Text: daniela künne [DanielaSolveig@gmx.net] aus De:Bug 36

business Glossar neuer Firmenformen Agentur: Stilistisch vereinheitlichte Gruppe von Menschen mit sektenähnlicher Sozialstruktur. Bestehen darauf, keine Werber zu sein, sondern Multimedia-Experten. Hauptgeschäft: Kunden haben. Diesen dann durch Benchmarks den USP (unique selling point) definieren, um dem Markenkern daraufhin ein neues, meist emotionalisiertes Image zu verpassen. Fusion: Clusterung von Kapital und Ressourcen verschiedener Firmen, die sich eh den selben Markt teilen. Resultat: Aktien gehen nach oben, Sozialverantwortung gegenüber den Mitarbeitern sinkt. Was die aber nicht stört, denn sie sind ja längst share holder (–> share holder). Diese Form der Firmenverklumpung wurde bereits 1849 als Monopolkapitalismus definiert. Heisst: der Hauptanteil der Produktionsmittel ist bei relativ wenigen Kapitaleignern konzentriert, so dass die freie Konkurrenz ausgeschaltet bleibt, und dadurch die Gewinnchancen der Kapitaleigner erhöht werden. Incubator: Ein neuer Firmentyp, der ein Wirtschaftsbrutkasten ist. Helfen start ups (–> start up) ihr venture capital (–> venture capital) so zu verbraten, dass der revenue stream gross genug wird, um 2001 an die Börse zu gehen. In New York natürlich. Im Unterschied zu Unternehmensberatungen geben sie aber nicht nur kluge Ratschläge, sondern stellen Experten zur Verfügung, die praktisch so lange mitarbeiten, bis das Kleine selbst laufen kann. IPO Heisst: Initial Public Offering. Öffentliche Erstemission von Anteilen junger und mittelständischer Unternehmen. Sozusagen die abstrakte Materialisierung des Unternehmes an der Börse durch das erste öffentliche Angebot seiner Aktien am Primärmarkt. Zur Zeit erklärtes Ziel aller Unternehmensgründer. Solche, die es schon haben, wollen es für New York. Scheint sogar den Mitarbeitern ein erfolgreiches Gefühl zu suggerieren. Start Ups: Neue Firmen, entstanden im Zuge des herrschenden Gründungsfiebers. Meist mit venture capital (–> venture capital) gesponsored. Dabei kommt es vor allem darauf an, die mehr oder weniger windige Geschäftsidee – hat meist was mit “dem Internet” zu tun – so darzustellen, dass auch andere zu der Überzeugung gelangen, dass hier ein erfolgreicher IPO (–> IPO) nahezu unvermeidlich ist. Share Holder: Besitzer von Aktien. Mensch, der genug Geld übrig hatte, um es “anlegen” zu können. Heutzutage nicht mehr in Goldbarren, sondern gern in Aktien, d.h. kleine Urkunden, die ein Miteigentumsrecht an einer Aktiengesellschaft verbriefen. Der Nennwert aller ausgegebenen Aktien eines Unternehmens zusammen ergibt das gezeichnete Kapital (Teil des Eigenkapitals) der Gesellschaft. Ist der Aktionär gleichzeitig Mitarbeiter der Firma führt das zu einer seltsamen Neuausrichtung seiner Interessen. Die Verlängerung der eigenen Arbeitszeiten und die Kürzung der Sozialausgaben liegt fortan sozusagen in seiner eigenen Absicht. Clever. Venture Capital: Risikokapital. Der Deal geht so: Jemand hat eine tolle Gründungsidee, aber kein Geld und bekommt daraufhin von jemandem, der Geld hat (z.B. Banken oder andere Firmen) Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Ohne die lästigen Nebenwirkungen eines Kredits. Im Gegenzug gibt der Neugründer Anteile seiner Firma ab. Die Investitionssumme muss nicht zurückgezahlt werden. Der Investor verkauft stattdessen seinen Anteil nach einigen Jahren wieder Ð am liebsten über die Börse. Was den Zugzwang von Start Ups (–> start up) zum IPO (–> IPO) erklärt. Um das Ganze etwas abzusichern, stellen die Beteiligungsgesellschaften häufig Experten zur Verfügung. Was wiederum zur Entstehung von Incubatoren geführt hat (–> Incubator).

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Elektronische Lebensaspekte.