Stella kennt man, liebt man - oder hasst man. Niemand hat aus New Wave so die aggressiv penetrante Präsentation destilliert wie die Hamburger Band um Elena Lange. Mit ihrem neuen Album sind sie richtig smart geworden. Der falsche Rock bringt es halt mit den richtigen Mitteln: Gitarren-Bass und Perücke, zum Beispiel.
Text: Johanna Grabsch aus De:Bug 82

New Power Generation
Stella

Stella haben ein neues Album gemacht – und erklären ”retour à la nature”-mäßig den Rock zu ihren Wurzeln und mir im Gespräch die “idealistisch romantischen” Grundlagen der Banddynamik.
Aus promo-zeittechnischen Gründen treffe ich nur die Hälfte der Band, Thies Mynther und Mense Reents.

Debug:
Warum habt ihr euch zu diesem Zeitpunkt entschieden, ein neues Album zu machen?
Thies:
Wir waren vor anderthalb Jahren fast fertig, dann hatte Mense einen Hörsturz und wir konnten erstmal nichts machen. Und unsere Solo-Produktionen waren halt auch sehr zeitintensiv.

Ich bin mehrere Öltanks

Stella-Musiker pflegen mehrere Identitäten. Mense ackert neben seinem Alleingang bei den Goldenen Zitronen und Egoexpress, Hendrik Weber ist auch Panther du Prince plus Nebenprojekte, und Elena Lange spielt neben Theater und Studium noch in Ihrer White-Funk Girlsband TGV. Thies, Hälfte von Phantom / Ghost, umtriebiger Produzent (Miss Kittin, Chicks on Speed) und Superpunk-Attaché, trägt zum Interview eine Perücke – wie auf dem Albumcover – die Band hat ihm, und er sich, für Stella eine andere Identität verpasst: “Woman with a beard”.
Stella zeigen sich neu gewandet – das Cover spielt mit 70er Glam-Anleihen und 20er-Jahre Dekadenz, aber die Darsteller der Szenerie fügen sich nicht perfekt ins Bild.

Die Definition von Rock

“Better days sounds great” erscheint erst wie eine Rockplatte. Doch das meiste, was hier nach verzerrter Gitarre riecht, sind übersteuerte elektronische Bässe, das gekonnte Basspiel entpuppt sich als gekonntes Synthprogramming. Und den absoluten Rock’n’Roll-Hit der Platte “Never going back to school” hat Mense an seiner MPC aus Versatzstücken der schon vorhandenen Stücke zusammengesampelt. Stella zitieren gerne, lassen sich aber trotzdem nie so richtig einordnen. Fleetwood-Mac-Cover, Punkrock, Glam, Electropunk, Minimal House oder Destiny’s-Child-Attitüde – spielt die Produktionsmethode für die Kategorisierung einer Musikrichtung eine Rolle? Der ewige Popdiskurs rückt in den Hintergrund, Stellas neues Album fragt, in Menses Worten: ”Was ist Rock“, erklärt die eigene Haltung als antirockistisch und stellt so auch die Definition von elektronischer Musik in Frage, ”Goodbye Popkids“.
Trotzdem ist die Arbeitsweise der Band ein durchdachter Produktionsprozess in fast konservativen Bandstrukturen.

Basisdemokratische Arbeitsmethoden

Mense:
Wir haben mehr mit dem Bandkorpus gearbeitet, tatsächlich im selben Raum simultan Instrumente bedient. Nachdem wir das Grundmaterial hatten, haben wir uns in drei Räume aufgeteilt – und jeder hat seine Lieblingssongs ausproduziert. Dann gab es alle drei, vier Stunden eine Art Plenum, wo man geguckt hat, was die anderen AGs machen. Das war sehr produktiv.

Debug:
Dafür ist das Endprodukt erstaunlich homogen.

Thies:
Durch das simultane Bedienen von Instrumenten räumt man Differenzen aus, über die man dann nicht mehr stolpern kann. Man weiß mittlerweile auch, womit man bei den anderen nicht durchkommt. Es gab wesentlich weniger stilistische Diskussionen.

Stella scheinen eine gemeinsame Identität gefunden zu haben. Das Album klingt extrem stimmig, auch Elenas dominierende Stimme fügt sich perfekt ins Bild.

Thies:
Elena singt mittlerweile einfach extrem gut, sie war schon immer sehr gut darin, Gesangsgesten zu imitieren, jetzt tut sie das so nonchalant, dass sie selber dabei zu sehen ist.

