StyleWar aus Stockholm hat sich auf die Verbindung von Motion Graphics und Film spezialisiert. Von Clips bis zu Titelsequenzen füllen sie alles mit ihren übereinandergelegten Bildebenen, kräftigen Farben und surrealen Collagenfiguren. Verena Dauerer verfolgte sie bis in die Details ihrer Clipwelten für Moby, Morcheeba, MTV, Nike und einer langen Liste mehr.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 85

Grellbunt plastische Clipwelten | 3-D mit StyleWar

Man kennt sie spätestens seit den Trailern für Ikea. Da klappen sich die Wohnungsmöbel nach Preisklasse beziehungsweise vorhandenen Euros auf, schaffen Ordnung und am Schluss klackert ein Pony in übersteigerter Neureichen-Dekadenz neben einer Harfe durch die Bude. StyleWar nennen sie sich. Reimt sich nicht auf Wasa, trotzdem sind sie aus Stockholm. Das Trockenbrot als solide Grundlage ist die Animation, die man ihnen nicht gleich anmerkt. Bei ihren Clips sind die Farben immer so laut, kräftig eben, wie mit dem Edding coloriert. Ein Fanzine-Effekt mit starken Kontrasten ohne Raum für Zwischenweichheiten: Ihre Vorliebe für schwarz-weiß oder grell kombiniert sich mit bewegten Bildercollagen, die aussehen wie zusammengeklebte Fotokopien. Was sie eigentlich fabrizieren, ist ein dreidimensionaler Fake-Trash, mit dem sie plastische Räumlichkeit vormachen. Sie bauen die Umgebung im Video in 3D und kleben die Fotos und Grafiken drauf. Das wirkt komisch verschachtelt, als würden die Bilder sich hintereinander auf einer Ebene wie Kulissen auf einer Theaterbühne hin und her schieben.

Firmenvorgehen
1998 taten sich Martin Sjöström und Oskar Holmedal zusammen. “Wir kennen uns aus der Forsbergs Schule in Stockholm“, erzählt Martin. Wie immer bei diesen Clipsenschmieden. “Später haben wir dort unterrichtet. Darüber kamen noch Studenten zu uns. Die Schule war neu und hatte damals eine Underdog-Position, also musste man sich erst beweisen.“ Unter StyleWar als Kollektiv verstehen sie einen Topf an Kreativlingen, der jeder Arbeit das Namensschildchen anheftet. Jeder darf sich was picken von den Anfragen, die hereinkommen. Zusammen klamüsern sie den Final Look aus. Das geht für die elf, bald zwölf, weil sie auf einer Wellenlänge sind und sich immer noch abends ein Bierchen teilen, meint Martin. An den Jobs sind immer mindestens zwei, meistens vier bis fünf dran. Wenn sie für ein Video pitchen, schicken sie oft mehrere Ideen ans Label. Schadet ja nicht. Bei Werbetrailern ist es anders: “Die werden inhaltlich durch Tests ausgearbeitet.” Geschehen ist das beispielsweise bei den lustigen Anti-Alk Spots “Alkoholprofilen”. Darin haben sie Collagenfiguren, die einen Vollrausch samt Absturz simulieren, mit einem unbeeindruckten schwedischen Singer/Songwriter-Soundtrack sympathisch nüchtern herübergebracht.

Ode an die Künstliche Welt
StyleWars erstes Projekt war die Titelsequenz für ein TV-Reisemagazin. “Wir taten, was wir konnten mit Director und Premiere, der einzigen Motion Software, die wir halbwegs im Griff hatten.” Ihre Erkenntnis heute: “Jetzt bekommen wir Jobs, bei denen wir auf Film drehen dürfen.” Aber reine Animationen können sie auch, für Moby etwa. In “Sunday” und “In This World” scheitern putzelige Stumpfnasentierchen samt Schepper-UFO bei der Kontaktaufnahme mit den Menschen und werden später in Hollywood berühmt. Auch da ist das Filmmaterial nicht echt und die vor der Green Box aufgenommenen Leute hineingesetzt. Genau wie bei Junior Seniors “Boy Meets Girl” 3D Studio Max ihr Freund und Helfer war. Eine Nicht-Stadt wurde mit blinkenden Tags an den Wänden, Comic-Vöglein, fliegenden Herzen und wackelnden Instrumenten bevölkert. “Voll gestopft mit Sachen, von denen wir nachts träumen. Ein Forum für jeden Stil aus alten Erinnerungen”, steht im Info zum Clip. Die Story findet über Sprechblasen statt. “Unsere Einflüsse sind Comicbücher und alte Videofilme”, sagt Martin. Aber auch Trash wie David Hasselhoff: “Von den Titelsequenzen bei ‘Knight Rider’ bis zu den Horrorfilmen von Dario Argento.” Bei “Main Ofender” für The Hives setzen sie die Musiker in eine schwarz-weiß zusammengeschusterte Welt aus Zeitungsmeldungen, während Schriftbänder durch das Setting laufen. Mit der Band gab’s dabei einige Diskussionen über Stil und Details. Mit dem Diskutieren ging’s dann beim Video für Franz Ferdinand gleich weiter, dem aktuellen Projekt. Garantiert wird das auch ziemlich stylish, in 3D.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.