Killer-Apps der Selbstoptimierung, freiwillige und unfreiwillige

Was ist ein ordentlicher Selbstverbesserer ohne eine Handvoll Killer-Apps und Gadgets? Deshalb hier eine Vorstellung der (gelegentlich unfreiwillig skurrilen) besten Tools für die Körper- und Geist-Kontrolle.

80 Bites

Wir essen zuviel. Unser Magen muss dringend optimiert werden. 80 Bites ist eine Art BPM-Zähler für Mahlzeiten, bei jedem Bissen tippt man (nicht sonderlich Kalorienverbrauchend) ein Mal auf das Ding. Wer eine genauere Analyse des eigenen Essverhaltens, jenseits der Menge an Happen, die man nungegessen hat, haben will, zahlt für’s Abo. Herrlich, Win-Win! Wer mehr für sein Abo zahlt, hat auch weniger zu Essen. PS: Für die Wasseraufnahme gibt es eine Snapshot-App namens Waterlogged.

Meal Snap

Für den kalorienbewussten, und nicht so Magentraining-orientierten Nahrungsmittelselbstüberwacher gibt es ein paar Apps, die auf Schnappschuss mit einer Kalorien-Info zum zu verspeisenden Zeug kommen. Klingt wie pure Magie, vor allem wenn man bedenkt, dass man eh oft genug schlimm unidentifizierbares Kuddelmuddel in sich reinsteckt. Aber hey, nichts was ein paar mechanische Türken (no offense) nicht regeln könnten.

Mealsnap

Runkeeper / Runtastic

Lauf dir den Schweiß von der Seele. AGPS weiß eh, wo du bist. Und nichts motiviert einen mehr, als ein paar Freunde auf derTimeline, die deine Galopp-Orgien gleich mittracken. Die Hardware-Orgie folgt natürlich auch, und ja, neue Smartphones werden auch immer genauer im Verfolgen selbst der
kleinsten Bemühungen, die Wampe wegzuschmelzen. Die bekommen sogar eigene stromsparende Chips dafür (Moto X, iPhone 5S). Selbst ein lahmer Lauf zeigt immer noch, dass man bereit ist, sich und seine ganz persönliche Defiguration dem Schampranger der Bemitleidung zu stellen, selbst das bringt soziale Punkte.

Nike+

Der Klassiker unter den Lauf-App-Hardware- Konstellationen. Laufen mit App- und Schuhfeedback, Gamification für alle, Nike-Fuel-Boni, elf Milliarden verbrannte Kalorien weltweit und jetzt auch mit Kinect für das perfekte Indoor-Training in Kombination mit XBox 360, die selbst das Wohnzimmer zur globalen Sportarena macht. Persönliche Trainer in 3D sind obendrein eine wahre Augenweide. Dagegen waren Jane Fondas Aerobic-Videotapes echt lame. Und nach der erfolgreichen Stunde Nike+ Kinect-Fitness kann man dann auch nahtlos den Rest der Nacht mit gutem Gewissen vor Halo 5 verbringen.

nikeplussprtswatch

Lift

Klingt schon so optimistisch. Lift ist der Allrounder unter den “Härter, schneller, weiter”-Apps. So eine Art Mischung aus Aufgaben-Kalender und Gamification nebst hübscher Datenvisualisierung selbst für Dinge wie: Oma schon angerufen? Natürlichmit Überwachung durch Peerpressure und Experten. Irgendwie GTD, irgendwie Spiel, irgendwie alles. Was will man mehr? Der Claim jedenfalls – “Succeed at everything” – ist unschlagbar.

Sleep Cycle

Gesundschlafen statt mit ständig neuen Aufgaben der unüberschaubaren Selbstverduftungs-Apps noch mehr Stress erzeugen? Mit Sleep Cycle kein Problem. Die App analysiert die Schlafzyklen. Befindet man sich außerhalb der REM-Phase (Rapid Eye Movement), in der das Aufwachen für den Körper am besten ist, weckt sie einen. Aber jetzt seid ihr bestimmt schon selber eingeschlafen.

23andme

Der Witz von den inneren Werten geht ja in etwa so, dass man bei OKCupid auch keine Röntgenbilder von sich veröffentliche. Für die potenzielle Partnerwahl viel aussagekräfter wären die Gen-Wettscheine, die einem 23andme ausstellt, nachdem man ihnen eine Speichelprobe und 100 Dollar schickt. Denn mit dem eigenen Genom ist nicht zu spaßen.

Saliva

emotive insight

200 Dollar und wir können unseren Hirnströmen beim Wobbeln zuschauen.
Das ist das Versprechen dieses Low-Cost-Hirnscanners. Die Demokratisierung der Hirnforschung, nennt das Erfinderin Tan Le. Die Scientifizierung der Ausredenerfindung, vermuten wir: Kann nicht, hab Beta-Chaos.

Evotiv-Insight

Office Yoga

Der Spaß für das ganze Büro. Nichts ist amüsanter als Menschen im Büro dabei zuzusehen, wie sie ihren Stress mit 75 Yogaposen selbst während dem Telefonieren auf ein meditatives Level runterschrauben. Lang lebe der sterbende Schwan. Oder sind wir im falschen Ausdruckstanz-Genre?

Selfcontrol

Dein Feind ist nicht dein lümmelnder Körper, sondern das Internet? Kein
Problem. Selfcontrol lässt einen verführerische Webseiten für eine bestimmte Zeit sperren, bis man endlich den ganzen anderen Kram erledigt hat. Nur für PCs, aber Open Source, das heißt die App fürs Smartphone könnt ihr euch selber coden, aber nur wenn ihr unseren letzten Tipp beherzigt.

Codeacademy

Lasst euch nichts einreden. Es gibt zehn Milliarden Hirnverbesserungs-Apps. Die einzige, die was taugt, ist nicht mal eine App, sondern eine Website und heißt Codeacademy. Hier kann man lernen, wie man Apps selber programmiert. Nichts ist besser fürs Gehirn (und den von Selbstverbesserungs-Apps geschröpften Geldbeutel) als das.