2004 war ein gutes Jahr für Streetart. Das meinen auch Marc und Sara Schiller vom Wooster Collective, einem der lebendigsten Blogs und besten digitalen Street-Art-Speicher überhaupt. Neue Leute kamen hinzu, alte traten auf neues Terrain - 04 war das Jahr des "Ja" zu Street Art.
Text: Marc and Sara Schiller aus De:Bug 89

Zwischen Museum und Knast
Streetart

Fragt man heute jemanden, der mit Streetart zu tun hat, ob 2004 ein gutes Jahr war … die Antwort wird 100% ein enthusiastisches “JA” sein.

Das Interesse an Streetart ist im vergangenen Jahr explodiert. Der “Schuldige” dürfte vor allem das Internet sein. Immer mehr Künstler veröffentlichen ihre Arbeiten im Netz auf Sites wie fotolog.net. Weltweit kommt es zu einem verstärkten Austausch. Auch Künstler in Kleinstädten, eigentlich ohne Anschluss an eine Szene – sind so immer auf dem Laufenden. Plötzlich lernen sich Künstler kennen, starten Kollaborationen und Arbeiten werden plötzlich in Ländern verbreitet, in die die Künstler sonst nie hätten reisen können.

Von diesem neuen Netzwerk getrieben, gab es 2004 eigentlich jede Woche neue Gruppenausstellungen, die internationale Künstler zusammenbrachten. Viele dieser Ausstellungen kamen durch das Engagement der Künstler selbst zustande, außerhalb der etablierten Gallerien. Die Highlights waren z.B. Vinyl Killers aus Portland, Stickerthrow aus New York und Beyond The Street aus Ghent.

2004 reisten viele Künstler zum ersten Mal um die Welt. Nach Berlin zum Beispiel zur Pictoplasma oder auch zu unserer “Hollywood – The Remix”-Show nach New York. Die Crew der Finders Keepers schickte ihre Show sogar auf Tour, erst nach Hamburg, dann nach Barecelona, einer Stadt, die eh einer der wichtigsten Sammel- und Treffpunkte war.

Der Graffiti-Künstler Neckface hat die Welt im vergangenen Jahr im Sturm erobert. Auch die Arbeiten von Roadsworth aus Montreal waren dank des Internets überall präsent. Vielleicht zu präsent: Im Dezember wurde Roadsworth verhaftet und ist angeklagt wegen Sachbeschädigung in 48 Fällen. Er darf Montreal bis auf Weiteres nicht verlassen.

Als vielversprechende Newcomer konnten wir 2004 u.a. begrüßen: Fruhstuck aus Holland, Medium aus Kanada, Aeros aus Frankreich, Arofish aus London, fi5e aus New York, Gomez Beuno aus Los Angeles und Lolo aus Barcelona.

Auch in den USA lief es im vergangenen Jahr gut: Streetart bekam endlich die große Museums-Show, die sie verdient. “Beautiful Losers” war mit unvorstellbarem Erfolg in Cincinnati und San Francisco zu sehen und stellte die Werke einem völlig neuen Publikum vor.

Verdammt nochmal … 2004 war ein gutes Jahr für Streetart.

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Elektronische Lebensaspekte.