Drogen, unter anderem mit Kokain, das man als halbsynthetischen Amphetamin-Vorläufer bezeichnen kann.

Speed versetzt den Nutzer zunächst in einen atavistischen Kampf- und Fluchtmodus, Hunger, Müdigkeit und Erschöpfung werden ignoriert, alle Sinne scheinen aufs äußerste geschärft, im Hirn formieren sich Gedankenströme, die vom Nutzer als besonders klar und überzeugend empfunden werden.

Anders als bei anderen Aufputschmitteln hält die Wirkung von Speed auch bei einmaliger Einnahme sehr lange an, scheinbar mühelos kann eine Nacht auf Schlaf verzichtet werden. Der biologische Rhythmus aus Wach- und Schlafphasen wird damit außer Kraft gesetzt, der gleichbleibende Zustand äußerster Präsenz erscheint dem Nutzer natürlich und unendlich, das Verrinnen der Zeit betrifft ihn scheinbar nicht mehr.

Amphetamin ist aber nicht nur ein Kunststoff mit großer Wirkung auf das menschliche Gehirn, sondern auch die Basis für zahllose andere Stoffe. Diese Varianten werden zusammen als Amphetamine bezeichnet, ihre Wirkung unterscheidet sich teils kaum, teils deutlich von der der Stammverbindung. Das bekannteste Amphetamin-Devirat ist 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin, kurz MDMA, das meistens in Form von Ecstasy-Pillen hergestellt wird (in der Praxis finden sich in E’s allerdings auch noch zahlreiche weitere Amphetamine).

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Elektronische Lebensaspekte.