Storm vertrat schon immer einen etwas anderen Drum and Bass Sound. Raven ja, aber bitte ohne Tunnelvision.
Text: Orson Sieverding aus De:Bug 45

Storm

Drums and real Bass

Wo sind meine Dubplates?

Storm vertrat schon immer einen etwas anderen Drum and Bass Sound. Den Dancefloor in Sichtweite hat sie sich nie dem Funktionalitätsdiktat, dessen Geist so mancher 12″ ins Vinyl gepresst ist, ausgeliefert. Lieber versöhnte sie in ihren Sets die neuesten Knotenbreaks von Source Direct und Photek mit Dillinjas Endlos-Drumrolls und Monsterbass. Raven ja, aber bitte ohne Tunnelvision. Der Funk sitzt in den Breaks versteckt, und die haben, wie der Drum and Bass Producer Spirit vor kurzem zu recht feststellte, jeder seinen ganz eigenen Charakter. Mit jedem neuen Break ein neuer Vibe, eine neue Ebene, auf der die Party stattfindet und immer wieder auf’s Neue die (neben der Intensität) wohl größte Qualität von Drum and Bass hervorhebt: Abwechslungsreichtum. Eine Tatsache, die eine ganze Weile ein wenig in Vergessenheit geraten war. Genauso, das Drum and Bass Breakbeat Musik ist. Und Breaks und vor allem Bass liebt Storm erklärtermaßen. Nicht umsonst hat sie sich nach ihrem Ausstieg bei Metalheadz den Bassbuddies Dillinja und Lemon D und deren dahindümpelndem Label Valve angenommen. Nachdem es knapp anderthalb Jahre um das Label still war, stehen jetzt allein für die nächsten Monate drei Releases auf Valve an. Als DJ und Promotionchefin in Personalunion jettet sie von London in schöner Regelmässigkeit auch in heimische Gefilde.

Gestern hast du zum vierten mal in Düsseldorf aufgelegt und du bist oft in Berlin. Wie ist die Stimmung in den Clubs hier verglichen mit einer Nacht in London ?

Ich glaube nicht, dass man das vergleichen kann, weil, wenn die Leute wirklich auf die Musik abgehen, wie es gestern Nacht der Fall war oder wie in Berlin, oder in der Bar Rhumba, oder bei den Metalheadz Abenden oder wo auch immer, dann ist es egal, wo du bist, denn du bist meistens in deinem eigenen Drum and Bass Bubble. Das ist es, was uns alle faziniert daran, wir haben eine Verbindung zueinander und da ist es egal, wo wir sind, denn es geht darum guten Drum and Bass zu hören und darauf abzugehen.

Gehst du auch noch selber tanzen ?

Es ist sehr schwer für mich, wegzugehen und aufzulegen oder besser gesagt, ich kann nicht raven und dann auflegen. Ich kann auflegen und dann raven. Ich nehme an, die einzige Ausnahme, dass ich weggehe und rave, ist der Metalheadz Club oder Fabios Club

Wie lange legst du jetzt schon auf ?

Anfang 1990 endeckten Kemi und ich Rage für uns und sind dann ungefähr zwei Jahre ziemlich hart abgegangen und Ende 1991 hatten wir dann endlich die Plattenspieler. Wir waren so naiv wir haben ungefär einen Monat mit den „big rubber mats“ auf den Plattenspielern gemixt bis Randall vorbeikam und sagte, das geht so nicht Mädels – das war uns ziemlich peinlich. Ungefähr 5 Monate nachdem wir die Plattenspieler hatten, haben wir eine Show bei einem Piraten Sender bekommen.

Gab es bestimmte Clubs in London, die für wichtig für euch waren ?

Laserdrome, ein Club in Peckham South London, der jeden Samstag lief, in diesem Club bekamen wir unsere erste Chance, aufzulegen durch eine weibliche Promoterin, Sonja. Einige weitere Gigs bekamen wir im Club „Morning After“. Auch dieser Club wurde von einer Frau organisiert, Sherry, und hatte immer sonntags von morgens bis abends sechs Uhr geöffnet. Also diese beiden Frauen und eine weitere Agentin waren für den Beginn unserer Karriere verantwortlich. Mit Goldie bei Methalheadz zu arbeiten,war hilfreich, um unser eigenes Ding, unseren Club und unsere Tourneen zu entwickeln.

