"Yours & Mine" ist eine deepe Houseplatte. Und vor allem ein Debüt, das kräftig auf eigenen Beinen steht
Text: Michael Döringer aus De:Bug 149

steffi

Man sieht am Leserpoll, wie sehr das Berghain und alles damit Verknüpfte die Technowelt auch 2010 bestimmt hat. Club, Label und Artists haben sich ihre Rolle als Gütesiegel erster Klasse redlich verdient, ein Release auf Ostgut Ton garantiert daher größte Aufmerksamkeit. Gute Bedingungen für Steffi und ihr Debütalbum “Yours & Mine”, auf die sie aber ganz und gar nicht angewiesen ist. Sie hat eine tolle, deepe Houseplatte gemacht, die kräftig auf eigenen Beinen steht.

Eine Debütantin ist die gebürtige Holländerin wirklich nur als Produzentin auf Albumlänge, denn nach vielen Jahren als DJ, Partyveranstalterin und Betreiberin von mittlerweile zwei Labels (Klakson und Dolly) ist Steffie Doms nicht neu im Geschäft. Vor etwa 15 Jahren hat sie angefangen, Platten zu sammeln und aufzulegen, was sie aus der südholländischen Provinz nach Amsterdam führte. Mit dem klassischen Warehousesound, der auf ihrer Platte oft durchblitzt, ging es aber erst spät los.

“Meine ersten Bekanntschaften in der Szene Anfang der 90er waren sehr tief im Underground involviert, da waren vor allem Warp-Acts wie Autechre ganz groß. Mein Einstieg war eher Detroit Electro und das habe ich anfangs auch aufgelegt, gemischt mit Warp-Platten. Erst als Electroclash aufkam und uns gelangweilt hat, haben viele von uns angefangen, vermehrt Chicago und Acid zu mixen.” Beim Auflegen in Amsterdam lernte Steffi schließlich nd_Baumecker kennen, der sie 2005 zum ersten Mal in die Panorama Bar einlud. Hier legte sie in regelmäßigen Abständen auf, bis 2007 der Umzug nach Berlin kam und Steffi Resident in der Panne wurde.

Nun konnte sie sich mit allen Kräften auf die Musik konzentrieren, die Stadt und der Club sorgten für den nötigen Schub nach vorne: “Ich habe immer viel gejammt, aber in Holland kam das alles nicht so richtig raus. Ich fühlte keine Ruhe und Kontinuität, aber in Berlin hat sich vieles gefestigt. Auch die Panorama Bar war sehr wichtig für mich, weil man da vier Stunden auflegen kann und es ist egal, was man spielt. Und ich spiele gerne sehr Unterschiedliches, alles was mir gefällt. Das half mir sehr mich zu entwickeln.”

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Universell im positiven Sinn
Nach einem ersten Track für die Mix-CD von Tama Sumo 2009 begannen sich in diesem Jahr Steffis Releases zu mehren, darunter EPs für Ostgut und Underground Quality, Platten mit Lucretio und Marieu von Restoration und ein wuchtiger Beitrag zur Ostgut-Compilation. Auf ihrer jetzt erscheinenden LP schafft es Steffi, ihre verschiedenen Ansätze und Einflüsse zu kanalisieren und ein sehr in sich geschlossenes Werk aus neun vollkommenen Tracks abzuliefern, dabei aber die vielen Facetten von House aufrecht zu erhalten. Oldschool und Moderne, analoge Wärme und eine sternenklare Produktion fließen zu einer homogenen, sehr nachdenklichen Platte zusammen.

Die klassischen Vocals von Sängerin Virginia auf “Yours” und “You Own My Mind” fügen sich nahtlos ein, keine Spur zu cheesy. Alles ist echt und auf den Punkt. “Yours & Mine” ist vielleicht keine Platte nur für den Club, dafür aber alle übrigen denkbaren Momente. Universell im positiven Sinn also, was Steffi auch mit dem Titel ausdrücken wollte.

Die Platte ist für jeden da, nicht zuletzt für die Leute, die sie inspirieren und unterstützen: “Als Künstler bekommt man bei Ostgut von der ganzen Crew wahnsinnig viel Vertrauen entgegengebracht, das hat mir sehr viel Sicherheit und Zeit verschafft. Viele Leute forcieren es, eine Platte zu machen, aber ich konnte so lange warten, bis das richtige Gefühl da war. Ich bin auch sehr kritisch und denke lange über etwas nach, bevor ich es veröffentliche.” Das scheint der Schlüssel zum Erfolg in Sachen Tiefe zu sein, und ganz unkritisch kann man von Steffi wohl noch vieles erwarten. Sie hat ja auch gerade erst angefangen.

Steffi, Yours & Mine ist auf Ostgut Ton/Kompakt erschienen.

http://www.ostgut.de/label

One Response

  1. Terry Bell

    stimmt. keine platte für den club. eher für die mülltonne. 1000 pressefotos, aber 0 skillz.
    die sollen lieber was von rolando auf albumlänge rausbringen.