Vor Jahren ging das Gerücht in Hamburg, Elena spiele für eine Re-Edition von Prince’ New Power Generation Gitarre vor – vielleicht würde sie mittlerweile mit der ganzen Band auftauchen.

Servicepoint:
Stella, Better Days sound great, erscheint am 10.05.04 bei

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Text: benjamin weiss aus De:Bug 24

Lange Zeit gab es neben Trackerprogrammen wie PlayerPro oder halbherzigen Versuchen wie VSamp eigentlich nichts für den Mac, womit man vernünftig sampeln konnte und die einzige wirkliche Samplekarte war die SampleCell von Digidesign, die mit über zweitausend Mark nicht gerade günstig ist für das, was sie kann. Jetzt scheint sich das zu ändern, denn nach Bitheadz Unity DS-1 (Test im nächsten Heft) kommen Koblo nach dem Sample-Drummodul Gamma9000 jetzt mit ihrem Softwaresampler Stella9000. Glücklicherweise ist die Bonbonfarbigkeit diesmal dezent in blau gehalten, das lila von Gamma9000 fand ich visuell nämlich doch irgendwie schwer verdaulich. Oberfläche Die Oberfläche des Stella9000 ist in sieben Bereiche aufgeteilt: Sample, Env, Modulation, Filter, LFO, Arpeggio und Global. Ebenso wie die Geschwister Gamma und Vibra ist Stella in jedem Parameter über Midi zu steuern. Sample Die Samplesektion dient der Einstellung der Grundparameter der verwendeten Samples. Die Größe und Anzahl wird der Samples wird durch den vorhandenen Arbeitsspeicher limitiert, Stella kann acht Sounds gleichzeitig abspielen, ist also achtfach polyphon. Leider sind bisher nur Audiofiles im SoundDesigner Format ladbar. In einem schwarzen Fenster wird der Name des gerade verwendeten Samples angezeigt, durch Draufklicken läßt sich ein neues Sample laden beziehungsweise eine Keymap. Eine Keymap besteht aus einem Ordner mit Samples, die gleichmäßig über die Miditastatur verteilt werden, so daß sich trotz nur einem Instrument auch mehrere Samples benutzen lassen. Außerdem gibt es noch einen Oktavenregler mit dem sich die Oktavlage von -5 bis +5 definieren läßt. Zum Stimmen dienen Semi (für die Stimmung in Halbtonschritten) und Cent (für die Stimmung in Hundertsteln). Dann sind da noch die Regler für Front Cut , (wie weit das Sample vorne abgeschnitten wird) Attack und Decay. Per Velocity Modulation wird die Intensität der Velocity Modulation geregelt (hättet ihr nicht gedacht, was?), wahlweise kann Velocity auf die Lautstärke, das Panning, Pitch oder den Front Cut Wert geroutet werden. Env Env steht für Envelope, also die Hüllkurve des Samples und ist immer von Midi abhängig. Zur Verfügung stehen drei Envelopes mit Attack (Einschwingverhalten), Decay (wie schnell die Hüllkurve auf den Sustain Level fällt), Sustain (die Lautstärke, auf der der Ton gehalten wird, solange ein Note On Befehl da ist) und Release (wie schnell die Lautstärke auf null fällt, sobald kein Note On Befehl mehr da ist). Weiterhin gibts einen Invers Button, der den Hüllkurvenverlauf umkehrt, sowie einen Regler für Velocity Sensitivity der definiert, wie sehr die Envelopes auf Velocity reagieren. Modulation Acht Modulatoren lassen sich in der Modulationssektion in den Parametern Source, Destination (per Po-Up Menü) und Amount (per Drehregler) definieren. Als Quellen stehen die drei Envelopes, die beiden LFOs, Aftertouch, das Modulationsrad, Velocity und Note On – Daten zur Verfügung. Die Ziele können jeweils Amp, Pan, Pitch, Front Cut, Cutoff, Separation, LowPass, Bandpass und Highpass, Resonance sowie die anderen Modulatoren sein, wodurch ziemlich komplexe und variable Schaltungen erzeugt werden können. Filter Zwischen fünf verschiedenen Filtertypen läßt sich in der Filtersektion wählen: neben einem 2-Pol und einem 4-Pol Filter stehen zwei parallel geschaltete 2- Pol Filter und zwei verschiedene Kammfilter zur Verfügung. Der 