Gestern hast du am Anfang deines Sets viel Digital und Dillinja Platten gespielt …

Und etwas Lemon D und viele der Platten, wo du glaubst, sie wären von Dillinja, sind von Bert, der auf Valve 5 ist. Mein Set ist offensichtlich sehr stark von ihrem Sound beeinflusst „because thats to me original drum and bass, it has drums and it has real bass“, was ich in vielen anderen Drum and Bass Richtungen zur Zeit nicht höre. Schlussendlich spiele ich viele neue Dublates und auch Vinyl, das ich allerdings auch sehr früh kriege. Das ist eine zweischneidige Sache, denn einerseits sagen die Leute die Stücke, die du spielst, erscheinen eh nicht, und andererseits wollt ihr doch nicht, dass ich nach Deutschland komme und die Platten spiele, die der Dj vor mir aufgelegt hat, sondern ihr wollt den Sound von Storm hören. Da ich für Dillinja und Lemon D als Pressoficer arbeite, ist es klar, dass ich ihre Musik spiele. „Digital is my boy“, und ich habe ihn von Anfang an unterstützt und seine Platten gespielt, aber erst jetzt fangen die Leute an, ihn zu hören. „ he is a work almost in progress“ wie viele andere Producer auch, und früher hatte er nicht viel Geld, deswegen war sein Sound nicht so gut wie heute. Das Geld, was er nach und nach verdiente, steckte er in ein Studio und jetzt ist der Sound, wie er ihn will.

Hörst du einen Unterschied, wenn du auflegst, mit welchem Equipment bei der Produktion gearbeitet wurde, ob zum Beispiel beim Mixen ein digitales oder anaolges Mischpult verwendet wurde ?

Nein, das könnte ich dir nicht sagen. Ich weiss nur, dass Digitals Sound um einiges sauberer, lauter und differenzierter geworden ist. Digital hat sich die gleichen Lautsprecher gekauft, die Dillinja hat und von dem Zeitpunkt an konnte er verstehen und hören, was Dillinja über den Mixdown sagt, und das Gleiche, wie er machen. Dillinja versucht in der letzen Zeit, seinen Bass nicht so hart klingen zu lassen, er rundet ihn etwas mehr ab. Ich weiss zwar nicht wie, aber man kann den Bass Drop deutlicher spüren, und das ist, was sie im Moment wollen. Sie wollen diesen „round reggae sounding bass“. Letze Nacht habe ich auch einige Spirit Sachen gespielt, „he got some big tracks coming“. Es gibt so viele Leute die ich gespielt habe, z.B. Marcus Intalex und seinen Remix für Reinforced, andere Platten auf Reinforced und viele A-Sides Stücke. Von ihm werden eine Menge Platten rauskommen, A-Sides hat mit Randall zusammengearbeitet. Er ist seit Jahren hier, als Secret Squirrel, Bob Whopper und unter anderen verrückten Namen, die wir uns damals zulegten, als wir viele Samples benutzen um nicht identifiziert werden zu können. „ and now all of sudden he is getting his go aswell“ das ist gut, denn die Sachen die er als Cyclone macht, sind unglaublich gut. Ich glaube ein Drum and Bass Producer muss auch überleben, also muss er vieleicht ein wenig komerziellere Tracks machen als Er oder Sie möchte. Schau dir die Sachen an die J Majic macht, die Platten mit Kathy Brown bis hin zu den mehr Dancefloor orientierten, sind sehr unterschiedlich, aber sie funktionieren. Im Endeffekt sind sie alle gute Musiker, aber ich glaube Drum and Bass hat manchmal Schwierigkeiten, diesen Aspekt deutlich zu machen, und dann passiert es wie letzes Jahr, dass wir alle in einem Sound enden, worum es bei Drum and Bass aber nicht geht.

Was denkst du über den oldschool Vibe, der zur Zeit in Tracks von Total Science, Digital oder Alpha Omega zu finden ist ?

Wir haben schon immer alte Samples und Breaks benutzt. Ich meine unsere Szene ist daraus entstanden Breaks von Hip-Hop und sonstwo zu nehmen, aber ich glaube worum es bei Drum and Bass immer ging, ist, auch mit wenig Equipment diese Samples zu verändern „they have been out to twist up those samples“. Ich glaube das war die Kunst des Drum and Bass Producers von Anfang an. Und jetzt gibt es Leute, die einfach Samples aus einem alten Stück nehmen und das finde ich billig ! „Obviously Digital will always hold back to an old sound but if you can find this track …“ ich habe immer nur eine ganz entfernte Ahnung, woher der Sound kommen könnte. Digital lacht nur, wenn ich ihm sage, was ich denke, was seine Tracks aussagen. Aber ich mag es, wenn sie Samples benutzen, diese verändern „and just giving a glimmer of the old days rather then the whole thing“. Ich glaube „Champion Sound“ war ok, denn das war ihr eigener Track auch der „Wots My Code Dubplate“ remix war gut „but you know enough“ !

