Duncan Bustos Sound war schon immer so vielfältig wie anders. Zehn Jahre, unzählige 12"s und ein eigenes Label lang hat es gedauert, bis er sein Debut Puzzlebox releast hat – und endlich kann man ihn fassen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 96

Drum and Bass ohne Tellerrand

Drum and Bass macht einem immer wieder vor, es gäbe nur zwei gegensätzliche Strömungen. Zurzeit sind das immer noch Liquid und “diese andere Musik”, wie Liquid-Leute sagen würden. Stimmte natürlich nie so ganz und eigentlich war Drum and Bass auch immer sehr gut darin, neue Subgenres für alles Mögliche und einen neuen Sound für einzelne Leute und Crews zu erfinden. Nur nimmt das schon seit sehr langer Zeit kaum einer wahr, der nicht drin steckt, denn seit vielleicht zwei Jahren sind wir endlich auch in der Zeit angekommen, wo Drum and Bass seine eigene Geschichte ständig wieder aufleben lässt. Nicht nur in der Form von Oldschool, sondern auch im Auflegestil verschiedenster Leute beobachtet man immer wieder, dass die Zeit der Dubplates, des Zwangs, immer die neusten Tracks spielen zu müssen, lang vorbei ist. CDRs haben daran einen großen Anteil. Aber auch Leute, die sich über die Jahre hin immer wieder auf einen Sound konzentriert haben, der sich nie den jeweils gängigen Mainstream-Varianten von Drum and Bass beugen wollte, wie eben Spirit.
Spirit aka Duncan Busto begann damals auf Digitals Label “Fresh 86” Mitte der 90er. Später wurden die beiden auch als Digital & Spirit ein Produktions-Team. Das Label “Phantom Audio” betreiben sie seit 98 zusammen. Seitdem kommt von Spirit ein ständiger Strom von 12″es. Sein musikalischer Background lief über Ska hin zu Dingen wie Cabaret Voltaire von Elektro zu Hiphop und über Rave zu Detroit und Bleepsounds, was er in den frühen 90ern aufgelegt hat und wobei man ihn immer noch erwischen kann, sogar bei seinen Drum-and-Bass-Sets rutscht ihm immer noch ab und an ein Technotrack dazwischen. Zehn Jahre, unzählige Tracks auf über 30 verschiedenen Labeln und erst jetzt erscheint sein Debut-Album. Soetwas kann nur in Drum and Bass passieren, wo es schon immer nur um einzelne Tracks ging. Dabei hätte “Puzzlebox” auch schon früher passieren können. Denn schließlich läuft sein eigenes Label “Inneractive”, auf dem das Album erscheint (als eine Serie von 12″es natürlich, aber auch als CD) auch schon seit drei Jahren. Aber Drum and Bass funktioniert seit Ewigkeiten schon in einem Wurmloch, mit ganz eigenen Gesetzen, und je mehr man sich denen widersetzt, desto seltsamer entwickelt sich innerhalb dieses Wurmlochs auch die Zeit. Wie kann man den Sound von Spirit fassen? Vielleicht kaum, vielleicht nur dadurch, dass man einfach weiß, das klingt nach Spirit. Denn er kann ebenso hart und kompromisslos mit den gewaltigsten Basslines und Ravesignalen aufwarten, wie komplexe und vertrackte Breaks zusammenbringen. Aber wer durch Puzzlebox durch ist, der wird wissen, was Spirit ist, und seinen Sound ebenso wie den von Digital, Dillinja, Paradox und einigen anderen sofort heraushören. Spirit ist ein Drum-and-Bass-Genre, eine Musik durch mindestens 15 Jahre Geschichte zu einem ganz persönlichen Sound geschliffen, mitten in einem Genre, in dem man dazu gebracht wird, sich immer tiefer in seinen eigenen Sound festzubohren und in dem dadurch eine neue Art von horizontaler Genregeschichte geschrieben werden kann. Puzzlebox ist eben einfach ein Killer.

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Elektronische Lebensaspekte.