Einer guckt von rechts auf den Bildschirm, die andere von links – und sie sehen völlig unterschiedliche Filme. Das ermöglicht der LCD-Splitscreen, den Sharp gerade entwickelt hat.
Text: Clara Völker aus De:Bug 96

Nächste Generation Splitscreen
SHARP LCD

Je nachdem, wo man sich befindet, sieht die Welt anders aus. Dass so ziemlich alles eine Frage der Perspektive ist, haben die meisten Displays bisher ignoriert und einen Standortwechsel höchstens mit Flackern quittiert. Das ist jetzt anders, denn Sharp hat gerade einen LCD rausgebracht, der simultan zwei verschiedene Ansichten zulässt. Je nachdem, von wo aus man auf den Monitor blickt, bekommt man ein anderes Bild zu Gesicht. Natürlich in allerbester Qualität und optional kann man sich auch auf nur eine Ansicht einigen. Diese fantastische und dem Zeitgeist der Vereinbarkeit von einst verschiedenartigen Gesichtspunkten entsprechende Technologie ist vielseitig einsetzbar: nicht nur für Couchbeziehungen, bei denen der eine lieber Fußball und der andere lieber Soaps gucken möchte, man die gemeinsame Couch dazu aber nicht verlassen möchte, sondern auch für sinnvollere Anwendungen wie Fahrzeuge, in denen der Fahrer das Navigationssystem und der Beifahrer eine DVD sehen kann, sowie Werbung, die den Ort bzw. die Richtung, aus der die Passanten kommen, mit einbezieht und natürlich dem alten Traum der Kombinierbarkeit von TV und PC. An dieser Technologie sieht man auch ganz gut, dass zwar das Bild die Schrift mehr und mehr verdrängt hat, das Akustische dabei jedoch weitgehend außen vor bleibt. Denn wie soll man zwei verschiedene Filme gleichzeitig in einem Raum auf einer Oberfläche sehen können, ohne sich dabei zwangsweise auf eine Tonspur einigen zu müssen, um die Orientierung nicht in einer undefinierbaren Geräuschmasse zu verlieren? Die Lösung sind entweder Kopfhörer, die das Prinzip des geteilten Displays für diese Anwendung etwas obsolet erscheinen lassen, oder aber, wesentlich fortschrittlicher, personalisierte Audiospuren, die ohne abzuschotten nur die Person erreichen, die sie hören will. Ein Fall für die Tonforschung. Bis Bild und Ton auch technisch als Symbiose gedacht werden, beobachten wir mit Spannung den Fortschritt in der Bildhandhabung.

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Elektronische Lebensaspekte.