Gibt es einen bestimmten Grund warum du oft ohne MC auflegst ?

Nein, das hängt gewöhnlich davon ab, wieviel Geld die Clubs haben. Meistens würde ich sehr gerne mit einem MC zusammenarbeiten, aber es ist auch nicht immer nötig. Wenn du einen guten MC hast wird dein Set um ein vielfaches besser, weil die Leute jemand haben dem sie folgen können. Wenn ich wiederum ohne MC auflege, lege ich anders auf, ich mache kleine Sachen um die Leute bei Laune zu halten. Im Moment versuche ich alle möglichen Dinge. Ich mache die Leute auf das was ich mache aufmerksam anstatt einen MC dabei zu haben, denn mit einem MC musst du unter Umständen nicht soviel mixen, ich meine, mir ist das egal, denn ich liebe es zu mixen. „i‘m a mixing dj and i always have been“.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie präzise und schnell du mixt …

Mein Ziel war immer so schnell wie Randall zu sein und ich glaube immer noch nicht, dass ich es geschafft habe. Ich vermute, seitdem Kemi gestorben ist, habe ich den Druck, genau zu sein und uns beide zu representieren deutlich mehr gespürt. Ich habe die letzen Jahre ziemlich hart gearbeitet, um das zu schaffen und um ganz ehrlich zu sein, ist djing „one of my own points of solice in my mind and my heart for kemi“, denn das ist der einzige Moment wo ich wahrhaftig in meine Musik vertieft bin und das ist, was uns letzendlich zusammen brachte. Wenn ich auflege, bin ich am glücklichsten und das ist, was mir bis zu einem gewissen Grad am weitermachen hilft Ich könnte Tag und Nacht auflegen, ohne irgendetwas anderes zu tun.

Inwiefern hat sich der Sound der Platten, aus deiner Sicht über die Jahre verändert ?

Wir mussten damals mit Platten auflegen, die du schwer hören konntest, Platten die nicht tight liefen aufgrund der schlechten Computer qualität usw. Jetz ist es grossartig, die Breaks sitzen tight und laufen nicht mehr so sehr aus dem takt. Es ist für mich, als würde ich einen Life remix machen. Wenn das Stück ein Vocal hat, dann will ich wissen „how twisted i can make it sound“, oder ich versuche den Code zu finden der sich unter dem Stück verbirgt.

Wie gut ist der Sound in den Clubs, meinst du die Anlagen könnten verbessert werden ?

Das Ding ist, das der Sound über die letzen Jahre hinweg, zu einem Sound diktiert wurde, der nicht viel Subbass enthält. Die meisten Clubs, haben sich an einen bestimmten Sound gewöhnt, der viel einfacher einzurichten ist, so eine Art Techno Sound. Vor einigen Jahren wurden die Drum and Bass Soundsystems besser, doch jetzt hat die Entwicklung fast aufgehört. Doch sie werden sich wieder mit Bass auseinandersetzen müssen, weil es zurückkommt und schon voll im Gange ist. „Its like Digital and Dillinja having a war with the bass“. Ich hoffe wirklich, dass die beiden sich noch dieses Jahr zusammenschliesen und ein Stück zusammen machen. Ich will hören, wie sie ihre Bässe aufeinander loslassen. Dillinja baut übrigens gerade an seinem eigenen Soundsystem, weil er mit den meisten Anlagen unzufrieden ist, und dass die Leute Drum and Bass nicht richtig hören können. Ich muss allerdings sagen, dass es auserhalb Englands meistens besser ist. Ich habe in Deutschland schon auf wirklich fetten Anlagen gespielt. In Berlin ist es jedesmal „wicked“, du kannst den Bass richtig „pushen“, die Nacht mit Goldie z.B.war spektakulär.

Was macht Goldies neues Album ?

Ich habe einige Stücke gehört, er hat hart gearbeitet um Metalheadz wieder auf Vordermann zu bekommen, er hat Platinum Breaks 3 und die nächsten vier Releases für Metalheadz fertig. Jetz wo er das geschafft hat kann er sich auf sein Album konzentrieren. Er hat vier Stücke zusammen, vier habe ich bis jetzt auf jeden Fall gehört und einige hören sich sehr nach Goldie an. Er ist wieder da, und ich denke Metalheadz wird wieder laufen.

Auch Reinforced bringen mit der 2nd Wave wieder viel Platten raus.