2-Pol kommt mit Cutoff, Resonance und Keytrack (), 4-Pol und die zwei parallel geschalteten 2-Pol Filter bieten zusätzlich noch Separation. Alle Polfilter haben außerdem noch zusätzlich je einen Regler für die Intensität von Tiefpass, Bandpass und Hochpass. Die Kammfilter haben jeweils Cutoff, Keytrack, Resonance und Separation. Arpeggio Ein nettes Feature das auch eher an einen Synthesizer erinnert, ist der Arpeggiator. Neben der Bandbreite, dem Tempo (das sich auch per Midiclock steuern läßt) und dem Sustain stehen noch zwei verschiedene Patternregler bereit, die jeweils drei verschiedene Arpeggiomuster bieten. Dazu kommt noch der Rhythm – Regler mit dem sich dem Arpeggio rhythmische Verschiebungen verleihen lassen. LFO Hier gibt es zwei LFOs, die beide mit vier Potis und einem Button ausgerüstet sind: Shape, Rate, Env (der Button) sowie Attack und Decay. Per Shape läßt sich eine der sechs verschiedenen Wellenformen aussuchen, Rate definiert die Geschwindigkeit des LFOs und der Env – Button dient dazu, den LFO neu zu starten, wann immer eine neue Note angetriggert wird. Bei aktiviertem Envelope kommen dann Attack und Decay zum Vorschein, die das Ein- und Ausschwingverhalten des LFOs regelbar machen. Global Global bietet, wie schon beim Softwaredrumcomputer Gamma und dem Softwaresynthesizer Vibra, eine Anzeige für den gerade benutzten Parameter und den ihm zugeordneten Midicontroller. Dazu gibts eine nette Wellenformanzeige, die zwar das Gesamtbild durch wildes Rumzucken oder leichtes Vibrieren ein wenig auflockert, ansonsten aber keinen wirklichen Nutzen zu haben scheint. Gleich daneben ist der Lautstärkeregler mit einer LED-Anzeige. Außerdem gibts die Tasten Trig (zum Antriggern eines Samples wenn kein Midisignal anliegt), Panic (immer gut, stellt den Ton bei Midikomplikationen oder wenn sich das Programm aufhängt, was glücklicherweise extrem selten passiert, ab), Midi (zur Aktivierung der Midisteuerung), Rec (zur Auslösung des direkten Schreibens als Audiofile auf die Festplatte), Solo und Mute. Leider hat man auch bei Stella keine Möglichkeit, den Aufnahmevorgang ein wenig komfortabler zu steuern, per Klick auf den Button wird die Aufnahme gestartet und gestoppt, lediglich eine Höchstlänge des Audiofiles läßt sich definieren. Schließlich gibts noch ein Poti für Bend Range (zur Definition des Pitch Bend Bereichs), Pan für das Panning und Tune für die Gesamtstimmung. Performance, Bedienung und Sound Die Performance ist gut und recht wirtschaftlich, vor allem im Vergleich zum großen Konkurrenten Unity DS-1 (Test im nächsten Heft) ist Stella genügsam in Bezug auf Prozessorbedarf und Arbeitsspeicher. Klasse sind auch die Verschaltungsmöglichkeiten, die man sonst nur in High-End Samplern oder Synthesizern findet, was auch für den Arpeggiator gilt. Auch die Bedienung ist sehr logisch, Pop-Up Menüs spärlich gesät und Abstürze gibt es extrem selten. Der Sound ist gut, allerdings nicht ganz so präsent wie beim Unity DS-1, auch die Filter klingen ordentlich wenn auch manchmal ein wenig schrill. Für den Preis ist Stella auf jeden Fall konkurrenzlos, zwei Mankos gibt es aber noch: momentan kann Stella nur Samples im SoundDesigner Format schlucken und was auf jeden Fall fehlt, ist die Einbindung in Cubase per ReWire, denn so ist es mühsam, wenn man gleichzeitig mit Harddiskrecording arbeitet. Trotzdem ein gut zu benutzender Sampler und auch weit billiger als jeder Hardwaresampler mit der gleichen Funktionalität. Außerdem eines der wenigen Programme, das echt Plug & Play ist, ohne daß es Einschränkungen bei der Funktionalität gibt. Schön. **** Plattform: Power Mac info & Demodownload: http://www.koblo.com Preis: ca. 330,- DM Systemvorraussetzungen: PowerPC

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