Text: Renko Heuer aus De:Bug 78

Hollywood ist auch nur eine Stadt unter anderen

“Ein Musikvideo kann alles sein – alles, was drei Minuten dauert. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich keinem Schema folgen muss.” Mit dieser Einstellung hat Spike Jonze aka Adam Spiegel, nicht nur die Welt der Musikvideos revolutioniert. Ganz nebenbei hat er auch Hollywood mit Meilensteinen (“Being John Malkovich”, “Adaptation”) beworfen und sogar das für Außenstehende eher uninteressante Genre “Skatevideo” um coole Kunstfilme (z.B. “Mouse” ) bereichert. Seinen Durchbruch hatte der inzwischen 34-Jährige mit “Sabotage”, dem Verfolgungsjagd-Video der Beastie Boys, wobei die Idee, auf der das Video basiert, schon in seiner Jugend ein Klassiker war: “Als ich in der Schule war, sind wir gerne in Trenchcoats rumgerannt und haben so getan, als wären wir Undercover-Cops. Zehn Jahre später haben wir einfach diese Idee mit den Beasties aufgenommen, nur dass wir dabei viel professioneller herangegangen sind.”
Seine Stationen als BMX-Profi, als Fotograf für Skateboardmagazine oder als Stuntfahrer für das “Grand Royal”-Magazin sind für Jonze ganz und gar nicht vergessen. Er ist davon überzeugt, dass man seinen Interessen aus Kindheit und Jugend nur schwer entkommen kann. So kam es, dass er trotz verlockender Hollywoodbudgets oder Videos für große Künstler wie Björk, die Chemical Brothers, Dinosaur Jr., Fatboy Slim und R.E.M. stets genügend Zeit für Dinge mit kleinerem Budget hatte: Kurzfilme mit Skaterkollegen Mark Gonzales, eine Dokumentation über das Schicksal von Pharcydes Fatlip, jede Menge Skatevideos oder die Mitarbeit an seiner eigenen Firma: Girl Skateboards.
Grenzüberschreitungen sind durch die Vielfalt der Einflüsse vorprogrammiert: Ob gerade Skater zu Charlie Chaplins gemacht oder Hollywoodstars mit einem Skater-Blick betrachtet werden – wichtig ist einzig und allein die Idee. Eine Idee, die er im Team realisieren will. Jonze kann heute für P.Diddy arbeiten, eine halbe Million Dollar ausgeben, dann Jahre an einem Filmprojekt verbringen, er wird aber schließlich zu seinen Rollbrettkollegen zurückfinden, um nachts seine Lampen und Kameras an Treppengeländern aufzubauen: “Ich halte Hollywood nicht für die letzte Stufe, die man nehmen kann. Es ist nicht so etwas wie das Ende der Straße, weil ich einfach viel zu viele Dinge in mir trage, die in ganz unterschiedlichen Bereichen liegen. Davon kann manches gut sein für einen Film, während andere Ideen eher für ein Skatevideo, ein Musikvideo oder einfach nur eine Kurzgeschichte geeignet sein können. Ob in Hollywood oder auf dem Bürgersteig – ich versuche, auf die gleiche Weise damit umzugehen: Das habe ich vor – wie können wir‘s machen? Als Schauspieler ist Nicholas Cage für mich da ein ganz gutes Beispiel. Sicher der große Filmstar, aber andererseits ist er voll dabei, egal wie verrückt die Idee ist, die ich ihm gerade abverlange. Er ist keine Diva, weil er ein Movie-Star ist – er ist eher wie ein Skater.”

INFO

Texte zu Chris Cunningham und Michel Gondry

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Elektronische Lebensaspekte.