Da gibt wieder eine menge Ermutigung. Ich hatte Gespräche mit Reinforced und viele andere auch: „you need to get it together“. Es sollte einen Platz für die verschieden Sounds von Drum and Bass geben. Wir praktizierten dies bei Metalheadz, wir sagten: alles, was ihr uns bringt, werden wir releasen. Aber du konntest jedes Stück auf dem Dancefloor spielen, egal ob es ein Wax Doctor Stück oder was auch immer war. Ich denke immer noch, dass es auch auf dem Dancefloor klappen muss. Ich glaube alternative Sachen können funktionieren, man würde z..B. sagen Photek hat einen altenativen Sound, aber wenn du seine tracks auf dem Dancefloor hörst, rockt es, so wie Source Direct, er macht „crazy stuff“ aber es funtioniert.

Glaubst du, dass Drum and Bass über den Club Kontex hinaus eine Bedeutung hat ?

Ich denke Drum and Bass ist eine der wenigen Musikrichtungen, bei der gilt „allcomers wellcome“. Es gibt zur Zeit bestimmte Szenen in England wo ich nicht akzeptiert wäre, das finde ich nicht gut. Ich finde auch die ganzen Sachen, wo es nur um black oder nur um white oder nur um indian geht, nicht gut. Nein, Musik schliesst jeden mit ein, Musik ist, denke ich „the great world healer“, denn jeder versteht sie. Ich war gerade in Costa Rica und habe dort meine Mix CD gespielt und die Leute sind ausgeflippt und in anderen Teilen der Welt ebenso, ich habe in Hong Kong, Japan, Australien und Neuseeland aufgelegt. Du könntest die Leute von gestern Abend mit den Leuten aus Neuseeland zusammentun und wir würden alle gemeinsam ausflippen, du würdest vieleicht sagen exuse me oh Entschuldigung, das ist der Unterschied. Ich glaube das ist die Botschaft dieser Musik.

Es gibt erstaunlich wenig Frauen die Drum and Bass auflegen …

Es gibt nicht so viele an der Spitze, die uns Frauen repräsentieren, aber die ganzen Agenturen wiederum werden von Frauen geführt, jede einzelne. So ist es fast diese Sache: hinter jedem grossen mann steht eine grosse Frau. Falls du das zu den Djs sagen würdest würden sie sagen: hör auf Storm, nur weil du eine Frau bist. Aber die Sache ist die, fragt euch doch selber Jungs wärt ihr hier, wenn da nicht Frauen im Hintergrund euer Leben organisieren würden. Männern wurde immer beigebracht ihre Energien in die Sache zu investieren und Frauen, sich für Menschen zu engagieren. Das ist der Unterschied. Und ich mache beinahe beides, mein Ding ist meine Musik und ich werde so „territorial“ sein wie jeder andere. Wenn ich mit Dillinja rede, dann sprechen wir „business“ und ich sage, wo sind meine Dubplates. Ich kämpfe um meine „tunes“ wie alle Männer. Aber du musst diese albernen Spiele spielen, denn es ist ein grosses Rollenspiel, das ständig stattfindet. Es geht um Hierachien, wen du kennst und was für Brücken du schlägst. Ein leichtes Spiel eigentlich, und ich habe das Gefühl, dass Männer damit besser klarkommen, weil sie sich nicht scheuen zu fragen. Frauen verhalten sich in diesem Zusammenhang anders. Sie Denken vorraus. Wir hören zu, wir lernen, und wir können einspringen, wo Männer vielleicht viel zu sehr damit beschäftigt sind, sich über etwas aufzuregen, da gehen wir los und tun etwas. Auf jedenfall werden die meisten weiblichen Djs sagen, dass sie viel härter arbeiten müssen, um voranzukommen, andernfalls würden die Jungs sie überhaupt nicht wahrnehmen. Definitiv ist das ganze noch sehr männerorientiert. Ich denke die meisten Jobs in die du involviert bist sind von Männern dominiert. Aber das ändert sich jeden Tag. Doch sollte das einen nicht tangieren. Der Idee, nur jemanden zu promoten, weil sie weiblich ist, stimme ich aber auch nicht zu. Ich habe aber auch viel Respekt von den Jungs bekommen, ich meine, wir haben schon eine Menge „wicked“ Charaktere in der Drum and Bass Szene, das macht das ganze noch interresanter. Es gibt einige verrückte Typen in unsere Szene, die es wirklich von nichts zu etwas gebracht haben, und das ist nicht immer leicht zu handlen. Erst hattest du nichts und dann auf einmal bist du dieser grosse Dj und legst überall auf. Dies bietet wirklich vielen ein Leben und eine Arbeit, die dachten, sie würden sonst etwas ganz schreckliches tun. Und es ist erstaunlich, es ist jetzt eine Industrie geworden die vielen Hoffnung gibt, dass sie das werden können, woran sie nie geglaubt haben.

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Elektronische Lebensaspekte.