Mit Steve Reich im Hinterkopf und analogen, charakterstarken Instrumenten an ihrer Seite richten sich State River Widening nun neu ein im Hause der Indietronics. Auf dem mittlerweile dritten Album scheint sich das Duo neu gefunden zu haben. Ganz ohne verkopfte Konzepte und vor allem mit viel Ruhe entstand ein Album voll subtiler Eleganz.
Text: René Margraff aus De:Bug 87

State River Widening
Flow Motion

State River Widening haben sich auf ihrem dritten Album endgültig von den Vorgaben eines Konzeptes verabschiedet. Keiron Phelan und David Sheppard lassen auf “Cottonhead” Steve Reich und das Penguin Café Orchestra anklingen, setzen sich zwischen Gamelan, Folk und Post-Irgendwas. Waren sie früher noch recht postrocky, dominieren nun noch mehr die Akustikgitarren und hypnotischen Rhodes-Motive, allerlei plinkernde Xylo- und Vibraphone umspülen uns und kreieren einen, ächz, “Ocean of Sound”. Wer einlullende Musik nicht mag, Ambientes lieber akademisch und trocken hat, ist hier genauso falsch wie bei März oder Tonetraeger: State River Widening generieren Soundscapes und Songs, die scheinbar “in sich ruhen”. Ihr bevorzugtes Studio nennt sich, klar, “Keep Calm”. David Sheppard jedoch ist sich dessen gar nicht so recht bewusst und wiegelt ein wenig ab. “Du sagst ruhig und glücklich … So möchte sich doch fast jeder fühlen, oder? Ich kann das mit Bezug auf unsere Musik allerdings nicht erklären, wir machen uns da keine Gedanken. Außerdem mag ich auch sehr kaputte und atonale Musik recht gerne.“
Die Arbeitsweise von State River Widening kennt keine VST-Plugins, doch Konservatismus-Vorwürfe werden von David recht charmant entkräftet: “Ein Großteil der Platte wurde zu Hause auf der Gitarre komponiert, im Studio haben wir dann verschiedene Spuren übereinander gepackt und dabei hauptsächlich analoge Instrumente verwendet. Wir nahmen mit dem Mac auf, aber abgesehen von einigen digitalen Edits hätten wir es genauso gut auch mit einer 16-Spur-Bandmaschine realisieren können. Wir haben eine Schwäche für diese alten, analogen, charakterstarken Instrumente und das sehe ich eigentlich fast schon als radikalen Ansatz, wenn man mal hört, welche Musik wir damit machen. Diese ganzen Glitch-Elektronika-Typen, die sich alle gleich anhören finde ich da wesentlich konservativer.“
“Cottonhead” klingt auch ein wenig wie eine Fortsetzung der beiden analogen, verklimperten Ambient Maxis, die vor einigen Jahren auf Rocketgirl erschienen sind und nur die Namen Keiron Phelan und David Sheppard trugen. Beats oder Schlagzeug gab es damals nicht, so weit der offensichtliche Hauptunterschied zu State River Widening. David ist, was seine musikalische Identität angeht, sowieso mehrgleisig unterwegs, gibt dabei aber auch zu, dass gerade zwischen den ambienten Sachen und State River Widening einige Gemeinsamkeiten bestehen: “Die Unterschiede scheinen langsam wirklich zu verschwinden. Oder anders gesagt: Es erscheint nicht mehr so wichtig, bestimmte Sachen nicht zu machen oder sich einzuschränken. Es kommt alles von uns, ist aber immer etwas anders verpackt. Keiron und ich setzen zur Zeit ein neues P/S Album für das Leaf-Label zusammen, dass auch wieder eine ganz eigene Aura umgibt. Bisher gibt es da auch noch keine Drums drauf, also vielleicht ist das tatsächlich der Hauptunterschied. Ich habe zudem gerade zusammen mit Pete Astor ein neues Ellis Island Sound Album mit vielen akustischen Instrumenten, Drums, etc. fertig gestellt. Die Platten, die ich mache, leben alle im gleichen Haus, es macht aber eben sehr viel Spaß die Möbel ab und zu mal umzustellen.”

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Elektronische Lebensaspekte.