Text: erik benndorf aus De:Bug 02

Wann hast Du Staalplaat gegründet?

Es war 10 Uhr an einem Donnerstag im Jahre 1965, und es war Winter, und dann habe ich meinen Entschluß gefaßt, aber festgestellt, daß die Zeit noch nicht reif war. 1981 war die Zeit dann gekommen.

Wie und besonders warum wurde Staalplaat gegründet?

Warum wandeln Menschen auf der Erde, warum tun wir, was wir tun? Ich weiß es nicht, und wenn du meinst es zu wissen, glaube ich dir nicht. Wie? Wir haben einen Laden besetzt, indem wir die Tür aufgebrochen haben. Ich hatte ein selbstgezeichnetes Poster, auf dem Staalplaat stand, ein open/closed-Schild, zehn Platten und eine leere Zigarrenbox fürs Geld.

Wie kamst Du auf den Namen “Staalplaat”?

Es klingt ziemlich stark und wuchtig, hat aber keine Bedeutung. Der Name ist also offen und zeitlos.

War Staalplaat von Anfang an als Label, Laden und Distributionssystem geplant?

Nein, nichts war geplant. Wir sind da reingewachsen. Wir haben als Laden begonnen, haben dann Konzerte organisiert, haben unsere Radiosendung bekommen und angefangen, Musik zu veröffentlichen. Nichts war geplant, und so ist es immer noch. Wir planen überhaupt nicht.

Was hat Dein Interesse an experimenteller, elektronischer Musik geweckt?

Wir waren an experimenteller, elektronischer Musik gar nicht interessiert, sonder in Kassettenmusik. Es hat sich dann so ergeben, daß viel experimentelle, elektronische Musik drauf war.

Ist Staalplaat neben dem Laden, dem Label und dem Vertriebsnetz in anderen Bereichen tätig?

Ja, wir tun, was immer wir tun wollen. Zur Zeit arbeiten wir an einer neuen website und an Festivals. Außerdem gibt es acht Bands mit Staalplaat-Mitgliedern.

Welche sind die Veröffentlichungen, auf die Du am meisten stolz bist?

Hmm, schwer. Einige sind sicherlich grafische Meisterstücke. Aber ich denke, Du sprichst von Musik. Das variiert; Ich bin stolz auf einige Veröffentlichungen, die wir ohne viel Hoffnung auf Erfolg herausgebracht haben. Aber ich fühle mich am wohlsten, wenn ich das ganze Werk betrachte. Nimm zum Beispiel die Sonderangebot-CD (sorry, ausverkauft). Darauf bin ich stolz.

Gibt es Veröffentlichungen, bei denen Du im heute sagen würdest, daß Du sie bedauerst, veröffentlicht zu haben?

Nein, nicht wirklich. Machmal pressen wir zu viel Exemplare und haben sie dann am Hals.

Wer arbeitet heute für Staalplaat?

Nicht wichtig. Darauf will ich nicht eingehen.

Gibt es Labels, mit denen Du besonders kooperierst?

Wir haben normale Kooperationen mit Multimood, Side Effects etc., und wir besitzen u.a.: Lab Records, Barooni, Container. Unsere Zusammenarbeit mit Soleilmoon sieht etwas spezieller aus: wir haben die selben Bands unter Vertrag, und diese Verträge sind zwischen uns dreien abgeschlossen. Soleilmoon und wir haben den selben Geschmack und die selbe Einstellung. Wir vertrauen einander.

Wie war es Deiner Meinung nach möglich, Staalplaat zu dem großen Unternehmen zu machen, das es heute ist?

Woher soll ich das wissen? Richtige Zeit und richtiger Ort womöglich.

Nach welchen Kriterien beurteilst Du ein Tape von einem unbekannten Musiker, der auf Staalplaat veröffentlicht werden will?

Es gibt keine Kriterien, das Unbeurteilbare zu beurteilen. Es beruht auf instinktivem Gefühl und Verstand.

Siehst Du eure Veröffentlichungen in irgendeiner Hinsicht als subversiv an?

Überhaupt nicht. Das klingt politisch, und ich HASSE Politik.

Wie ist Deine persönliche Beurteilung der Entwicklung experimenteller Musik vom Zeitpunkt des Beginns von Staalplaat bis heute? Gibt es Bands, Aspekte o.ä., die Du heutzutage vermißt?

Wir tun das seit 15 Jahren, und ich glaube, daß das zu kurz ist, um eine Entwicklung zu sehen. Ich vermisse nichts. Das würde nach Nostalgie riechen: the old days, man, the old days…

Fühlst Du dich in irgendeiner Weise für die Musiker und Musikerinnen, denen Du die Chance gibst, ihre Musik zu veröffentlichen, verantwortlich? Ich meine, viele unter ihnen würden ohne Staalplaat wohl immer noch zu Hause sitzen und ihre Musik spielen, ohne die Gelegenheit, Leute wissen zu lassen, was sie eigentlich tun. Diese Frage impliziert auch, wie Du eure Rolle im weltweiten, experimentellen Musikbusiness ansiehst.

Nein, ich fühle mich keineswegs verantwortlich. Das würde eine vaterähnliche Rolle implizieren. Wir glauben, daß es die Rolle von Staalplaat ist, vorne zu sein (Avantgarde in seiner ursprünglichen Bedeutung). Wir wollen, daß Staalplaat eine Plattform für neue Entwicklungen und Bands ist, was aber nicht aus einem sozialen Gefühl heraus geschieht, sondern eher aus einem Kunstinteresse und unserer Liebe zur Musik.

Deine nächsten Pläne?
Lebendig und aktiv zu bleiben.

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Elektronische Lebensaspekte.